"Willkommen in Bamberg!" Mit diesen Worten empfängt Wilfried Horn, Flugleiter des dortigen Flugplatzes Breitenau, den Brose-Chefpiloten Christian Vohl. Der hat eben den Firmen-Jet, eine Cessna Citation, gelandet. Die war etwa fünf Minuten vorher von der Brandensteinsebene in Coburg gestartet. Zum letzten Mal - denn wegen der für den Instrumentenflug erforderlichen Umbauten schrumpft die Start- und Landebahn derart, dass sie für solche Flugzeuge zu kurz ist.

"Willkommen in Bamberg": Das ist durchaus mehrdeutig. Denn Brose hat nicht nur das Flugzeug dorthin verlagert, auch ein neues Kompetenzzentrum wird nicht am Stammsitz Coburg errichtet, sondern 50 Kilometer weiter. In Bamberg wurde bereits ein Hangar für den Jet gebaut. Außerdem wird das Parkhaus an der Breitenau weggerissen, der Plärrer und Sportstätten werden umgesiedelt, eine Starkstrom-Freileitung kommt unter die Erde.


Dieses "Willkommenspaket" hat ein Volumen von rund elf Millionen Euro. Während Bamberg also dem Automobilzulieferer quasi den Empfangsteppich ausrollt, konnte sich Coburg nicht mal durchringen, eine Straße nach dem Firmengründer Max Brose zu benennen.


Ausnahmegenehmigung soll wieder erlangt werden


Immerhin laufen auf der Brandensteinsebene die Arbeiten, um die Ausnahmegenehmigung für Instrumentenflüge wieder zu erlangen. Die gilt dann längstens bis Ende 2019. Am Montag wurden als erste Arbeiten alte Markierungen von der Start- und Landepiste abgefräst.

"Mit dieser Erlaubnis werden Flüge planbar, das hat eine hohe Priorität - aber wir verlieren bestimmte Geschäftsreiseflugzeuge", erklärt Flugplatzchef Xaver Rupp. Und der Bamberger Flugplatz ist zwar für Instrumentenflüge nicht zugelassen, hat aber eine längere Start- und Landebahn, so wie sie der Brose-Jet braucht.
Zwei Propellerflugzeuge hat Brose weiter in Coburg stationiert. "Wir brauchen aber den Jet, um Standorte in Randbereichen Europas zu erreichen. Die sind für Turboprop-Maschinen zu weit weg", erläutert Jens Korn von der Brose-Unternehmenskommunikation.


Mehrere Ziele an einem Tag sind möglich


Mit dem Jet ist es außerdem möglich, an einem Tag mehrere Ziele anzufliegen und wieder zurück nach Oberfranken zu kommen. Propellerflugzeuge sind dafür zu langsam. Das Problem trifft aber nicht allein Brose, sondern die Geschäftsfliegerei allgemein, die zunehmend auf Jets setzt, die auch Brose-Kunden nutzen. "Wenn ein Vorstandsmitglied eines Autokonzerns anreist, kommt der nicht mit dem Auto oder einer Propellermaschine", sagt Jens Korn. Nun sind solche Besuche in Coburg kaum mehr möglich. Damit verliert der Flugplatz Brandensteinsebene an Bedeutung.

Es sei für Brose auch keine Lösung, Besucher in Bamberg mit dem Jet landen zu lassen und sie dann über die Autobahn nach Coburg zu bringen. "Es gibt Situationen, da zählt wirklich jede Minute. Zum Beispiel bei Materialtransporten zu Kunden oder in andere Brose-Werke", so Korn.

Chefpilot Christian Vohl fliegt seit 20 Jahren für Brose. Zum letzten Mal lässt er auf der Brandensteinsebene die Turbinen der Cessna hochfahren. Er winkt dem Mechaniker zu und rollt hinüber zur Startbahn. "Das ist für mich auch ein bewegender Moment, mit dem heutigen Tag endet in Coburg die Jet-Ära endgültig." Nach einer letzten Schleife über der Veste steigt der Jet in den Himmel und verschwindet zwischen grauen Wolkenfetzen.