Rachel Rubin Green und Esther Sorkin können ihre Tränen nur schwer zurückhalten. Sie sind Töchter von Anne Rubin, geborene Forchheimer, die Jüdin war und als Elfjährige aus Coburg vor den Nazis fliehen musste. Sie lebte später in den USA und starb im November 2009, nachdem sie 2008 noch einmal in Coburg war. Für Anne Rubin gibt es bereits einen Stolperstein vor ihrem früheren Wohnhaus in der Bahnhofstraße 30. Gestern bekamen nun die anderen Mitglieder der Familie Forchheimer vor den Häusern mit den Nummern 28 und 30 einen Stein der Erinnerung. Sie alle überlebten die Herrschaft der Nationalsozialisten in den USA, sind teilweise aber schon verstorben. Nur Ruth Kraus und Robert Forchheimer leben noch - in Cleveland, Ohio.

Preisgekrönter Audio-Guide

Auch für Joachim Morgenthau verlegte der Künstler Gunter Demnig gestern einen Stolperstein.
Weil Morgenthau am Casimirianum das Abitur abgelegt hatte, bekam er einen Stein vor dem Gymnasium. Eine Gruppe von Schülern schaute zu. Unter ihnen auch Pailin Engsuwan und Sabine Böhnlein. Sie sind zwei Patinnen des Stolpersteins. Und das kam so: Zehn Schüler des Casimirianums haben während des P-Seminars katholische Religion in den Jahren 2010 bis 2012 unter der Leitung von Michael Partes und in Zusammenarbeit mit Radio Eins einen Audio- Guide zum Thema "Jüdische Stätten in Coburg" erstellt. Dafür haben sie einen Preis bekommen und mit dem Preisgeld den Stolperstein finanziert.

"Vieles wussten wir schon aus dem Geschichtsunterricht über die Juden in Coburg. Was wir während der Arbeit an dem Projekt aber an Neuem erfahren haben, hat uns schon bedrückt", erzählt Pailin Engsuwan. "Wir haben alles so entwickelt, dass es für die Zuhörer spannend wird", ergänzt Sabine Böhnlein. Bei der Materialsammlung habe sie die frühere Sekretärin des Casimirianums, Anneliese Hübner, unterstützt. "Ich bin bei der Erforschung der Bekränzungsgeschichte auf Joachim Morgenthau gestoßen", sagt Anneliese Hübner. "Das ist heute ein glücklicher Tag für mich."
Obwohl Joachim Morgenthau 1923 zu den Jahrgangsbesten gehörte, durfte er wegen seiner jüdischen Herkunft die Statue des Herzogs Casimir nicht bekränzen. Nur die Rede durfte er halten. In den USA machte er später als Professor und außenpolitischer Berater der Regierung Karriere. In den 60er Jahren riet er vom Vietnamkrieg ab.

Wo es in Coburg neue Stolpersteine gibt

Joachim Morgenthau,
vor dem Gymnasium Casimirianum, Paten sind der Gymnasiallehrer Michael Partes und Schüler eines P-Seminars

Wilhelm Sandler, Nordlehne, Patin ist Astrid Förster

Jakob Altmann, Kreuwehrstraße 9, Pate ist Thorsten Zaddach

Karl Friedmann, Rosenauer Straße 7, Paten sind Kristin und Gerhard Moser
Meta und Martin Saalfeld, Raststraße 11, Patin ist mechthild Pauls

Sophie und Leonhard Klein, Kanonenweg 33, Paten sind Margarete Daub und Manfred Hoffmann

Martin Mannheimer, Raststraße 11, Patin ist Jutta Michel

Friedrich Schneider,
Baumschulenweg 9, Pate ist Robert Dicker
Helen Forchheimer, Max Forchheimer, Robert Forchheimer und Ruth Kraus, Bahnhofstraße 28, Paten siehe unten

Emil, Berta, Peter und Franz Forchheimer, Bahnhofstraße 30, Paten sind die Nachfahren der Familie Forchheimer, die heute auch Green Kraus heißen. Die Biografien finden sich im digitalen Stadtgedächtnis auf der Stadt-Homepage unter Stolpersteine.