Wer Norbert Tessmer in den vergangenen Wochen fragte, ob er sich für die Bundestagskandidatur bewerben wolle, sah ein vielsagendes Grinsen. Oder hörte Antworten wie diese: "Ein Rätsel will ich sein, mir selbst und anderen."
Aber Norbert Tessmer hat einen Sprecher: Thomas Rausch erklärte gestern, dass Tessmer antreten will. "Nicht nur im SPD-Ortsverein Creidlitz wird seine Bereitschaft zur Kandidatur positiv gesehen, sondern auch bei vielen Ortsvereinen in Coburg Stadt und Land!"
Auch die Kronacher seien Tessmer gegenüber aufgeschlossen. Zumindest will Rausch ein gewisses Bedürfnis nach einer Alternative zu Carl-Christian Dressel ausgemacht haben. Der, seines Zeichens Unterbezirksvorsitzender der SPD, gehörte dem Bundestag bis 2009 an. Doch wegen des schlechten Abschneidens der SPD kam Dressel auf Listenplatz 19 nicht mehr in den Bundestag. Das Direktmandat im Wahlkreis Coburg-Kronach holte der CSU-Bewerber Hans Michelbach.
Das Direktmandat für die SPD zu gewinnen ist das erklärte Ziel. Doch natürlich solle Norbert Tessmer auch einen guten Listenplatz erhalten, sagt Thomas Rausch: Ziel sei der erste Männerplatz in Oberfranken und dann ein guter Platz auf der Landesliste - besser als Platz 19. Das freilich setzt voraus, dass auch die anderen Delegierten den Coburger Bewerber auf Landesebene unterstützen.
Als Sozial-und Kulturreferent der Stadt Coburg ist Tessmer gut ausgelastet. Er fühle sich nicht amtsmüde, betont er: "Aber es reizt mich natürlich auch, mal etwas anderes zu machen. Da geht's mir wie beim Essen: Zwischen Serviettekloß und Coburger Klößen kann ich mich nur schwer entscheiden."
Vor allem, sagt Tessmer, sei er von vielen Parteifreunden gebeten worden, zu kandidieren. "Ich hab' mich immer dorthin gestellt, wo die Partei es wollte."
Was die Partei will, ist aber derzeit schwer auszumachen. Die SPD-Kreisvorstände in Stadt und Landkreis werden wahrscheinlich keine Empfehlung abgeben, sagt Thomas Rausch. Die Kronacher haben noch niemanden benannt. Die Jusos im Unterbezirk werden voraussichtlich keine Empfehlung aussprechen, sagt deren Vorsitzende Franziska Bartl.