Shelly will endlich loslegen. Doch Norbert Tessmer findet einfach keine Ende. Der Zweite Bürgermeister spricht und spricht, lobt und lobt. Shelly merkt, dass auch das Publikum im ausverkauften Landestheater langsam unruhig wird. Da beginnt die 20-Jährige mit ein paar Faxen auf der Bühne und erntet sofort den ersten Beifall. Sie versucht, einen Blick auf Tessmers Redemanus kript zu erhaschen und verkündet dann erfreut: "Nur noch sechs Zeilen!"

Shelly ist frech. Shelly ist aber auch gut. Und: Shelly will vor allem Musik machen. Musik, die fetzt. Irgendwann, als Norbert Tessmer auch noch den kompletten Text einer Urkunde verlesen hat, darf endlich Shelly entscheiden, was auf der Bühne passiert. Ein ebenso aufmerksamer wie unwissender Mensch hat ihr das Mikrofon auf ein Stativ geklemmt. "Ein Stativ brauch' ich nicht", ruft Shelly und stellt es mit Schwung beiseite, "denn hier geht gleich die Post ab!" Inzwischen haben auch die drei weiteren Bandmitglieder von "Kein Frühstück" Position bezogen, und Shelly kann es kaum noch abwarten. "Wir brauchen keine Texte, Urkunden, Blumen - jetzt geht's los!" Das Publikum jubelt. Noch eine letzte Anweisung - "Macht so mit, wie ihr Bock habt!" - und dann legt dieses kleine Mädchen tatsächlich einen ganz großen Auftritt hin.


Rock, Soul und Hiphop



Vor der Pause sind es 35 Minuten, danach sogar noch etwas mehr, in der "Kein Frühstück" ausschließlich Eigenkompositionen spielen. Die Bezeichnung "Crossover" trifft den Musikstil wohl am besten: mal rockig, mal soulig, und auch Hiphop kommt vor. Besonders umjubelt werden zwei Lieder, die sie mit Johannes Rieger alias Beppo S. singt. Außerdem ganz hoch im Kurs: die deutschen Titel, in die Shelly unglaublich viel Gefühl hineinlegen kann.

Mit dem "Astronautenlied" hatte sie bereits bei "Unser Star für Baku" für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist es etwa "Der Pirat" - wobei sie sofort augenzwinkernd in den ersten Rang zum Oberbürgermeister blickt: "Keine Angst, Herr Kastner, die Piraten meinen wir nicht!"


Die Bühne voll im Griff



Es ist beachtlich, wie Shelly die Bühne ebenso wie das Publikum jederzeit im Griff hat. Ganz routiniert bestreitet sie den Abend. Natürlich müssen gleich mehrere Zugaben her, unter anderem das einzige Cover-Lied im Programm, "Rhythm is a dancer" von Snap. Das Lied ist so alt wie Shelly - und kommt doch plötzlich ganz jung daher. Das Konzert hat Lust gemacht auf mehr. Rechtzeitig, um den bislang etwas schleppend verlaufenden Kartenvorverkauf für Tambach anzukurbeln, ist wieder so etwas wie ein "Shelly-Fieber" zu spüren.

Norbert Tessmer hatte in seinen Begrüßungsworten auch erwähnt, dass Shelly gerne einmal Xavier Naidoo treffen würde. Ausgerechnet Xavier! Der war Ende 2008/Anfang 2009 der letzte externe Künstler, der im Landestheater für einen solch fulminanten Abend gesorgt hat wie jetzt Shelly. Xavier sang damals "Dieser Weg wird kein leichter sein" - doch bei Shelly hat man das Gefühl, dass sie ihren Weg ganz cool geht, als sei es das einfachste auf der Welt. Die nächste bemerkenswerte Etappe hat sie auf jeden Fall mit ihrem Auftritt im Theater geschafft.


Hintergrund:




Der Weg: In der Fernsehsendung "Unser Star für Baku" (ARD/Pro Sieben) wurde der deutsche Teilnehmer für den Eurovision Song Contest (ehemals Grand Prix de la Chanson) gesucht, der in diesem Jahr in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, stattfindet. Die 20-jährige Shelly Phillips, die in Seßlach aufgewachsen ist und jetzt in Coburg lebt, schaffte es bis ins Halbfinale. Die Jury-Mitglieder (Thomas D. von den "Fantastischen Vier", Frida-Gold-Sängerin Alina Süggeler sowie Entertainer Stefan Raab prophezeiten ihr dennoch Chancen auf eine Karriere.

Die Band:
Shelly Phillips ist Sängerin der Band "Kein Frühstück", zu der auch die Coburger Erik Dietzel, Daniel Probst und Christoph Monzel gehören.

Das Konzert: Am Freitag, 20. Juli, 20 Uhr, spielen "Kein Frühstück" in Schloss Tambach beim "Tambacher Sommer", der zum HUK-Coburg-Open-Air-Sommer gehört.