Was hat Coburg mit Jerusalem zu tun? Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten gibt es schon bald eine symbolische Verbindung: den Engel der Kulturen. Denn ein Teil davon wird auf dem Albertsplatz verlegt, ein anderer geht in die israelische Hauptstadt. Wie es dazu gekommen ist, dass Coburg sich an diesem internationalen Projekt beteiligt, erzählt Pfarrerin Christiane Müller. Denn sie ist die Impulsgeberin. "Als in der Stadt die Diskussion über das Minarett auf der Moschee in der Viktoriastraße lief, wollte ich mit Schülern einer 7. Klasse über die verschiedenen Religionen sprechen und habe nach einem Symbol gesucht", erzählt sie. Dabei sei sie auf den Engel der Kulturen gestoßen und war fasziniert, wie einfach und verständlich dieses Symbol ist.

In einem Ring sind die Zeichen der drei abrahamitischen Religionen - das Kreuz für die Christen, der Halbmond für die Muslime und der Stern für die Juden.
Im Inneren des Rings ergibt sich die Form eines Engels.

Der verbindende Ring

Keine der Gruppen kann herausgelöst werden, ohne den Ring zu beschädigen, der wiederum das unendliche Ganze symbolisiert. Christiane Müller fand, dass dieses Symbol auch zu Coburg, wo über 100 Nationalitäten leben, passt. In Dieter Stößlein vom evangelischen Bildungswerk fand sie einen Unterstützer. Er besuchte Gregor Merten und Carmen Dietrich, die Künstler, die den Engel entworfen und geschaffen haben. "Das Thema fügt sich ein ins Jahr der Toleranz und Reformation, das wir zurzeit begehen", stellt er fest. Und Dekan Andreas Kleefeld ergänzt: "Unser Ziel in Coburg ist es, das Miteinander der Religionen zu gestalten."

Ingeborg Heinebrodt von der katholischen Erwachsenenbildung erinnert an das interreligiöse Gebet, das es schon seit Jahren regelmäßig in der Stadt gibt. "Wir haben viel voneinander gelernt." Imam Ebubekir Elbir von der türkisch-islamischen Gemeinde in Coburg ist der Ansicht, dass der Engel ins Rollen gebracht werden muss, denn: "Alle unsere Religionen erfüllen den gleichen Zweck: Die Menschen sollen glücklich sein. Wir respektieren einander." Für den orthodoxen Priester Artem Bondarenko ist der Engel der Kulturen ein sehr gutes Zeichen: "Es ist eine Chance für uns, wie eine Familie zusammenzuleben.

Menschen rollen die Skulptur

Michael Böhm, Koordinator Stadtmarketing, kümmert sich um das Procedere. Am 25. Oktober kommt der Engel der Kulturen nach Coburg. Es ist der letzte Schultag vor den Herbstferien, damit die Schulen die Möglichkeit haben, sich an dem Projekt zu beteiligen. Der Ring wird durch die Stadt gerollt und macht Station an der Morizkirche, der Nikolauskapelle und an der Moschee in der Viktoriastraße. An allen Stationen wird der Innenteil des Rings mit Quarzsand ausgegossen und verdichtet, so dass eine Sand-Intarsie entsteht, die aber nur über einen relativ kurzen Zeitraum Bestand hat. Schließlich geht es zum Albertsplatz, wo die eigentliche Boden-Intarsie verlegt wird. Der Innenteil aus Metall wird ausgebrannt, geht nach Jerusalem und wird dort auf einen Turm gelegt, der mit jeder neuen Form ein wenig wächst.

Seit 2008 haben sich bereits rund 50 Städte in Deutschland, der Türkei, in Bosnien-Herzegowina, Ungarn, Mazedonien, den Niederlanden und anderen Ländern an dem Projekt beteiligt.

Reiner Klein, Integrationsbeauftragter der Stadt, weist darauf hin, dass es im Herbst noch weitere Aktionen gibt: die Nacht der Religionen am 28. September und den Tag der Religionen am 24. Oktober.

Der Weg des Engels durch Coburg

Am Freitag, 25. Oktober, wird der Engel der Kulturen durch Coburg gerollt.

11 Uhr Station Morizkirche: eine temporäre Intarsie aus Sand wird gegossen.

11.30 bis 11.45 Der Weg des Engels führt über den Markt zur Nikolauskapelle.

11.45 bis 12.15 Uhr Mittagsgebet in der Nikolauskapelle, es entsteht eine weitere Intarsie aus Sand.

12.15 bis 13.30 Uhr Weg zur Moschee in die Viktoriastraße, wo noch eine Intarsie gegossen wird. Es besteht die Möglichkeit, am Freitagsgebet (13.30 bis 14 Uhr) teilzunehmen.

14 Uhr Verlegung der Boden-Intarsie auf dem Albertsplatz.

14.30 Uhr Ausbrennen der nächsten Form, die nach Jerusalem kommt.

Teilnahme Wenn sich Gruppen, Institutionen, Schulen und andere Einrichtungen an dem Marsch durch Coburg beteiligen möchten, können sie das gern tun. Die Organisatoren bitten aber darum, sich bei Reiner Klein unter Telefon 09561/ 891502 oder bei Michael Böhm unter 09561/892335 anzumelden.