Mit falschen Hundert-Euro-Scheinen wollte im Sommer 2011 ein 26-jähriger Mann aus Neustadt die Reparatur eines Rades beim Besitzer begleichen, welches er erst wenige Wochen zuvor von ihm geklaut und dann beschädigt hatte. Die eher noble Geste muss der vorbestrafte Arbeiter jetzt mit dreieinhalb Jahren Gefängnis bezahlen.
Das Kronacher Schöffengericht unter Vorsitz von Claudia Weilmünster verurteilte den Mann am Mittwoch nicht nur wegen des Versuchs des Inverkehrbringens von Falschgeld, sondern auch wegen des Erwerbs und der Abgabe von Betäubungsmitteln.

Der 26-Jährige hatte bereits zuvor im Raum Neustadt mehr als ein Dutzend hochwertige Räder gestohlen und diese zu Geld gemacht. Im vergangenen Jahr wurde er deshalb zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die jetzt mit ins Urteil eingerechnet wurde.


Insgesamt hatte der junge Mann bereits ganze zwölf Einträge in seinem Vorstrafenregister angehäuft. Zum Prozessauftakt bestritt der Angeklagte alle Vorwürfe, auch, dass er einmal von zwei Bekannten in Raten bis zu 40 Gramm Crystal zum gewinnbringenden Handel gekauft haben soll. Er gab jedoch zu, das er seit einiger Zeit Crystalkonsument ist.

Wie es damals zu dem versuchten Bezahlen mit den "Blüten" gekommen war, erzählte der Geschädigte mit einer kuriosen Geschichte. So habe sich dieser damals, nachdem das Rad kaputt aufgefunden worden war, bei ihm gemeldet. Dem Angeklagten habe er dann erzählt, dass die Reparatur 100 Euro gekostet hätte, der Angeklagte habe ihm jedoch 300 Euro geben wollen, wobei er Scheine in den Händen hielt. Als er ihn fragte, warum so viel, habe dieser nur gesagt: "Weil es Falschgeld ist." Der Angeklagte hätte ihm dann einen Stapel mit 100 Euro gezeigt. Da er sich weigerte, die Blüten anzunehmen, habe der Angeklagte ihm dafür eineinhalb Gramm Crystal geschenkt.

Zwei ehemalige Geschäftskollegen in Sachen Betäubungsmittel bestätigten dem Gericht, dass sie mit dem Angeklagten und mit Drogen zu tun hatten. Einer der Zeugen gab an, dass er einmal von diesem "beschissen wurde", da dieser das Crystal zu sehr gestreckt hatte. Ein weiterer gab an, dass er die Drogen vom Angeklagten immer auf Straßen in Rödental, Neustadt oder Sonneberg erhalten hatte. Ein Kripobeamter informierte, dass damals beim Angeklagten kein Falschgeld gefunden wurde und auch sonst keines sicher gestellt wurde.
Dennoch: Staatsanwalt Matthias Huber sah die Vorwürfe als bestätigt an - nur der Umfang der Drogengeschäfte sei unklar. Er forderte eine Gesamthaftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

Auf Freispruch plädierte Verteidiger Uwe Gebhardt. Er kritisierte, dass das Falschgeld niemals ein anderer gesehen oder in der Hand gehabt hätte. Auch seien die Belastungszeugen hinsichtlich der Drogengeschäfte nicht glaubwürdig.

Die Richterin begründete ihr Urteil so: Ob es Falschgeld war oder nicht, spiele keine Rolle, es wurde zumindest vom Angeklagten so bezeichnet, der Versuch müsse deshalb auch verurteilt werden.