Es war in den vergangenen Tagen ja eigentlich fast zu schön, um wahr zu sein: Die Corona-Inzidenzwerte für die Stadt und den Landkreis Coburg rangierten unter der neuralgischen Marke von 50. Deshalb waren Lockerungen möglich; statt zuvor "Click & Meet" konnten zum Beispiel Geschäfte ihre Kunden wieder ohne Terminvereinbarung empfangen. Kontaktfreier Sport war in Gruppen von bis zu zehn Personen (oder unter freiem Himmel in Gruppen von bis zu 20 Kindern) möglich.

Doch jetzt der Schock: In der Stadt ist der für Mittwoch gültige Inzidenzwert von 46,3 auf 75,5 gestiegen, im Landkreis von 41,5 auf 50,7.

Dieser Anstieg kommt zwar nicht völlig überraschend. Beim Blick auf die Landkarte schien der Raum Coburg zuletzt ohnehin so etwas wie eine Insel der Glückseligen zu sein - benachbarte Regionen wie Lichtenfels (über 100!) oder Kronach (über 200!) haben seit Tagen deutlich höhere Werte. Trotzdem wirft die Entwicklung viele Fragen auf. Die wichtigsten versuchen wir hier zu klären:

Gibt es eine Erklärung, warum die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder gestiegen ist?

Corinna Rösler, die Pressesprecherin des Landratsamts, dem auch das für Stadt und Landkreis zuständige Gesundheitsamt angegliedert ist, berichtet von einer Auffälligkeit: "Ein Großteil der Neuinfektionen betrifft Menschen, die einem gemeinsamen Haushalt angehören." Sprich: Etliche Infektionen könnten sich im privaten Bereich ereignet haben.

Nach Tageblatt-Informationen wurden in dieser Woche aber auch schon Neuinfektionen in zwei Kindergärten im Landkreis sowie in einem Seniorenheim im Landkreis festgestellt.

Hat die steigende Zahl der Neuinfektionen vielleicht auch damit zu tun, dass sich mehr Menschen testen lassen?

Nein, das ist wohl nicht der Grund. Wie Corinna Rösler sagt, sei die Zahl der getesteten Personen zuletzt sogar rückläufig gewesen. Was sich allerdings verändert habe, sei das "Test-Verhalten". Corinna Rösler beschreibt das wie folgt: "Vergangenes Jahr sind vor allem Einzelpersonen zur Test-Station an der HUK-Arena gekommen. Wenn der Test positiv ausgefallen ist, dann haben sich in den darauffolgenden Tagen auch die übrigen Familienmitglieder dieser Person testen lassen. Heute hingegen beobachten wir, dass sehr häufig gleich die ganze Familie zur Test-Station kommt." Das wiederum habe zur Folge, dass - im ungünstigsten Fall - gleich mehrere Neuinfektionen "auf einen Schlag" festgestellt werden, die sich vor ein paar Monaten vielleicht noch über mehrere Tage verteilt hätten.

Sobald der Inzidenzwert drei Tage in Folge über 50 liegt, müssen Lockerungen zurückgenommen werden. Wie bereiten sich die Behörden darauf vor?

Mittwoch war "Tag 1" - somit könnte am Freitag feststehen, ob der Stadt und/oder dem Landkreis ein solches Szenario droht. Die Rücknahme von Lockerungen würde allerdings nicht bereits ab diesem Samstag gelten. "Die Behörden haben jeweils einen zeitlichen Puffer, um die neuen Maßnahmen erst einmal bekanntgeben zu können", erklärt Corinna Rösler. Ein möglicher Zeitplan wäre, dass ab dem kommenden Sonntag wieder schärfere Beschränkungen gelten. Am Sonntag haben zwar gar keine Geschäfte geöffnet (für die dann wieder "Click & Meet" gelten würde), aber es geht ja auch um das Thema Kontaktbeschränkungen - sowohl, was den privaten Bereich betrifft, als auch sportliche Aktivitäten.

Wann steht fest, welche Regelung für den Schulunterricht gilt?

Die Schulen nehmen innerhalb der Corona-Regelungen eine Sonderrolle ein. Das betrifft zum einen die Dauer einer angeordneten Maßnahme: Jeweils am Freitag wird bekanntgegeben, wie der Unterricht in der darauffolgenden Woche stattfindet - und zwar verbindlich für die gesamte Woche. Selbst wenn sich die Inzidenzwerte zu Beginn einer Woche in die eine oder andere Richtung extrem verändern sollten, bleibt es bei der zuvor am Freitag vereinbarten Regelung.

Zum anderen gibt es bei den Schulen einen gewissen Spielraum. Liegt der Inzidenzwert zum Beispiel nur geringfügig über 50, dürfte trotzdem Wechselunterricht erlaubt werden. Zum Vergleich: Beim Einzelhandel gibt es diesen Spielraum nicht - frei nach dem Motto "knapp daneben ist auch vorbei" greifen dort eben bereits ab einem Wert von 50,0 bestimmte Mechanismen.

Und noch eine Besonderheit gibt es: Stadt und Landkreis wollen stets eine einheitliche Regelung für die "Schulregion Coburg" treffen - "es sei denn, die jeweiligen Inzidenzwerte würden sehr weit auseinanderliegen", wie Stadtsprecher Louay Yassin sagt. Ob in der Stadt und dem Landkreis auch kommende Woche Wechselunterricht möglich ist, soll im Idealfall bereits im Laufe des heutigen Donnerstags entschieden werden. Denn die Corona-Zahlen, die am Freitag offiziell verkündet werden, sind am Donnerstag intern bereits bekannt.

Wie und wo sind jetzt kostenlose Schnelltests möglich?

Seit Anfang März werden im Testzentrum an der HUK-Arena (Lauterer Höhe) neben PCR-Tests auch Schnelltests durchgeführt. Die Schnelltests erfolgen werktags zwischen 7 und 8 Uhr - eine Anmeldung über die Internetseite des Landratsamts (www.landkreis-coburg.de) ist erforderlich. Bis Ende dieser Woche wollen die Stadt und der Landkreis Coburg zudem eine gemeinsame Liste erstellen, die Auskunft gibt, in welchen Apotheken Schnelltests möglich sind.

Werden auch in den Schulen Schnelltests vorgenommen?

Ja. In der Stadt sind die entsprechenden Test-Utensilien bereits an alle Schulen ausgeliefert, im Landkreis wird dies bis Freitag der Fall sein. Bei der Auslieferung hilft das THW.

Was ist mit der Idee, auch auf dem Coburger Schlossplatz eine Schnelltest-Station einzurichten?

Ein Argument für diesen Vorschlag der CSB-Stadtratsfraktion lautet: Der Schlossplatz ist für viele Menschen zentraler gelegen als die HUK-Arena. Ein Argument dagegen: Dezentrale Lösungen - wie etwa über Apotheken - würden noch mehr Menschen helfen. "Es gibt derzeit viele Gespräche und Überlegungen", sagt Louay Yassin. Ziel sei es, "möglichst nah am Bürger" zu sein.