Bedächtig gehe ich in die Hocke. Jetzt trennen mich nur noch ein paar Margeriten vom Einflugsschlitz des Bienenstocks. Nicht ganz ungefährlich, denn sie könnten sich bedroht fühlen. Besonders von meiner Kamera, von der vermuten Imker, dass Bienen sie für eine Bärenschnauze halten. Mit schwitzigen Händen versuche ich die Kamera stillzuhalten und das stetige Summen auszublenden. Ich atme ein und löse aus. Alles bleibt ruhig. Erleichtert ziehe ich mich wieder zurück. Ich betrachte die Bilder - ganz zufrieden bin ich nicht. Ich will gerade zu einem neuen Versuch ansetzen, als sich zwischen meinen Füßen etwas bewegt. Eine fast 30 Zentimeter lange Blindschleiche. Zügig schlängelt sie sich an meinem offenen Schuh entlang. Da habe ich mein Leben lang pansche Angst vor Bienen und dann nehme ich nicht vor ihnen Reißaus, sondern vor einer harmlosen Blindschleiche!

Eine Stunde vorher

Etwa 25 Minuten Fahrt sind es von Coburg zur Veste Heldburg. Dort wurde vor kurzem ein Lehrpfad zum Thema Honigbiene eröffnet. Steil schlängelt sich die Straße den Berg hinauf bis zum Besucherparkplatz. Der Lehrpfad liegt nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Ziemlich unscheinbar, finde ich, da er nur mit einem kleinen Schild gekennzeichnet ist. Bereits als ich den kurzen Abhang hochlaufe, legt sich ein Summen und Säuseln auf meine Ohren. Dabei mischt sich der Wind in den Bäumen mit dem stetigen Flügelschlagen der Bienen.

Jede Menge Informationen

Obwohl ich die Hauptattraktion, den Schau-Bienenstock, sofort sehe, beschäftige ich mich zunächst mit den Erklärtafeln - erst mal langsam herantasten. "Arbeitsbienen können bis zu ein Drittel ihres Körpergewichts an Nektar und Pollen im Flug transportieren" - wow, ganz schön stark die Kleinen. Besonders kinderfreundlich sind die Informationstafeln aber nicht. Wenn man kleiner als 1,20 Meter ist, kann man höchstens den QR-Code unten im Eck lesen. Auch sind die Texte eher für Erwachsene geschrieben. Aber der Schau-Bienenstock ist umso kinderfreundlicher. Vorne kann man eine Holzklappe öffnen und ins Innere blicken - aber keine Angst, die Bienen sind hinter einer Glasscheibe. Also können Besucher ihnen aus sicherem Abstand beim Arbeiten zuschauen.

Etwa 30 000 bis 60 000 Arbeiterbienen gehören zu einem Volk. Ein paar Hundert wuseln vor meinen Augen umher und stören sich nicht an meiner Anwesenheit. Anders sieht es auf der anderen Seite des Bienenstocks aus. Ständig fliegen Bienen in den Stock und wieder raus. Das perfekte Fotomotiv!

Und wieder: Bedächtig gehe ich in die Hocke. Jetzt trennen mich nur noch ein paar Margeriten vom Einflugsschlitz des Bienenstocks....Ich atme ein und löse aus.

Eine Biene steht Model

Nach meinem überraschenden Zusammentreffen mit der Blindschleiche weiche ich, den Blick aufmerksam auf den Boden gerichtet, zurück. Auf den Schreck muss ich mich jetzt erst einmal auf eine der Bänke setzen. Doch dann siegt mein Ehrgeiz - ich möchte ein schönes Bild. Also starte ich einen zweiten Versuch. Als wollte sie mir helfen, setzt sich auch prompt eine Biene auf den Metalldeckel des Bienenstocks. Sie braucht wohl auch eine kleine Verschnaufpausen. Bei bis zu 270 Flügelschlägen, die sie pro Sekunde macht, darf sie das ruhig mal. Mit ihren Vorderbeinen putzt sie sich und lässt sich dabei auch nicht von meiner Kamera stören. Das Objektiv weit ausgefahren, mache ich eine Nahaufnahme nach der anderen, während sie ihre Mittagspause genießt. Eine solche Arbeiterbiene hat kein leichtes Leben, sie hat eine maximale Lebenserwartung von zwölf Wochen. Eine volle Speicherkarte später kann ich mich losreißen und sehe mir den Rest des Geländes an.

Zwischen hüfthohen Gräsern verborgen sind die anderen Bienenstöcke. Den Honig, den die neun Völker sammeln kann man später im Burgshop des Deutschen Burgenmuseums kaufen. Fast eineinhalb Stunden später verlasse ich den Lehrpfad. Fazit: Gerade in Kombination mit einem Besuch auf der Veste ist der Honigbienen-Lehrpfad zu empfehlen. Ich jedenfalls konnte mein Wissen erweitern und meine Angst bekämpfen.

Informationen zum Lehrpfad

Der Honigbienen-Lehrpfad befindet sich wenige Meter vom Besucherparkplatz der Veste Heldburg entfernt und ist für alle Besucher frei zugänglich. Die neue Außenstation des Deutschen Burgenmuseums ist in Zusammenarbeit mit der Imkerei Westhäuser aus Schlechtsart. Der Honig, der dort gesammelt wird, kann zukünftig im Burgshop des Deutschen Burgenmuseums gekauft werden.