Die Zahlen der Rauschgiftkriminalität sind in den letzten Jahren signifikant gestiegen; eine Drogenhochburg sei Coburg aber nicht, sagte Karin Brandl, Drogen-Präventionsbeamtin bei der Kriminalpolizei, in der Sitzung des Jugendhilfesenats am Donnerstag.

Rund 3500 Straftaten wurden im Jahr 2015 in der Stadt Coburg verübt. Davon waren 209 Rauschgiftdelikte. 77 davon sind Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und stehen im Zusammenhang mit Cannabis. Zum Vergleich: Im Landkreis sind es 40. Besonders betroffen sind Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Auf sechs Männer kommt eine weibliche Straftäterin.

Das Problem bei Cannabis sei, dass es häufig als Einstiegsdroge fungiere und von der Gesellschaft oft verharmlost werde, erklärte Brandl. Sie sei besonders besorgt, dass viele Erwachsene und auch Eltern Cannabis verharmlosen würden.


Auch Cannabis ist gefährlich

Zwar stimme es, dass Cannabis ungefährlicher sei, als andere (synthetische) Drogen, allerdings habe sich das in den letzten Jahrzehnten geändert. Cannabis habe heute einen Wirkstoffanteil von 19 Prozent; früher lag dieser bei zwei Prozent, sagte Brandl. Der Umgang mit der Droge sei deswegen so schlimm, weil Cannabis oft als Einstiegsdroge hin zu viel gefährlicheren Stoffen diene; etwa zu Amphetaminen oder Crystal.

Viele Jugendliche würden von Cannabis auf härtere Drogen umsteigen, weil Cannabis den Hunger antreibe, faul und träge mache. Gerade in der Pubertät wollten viele aber so dünn wie möglich sein und würden deswegen zum Beispiel auf Crystal umsteigen. Dessen Nebenwirkungen sind unter anderem Gewichtsverlust und Bewegungsdrang. Dass die Jugendlichen damit ihren Körper und ihren Geist innerhalb von kürzester Zeit zugrunde richten, würden sie dabei nicht bedenken, sagte Brandl.

Bayern habe zwar im Verhältnis zu anderen Bundesländern sehr strenge Drogengesetze, allerdings sei es für manche Jugendliche auch ein regelrechtes Abenteuer, wesentlich billigere Drogen aus Tschechien nach Bayern zu schmuggeln, warnte die Kriminalbeamtin. Ein Erstdelikt mit Cannabis werde meistens nicht zur Anzeige gebracht. "Die Jugendlichen verstehen das aber oft nicht als Schuss vor den Bug, sondern als ein Weiter so!"
Deswegen sieht Brandl hier die Gesellschaft und die Zivilcourage stark gefordert. "Da müssen wir mehr hinschauen und genaue Grenzen setzen. Das fängt schon in der Familie an." Hier lobte die Kriminalbeamtin die gute Vernetzung der Polizei mit der Stadt und den Einrichtungen, die für den Jugendschutz zuständig sind.

Aus Sicht der Jugendhilfe ging Ulrich Schmerbeck noch einmal auf Maßnahmen zur Drogenprävention ein. Es sei wichtig, besonders Jugendliche aber auch möglichst viele Erwachsene über Drogen und die damit verbundenen Gefahren zu informieren. "Die Jugendlichen sollen lernen, Nein zu sagen", betonte Schmerbeck. Der Jugendpfleger stellte dem Senat weitere Präventionsangebote der Jugendhilfe vor. Neben den bereits bestehenden Angeboten soll dieses Jahr noch ein Jugendparcours zum Thema Medien, Sucht und Jugendschutz eingerichtet werden, in dem die Jugendlichen sich interaktiv mit diesen Themen auseinandersetzen können.


Weitere Projekte für 2017

Auch für andere Bereiche der Jugendarbeit ist wieder viel geplant. Auf dem Programm stehen neben vielen Fortbildungen für Betreuer und Erwachsenen auch ein Spray-Projekt, bei dem eine Mauer auf dem VfB-Gelände von Jugendlichen mit Graffiti gestaltet werden soll.

Andrea Gulich vom Amt für Jugend und Familie stellte ein Projekt mit dem Namen "Zusammenleben - so gelingt ein gutes Miteinander" vor, das Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung zusammenbringen soll. Gemeinsam werden sich die Jugendlichen kurze Artikel aus dem Grundgesetz herausgreifen, sie diskutieren und in 30-sekündige pantomimische Szenen verwandeln und aufnehmen. Diese sollen dann in den Stadtbussen gezeigt werden und zur Diskussion anregen.

Nathalie Dikomey die schon seit zwölf Jahren den "Eltern-Talk" in Stadt und Landkreis betreut, will dieses Jahr auch vermehrt Eltern von Flüchtlingsfamilien mit einbeziehen. In den zwanglosen Treffen, oft bei einer Mutter oder einem Vater zuhause, könnten sich Eltern untereinander austauschen und sich Rat geben, mit dabei sei jeweils eine Moderatorin, die noch zusätzlich helfen könne.

Mit Flüchtlingen hat auch der Jugendtreff Beiersdorf zu tun. Der Betreuer des Treffs, Gordon Bohley, sagte, es sei gelungen auch Flüchtlinge in den Treff zu integrieren. "Das hat uns auch nochmal frischen Wind gebracht", meinte Pius Geier aus dem Treff.