Mit Inbetriebnahme der ICE-Neubaustrecke beginnt auch im Nah- und Regionalverkehr der Bahn ein völlig neues Zeitalter. Und wenn es schon (vorerst) mit dem ICE-Systemhalt nicht geklappt hat, so scheint zumindest das Konzept der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) das Coburger Land deutlich voran zu bringen. "Das ist ein Angebot, das es im ländlichen Raum bislang noch nicht gegeben hat", sagte der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) gestern nach der Vorstellung der Pläne durch Johannes Schneider (Bereichsmanager bei der BEG).
Den größten zeitlichen Gewinn für den Nahverkehr wird die Mit-Nutzung der ICE-Neubaustrecke mit sich bringen. Knapp 20 Minuten früher in Bamberg und eine gute halbe Stunde früher in Nürnberg werden die Fahrgäste sein, wenn sie in Coburg die neue Expresslinie Richtung Süden besteigen werden. "Damit sind wir erstmals konkurrenzfähig", sagte Schneider zum geplanten Zwei-Stunden-Takt auf der ICE-Trasse. Alternierend dazu wird es ebenfalls alle zwei Stunden weiter die schon jetzt gewohnten Züge von Coburg über Ebersdorf und Bamberg nach Nürnberg geben.
Ein paar Fragezeichen gibt es zu den Plänen aber noch. So finden derzeit noch Abstimmungsgespräche mit der Bahn statt, wobei Schneider davon ausging, dass es dabei keine großen Verschiebungen mehr geben wird. Wackeliger scheint da das Versprechen der Lokomotiv-Hersteller zu sein, bis spätestens zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember Züge zu liefern, die mit der modernen ETCS-Signaltechnik ausgestattet sind. Über diese wird nämlich der Verkehr auf der ICE-Strecke gesteuert - klassische Signalanlagen sucht man dort vergeblich. "Derzeit gehen wir davon aus, dass wir diese Züge kriegen", zeigte sich Schneider optimistisch.
Gerade der enge Takt Richtung Süden hatte für Hans Michelbach große Bedeutung. In gut einer Stunde von Nürnberg nach Coburg zu kommen - "da lohnt es sich für eine Fachkraft auch, zu pendeln". Damit sei das neue Nahverkehrsangebot eine "erhebliche Stärkung" für den Wirtschaftsstandort Coburg.


Michelbach will Lückenschluss

Eher bescheiden ist und bleibt dagegen die Anbindung von Coburg in Richtung Norden - wenn man nicht gerade einen von drei ICE-Zügen besteigt, der direkt in Coburg hält. Johannes Schneider verwies auf die Frage nach dem Sinn eines Lückenschlusses zwischen Bad Rodach und Hildburghausen zwar auf die Zuständigkeit von Bund und Ländern, konnte aber das Drängen der lokalen Politik schon verstehen: "Die derzeitigen Konzepte für Coburg schreien nach einem Lückenschluss."
Das sah auch Hans Michelbach - er hatte die Veranstaltung gemeinsam mit Bernd Reisenweber, dem Vorsitzenden im Kreisverband Coburg des Bayerischen Gemeindetages auf die Beine gestellt - so. Der Bundestagsabgeordnete erteilte dabei den Plänen, den Lückenschluss durch das Lautertal zu verwirklichen eine Absage: "Ich halte davon nichts." Bad Rodach habe als Standort eines Thermalbades einen Zug-Anschluss Richtung Westen/Norden am nötigsten, es fehle eigentlich nur noch an einer Einigung zwischen Bayern und Thüringen. Denn finanziell, da zeigte sich Michelbach felsenfest überzeugt davon, wäre der Bau eines Lückenschlusses zwischen Bad Rodach und Hildburghausen zu stemmen. Die Strecke, bei der Branchenkenner mit Baukosten in Höhe eines gut dreistelligen Millionenbetrages ausgehen, "hätten wir schon jetzt im Bundesverkehrswegeplan unterbringen können", sagte der Bundestagsabgeordnete. Bis es aber so weit ist, riet Johannes Schneider den lokalen Politikern, das Machbare anzustreben. Und das wäre ein regelmäßiger Busverkehr zwischen Coburg und Eisfeld.
Bei der Zukunft des ICE-Haltepunktes in Coburg zeigte sich der BEG-Fachmann optimistisch. Gerade die künftig bessere Anbindung des Großraumes Bayreuth/Kulmbach Richtung Coburg biete ein nicht zu unterschätzendes Fahrgastpotenzial. "Es wäre für Coburg durchaus heilsam, den Blick auch in diese Richtung zu richten", riet Schneider.


Schnell noch ein paar Zeiten

23 Minuten: dauert künftig die Fahrt im Regionalexpress von Coburg über die ICE-Strecke nach Bamberg. Bislang brauchte der Zug 41 Minuten.
70 Minuten: ist ab Dezember die schnellste Verbindung zwischen Coburg und Nürnberg unterwegs - 31 weniger als dies derzeit der Fall ist.
2:32 Stunden: dauert die Fahrt mit dem ICE von Coburg (Abfahrt 15.52 Uhr) nach Berlin (Ankunft 18.24 Uhr).