Coburg
Auftritt

Coburg im Bann des Walzerkönigs

Wie das "Alt-Wiener Strauss-Ensemble" aus Stuttgart die Musik seines Namenspatrons beim traditionellen Neujahrskonzert im Kongresshaus zelebriert.
Dirigent und souveräner Vorgeiger: Ralph Kulling leitet das "Alt-Wiener Strauss-Ensemble".Foto: Albert Höchstädter
Dirigent und souveräner Vorgeiger: Ralph Kulling leitet das "Alt-Wiener Strauss-Ensemble".Foto: Albert Höchstädter
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Geschickte Beleuchtung kann vertraute Räume reizvoll verwandeln. Und geschickte klangliche Beleuchtung kann scheinbar bestens bekannte Musik unvermutet neu tönen lassen. Nach diesem Rezept komponiert Ralph Kulling die Programme für sein "Alt Wiener Strauss-Ensemble" bei den Coburger Neujahrskonzerten. Das Erbe des Walzerkönigs steht ganz selbstverständlich im Zentrum des Repertoires - auch in diesem Jahr. Immer wieder aber wird dieses klingende Erbe der Strauß-Dynastie reizvoll erhellend in wechselnde musikalische Zusammenhänge gestellt. Im Falle des Coburger Neujahrskonzertes 2013 heißt dies: Strauß begegnet Berlioz und Lehár, Verdi und Puccini.

Ralph Kullings Vater Arthur hatte die "Alt-Wiener" einst mit dem ehrgeizigen Ziel gegründet, die heute bevorzugt im dicken orchestralen Gewand präsentierte Musik der Familie Strauß in der (vermuteten oder tatsächlichen) Originalbesetzung eines
Kammerorchesters aufzuführen. Die Fähigkeit, farbenreiche Partituren auch in sehr schlanker Besetzung detailgenau und fein differenziert zum Klingen zu bringen, hat sich das Ensemble unter der Leitung von Kullings Sohn Ralph wie selbstverständlich bewahrt. Längst freilich hat sich Ralph Kulling als stets tonschön geigender Dirigent und umsichtig dirigierender Vorgeiger auch einen eigenen Stil erarbeitet.

Amüsante Moderation

Scheinbar mühelos gelingt es ihm, das "Strauss-Ensemble" im Zusammenspiel präzis und klanglich fein ausgewogen, zugleich aber agogisch wunderbar flexibel musizieren zu lassen. Ralph Kulling weiß ganz genau, was die Walzer und Polkas, die Ländler und Märsche benötigen - die passende Mischung aus Präzision und flexibler Handhabung des Tempos.

Zum Erkennungsmerkmals der Coburger Neujahrskonzerte zählt scheinbar unverrückbar die Moderation durch Eduard Strauss. Auch in diesem Jahr kann sich das Publikum über seinen unterhaltsamen Mix aus Fakten und amüsanten Randnotizen erfreuen, zugleich aber eine Premiere erleben. Erstmals hat sich Eduard Strauss als Verstärkung seinen Sohn Thomas als Co-Moderator mit nach Coburg gebracht - ein gelungenes Debüt, wie der Applaus beweist.

Raffinierte Bearbeitungen

Das unverwelkliche Kapital der "Alt-Wiener" sind die zahlreichen meisterlichen Arrangements, die Ensemble-Gründer Arthur Kulling einst in langen Jahren Stück für Stück geschaffen und immer wieder auch mit schöner Regelmäßigkeit in Coburg vorgestellt hatte. Die gute Nachricht für alle Fans der "Alt-Wiener": Längst hat Ralph Kullings Bruder Klaus sein Talent als Arrangeur ebenfalls unter Beweis gestellt - an diesem Sonntag mit dem Marsch aus "Faust Verdammnis" von Berlioz. Unter Ralph Kullings Leitung entfalten diese Arrangements ihren raffinierten Reiz mit müheloser Selbstverständlichkeit. Kaum eine Nuance der vertrauten Strauß-Werke geht verloren, die Stimmführung klingt stets transparent, obwohl die "Alt-Wiener" bei Bedarf auch eine üppige Klangfülle entfalten können wie in dem meisterlichen Walzer "Wiener Blut".

Aber auch die Ouvertüre zu Daniel-Francois-Esprit Aubers Oper "Die Stumme von Portici" zum Auftakt gelingt im schlanken Klanggewand ebenso überzeugend wie der "Ràkóczy-Marsch" aus "Fausts Verdammnis" von Hector Berlioz. Zudem können die "Alt-Wiener" flexibel und reaktionsschnell begleiten. Davon profitieren die drei Tenor-Solisten der sonntäglichen Matinee im Kongresshaus - allesamt Chorsolisten des Staatstheaters Stuttgart. Alexander Efanov, Metodi Morartzaliev und Alexander Martin Stachowiak bewähren sich im ersten Teil im Operettengenre bei Lehár ("Wolgalied" aus dem Zarewitsch") und Strauß ("Als flotter Geist" aus dem "Zigeunerbaron und dem Lagunen-Walzer aus "Eine Nacht in Vendig").

Den reichlich applaudierten Ausklang im zweiten Teil bilden dann vokale Persiflagen. Mit Ausschnitten aus Werken von Bizet, Verdi, Lehár und Puccini karikieren die drei Stuttgarter Tenöre ihre berühmten Vorbilder Domingo, Carreras und Pavarotti effektvoll.

Zugaben

Klar, dass das hörbar restlos begeisterte Publikum Solisten und "Strauss-Ensemble" nicht ohne diverse Zugaben (von Puccinis "Nessun dorma" bis "Granada") von der Bühne lässt. Trotz bereits deutlich vorgerückter Stunde und unüberhörbarer Aufbruchstimmung im ausverkauften Saal geht auch dieses Neujahrskonzert schließlich doch nicht ohne den obligatorischen "Radetzky-Marsch" von Strauß Vater zu Ende.