Die DIN-A4-großen Blätter schreien mit ihrer dunklen signalroten Farbe nach Aufmerksamkeit. Mit einem Wort ist die Besonderheit der Leichname in den Särgen ersichtlich: "infektiös" ist in fetten Lettern quer über das Blatt gedruckt. Vier Kühlzellen im Untergeschoss der Leichenhalle auf dem Coburger Friedhof sind für Leichname markiert und vorbehalten, die an oder mit Covid-19 verstorben sind.

Infektiöse Leichname

Für Bestatter und die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung ist der Umgang mit Toten, auch mit Leichnamen, von denen eine Infektionsgefahr ausgeht, nichts Neues. Aber mit der Covid-19-Pandemie "sind die Zahl der infektiösen Leichname und der Aufwand natürlich stark angestiegen", stellt Tobias Debudey fest.

Nach den Worten des Abteilungsleiters für Friedhof- und Bestattungswesen beim Grünflächenamt Coburg werden auch Leichname aus den Landkreisen Kronach, Coburg, Lichtenfels, Kulmbach und auch Bamberg zur Einäscherung ins Krematorium der Stadt Coburg gebracht.

Auf den Todesbescheinigungen kreuzen die Ärzte bei den Warnhinweisen an, ob eine Infektionsgefahr von dem Leichnam ausgeht. Handschriftlich wird seit einigen Wochen angefügt, ob es sich um eine Covid-19-Infektion handelte. In einem Bodybag werden infektiöse Leichname von den Bestattern abgeholt. "Desinfektionsmittel und Schutzkleidung sind allgegenwärtig und werden mehr als bislang verbraucht", weiß Bestattermeisterin Gabriele Kahl. Anstelle eines Bodybags schreibt die bayerische Bestattungsverordnung vor, "die Leiche ist unverzüglich in ein mit einem geeigneten Desinfektionsmittel getränktes Tuch oder auf andere ebenso geeignete Weise einzuhüllen". Überführungen aus dem Ausland sind mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen möglich.

Geht von einem Leichnam eine Infektionsgefahr aus, ist das Abschiednehmen am offenen Sarg untersagt. "Um einen Verstorbenen zu frisieren, anzuziehen oder zu rasieren, muss der Leichnam bewegt und umgelagert werden." Dann könnten Gase aus dem Körper entweichen, die das Coronavirus verbreiten können.

Beratung anders organisieren

Die Beratung der Hinterbliebenen findet vermehrt am Telefon statt, Formalitäten werden möglichst per E-Mail abgewickelt. Ein Schutzglas auf dem Schreibtisch von Gabriele Kahl und Masken ermöglichen persönliche Beratungen. Um Anteilnahme wenigstens virtuell mitzuteilen, haben die Bestattungsunternehmen auf ihren Internetseiten Gedenkseiten eingerichtet.

"Ich bin sehr froh über die von der Bundes- und Staatsregierung getroffenen Vorgaben", so die Bestattermeisterin. Die Bilder aus Italien oder den USA, wo Leichname mit Militär-Lkw abtransportiert oder in Kühllastern zwischengelagert wurden, haben sie schockiert. "Das ist kein würdevoller Abschied." Die einzelnen Bestattungsunternehmen würden sich bei Bedarf gegenseitig unterstützen, um eben solche Szenarien zu vermeiden.

In den Zeiten der Covid-19-Pandemie haben sich die Bestattungsrituale und Arbeitsabläufe geändert. Die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung vermeiden es, Särge mit einem infektiösen Leichnam mehr als unbedingt nötig zu bewegen. Ausgestattet sind sie mit Handschuhen, Masken und Schutzkleidung. Die Särge werden mit desinfizierenden Lösungen abgesprüht, die Transportwagen nach jedem Gebrauch in dieser Art behandelt. "Es ist eben mehr Hygiene als sonst nötig", sagt Tobias Debudey.

Trauerfeiern auf dem Friedhof finden aktuell nur im Freien statt und im engsten Familienkreis. Maximal. "Bei den Hinterbliebenen stoßen wir hier auf großes Verständnis, gleichwohl zur Trauer über den Verlust eines Angehörigen auch die Traurigkeit über die aktuellen Einschränkungen kommt", so Tobias Debudey. Die Aussegnungshalle auf dem Friedhof, bislang wegen Corona gesperrt, kann seit wenigen Tagen wieder genutzt werden. Allerdings müssen die Türen offen bleiben, und auch nur zehn bis 15 Personen können teilnehmen. Nach Corona könne eine Abschiedsfeier mit einer größeren Trauergemeinde nachgeholt werden, merkt Gabriele Kahl an.