Da muss man erst einmal darauf kommen, ausgerechnet während der Corona-Pandemie einen neuen Laden zu eröffnen. Aber irgendwie passt der Mut aller Beteiligten am "Bad Rodach Lädle" gerade jetzt auch in diese Zeit. Projektmanagerin Steffi Kowol von "Bad Rodach begeistert" ist jedenfalls voller Elan: "Wir wollen mit diesem Laden zeigen, was möglich ist." Und das ist jede Menge. Fünf Kunsthandwerkerinnen und ein Landwirt aus dem Stadtgebiet haben seit November die Möglichkeit, unter dem Dach des Stadtmarketing-Netzwerks ihre Produkte zu verkaufen. In einem ganz besonderen "Lädle", bei dem Ehrenamt, lokale Verbundenheit und das "Wir-Gefühl" eine wichtige Rolle spielen.

Vier Damen und ein Exot

Am Ende hat die gesamte Stadt was von diesem Projekt. Das fängt schon damit an, dass mit dem "Bad Rodach Lädle" erst mal wieder Leben in eines der leerstehenden Geschäfte direkt am Markt eingekehrt ist. Das ist für Steffi Kowol, der Netzwerk-Managerin, mehr als nur ein positiver Nebeneffekt. Die Stadtmitte lebendig und lebenswert zu halten, ist schließlich eines der großen Ziele von "Bad Rodach begeistert". Deshalb hat das Netzwerk die Verkaufsräume angemietet und an die Aussteller weiterverpachtet. "Heute braucht man innovative Geschäftsideen", sagt Kowol.

Dass sich gleich vier Kunsthandwerkerinnen zusammengetan haben, hat auch mit Sabrina Thumser zu tun. Die Goldschmiedin, die auch bereits ein eigenes Atelier am Markt betrieb, hatte schon länger die Idee, eine zentrale Anlaufstelle für das Bad Rodacher Kunsthandwerk zu schaffen. Mögliche Kandidaten für das Gemeinschaftskonzept gab es genug, denn sie Szene ist in Bad Rodach und seinen Stadtteilen ziemlich vielschichtig. Der 70 Quadratmeter große Laden direkt am Marktbrunnen bietet nun allen die Gelegenheit, bei vergleichsweise günstigen Kosten - die Miete wird aufgeteilt - kunsthandwerkliche Produkte für den Verkauf auszustellen. Nach ersten Gesprächen im Oktober ging es dann schnell - seit gut drei Wochen ist das "Lädle" geöffnet. Und Sabrina Thumser ziemlich stolz: "In Zeiten, in denen überall immer mehr Geschäfte schließen, leben wir hier eine Idee für die Zukunft."

Nicht lange durch die Gegend fahren

Ganz wichtig war Steffi Kowol, dass alle Beteiligten am "Lädle" aus dem Stadtgebiet kommen. Neben den Kunsthandwerkerinnen ist der Biohof von Armin Knauf aus Elsa der Exot im Laden mit der Hausnummer 6. Aber genau das findet die Projektleiterin des Stadtmarketings schon wieder richtig gut. So haben Einheimische, Gäste und Touristen nicht nur die Möglichkeit, besondere handgefertigte Artikel, sondern auch biologisch wertvolle Lebensmittel zu erwerben. Mit dem "Bad Rodach Lädle" entfallen lange Transportwege. Damit werde ein Beitrag zum Schutz des Klimas und Erhalt des ökologischen Gleichgewichtes in der Region geleistet, sagt Kowol.

Mit derzeit fünf Partnern soll beim Regional-Laden nicht zwingend schon das Ende erreicht sein. "Wir können uns gut vorstellen, dass noch weitere Partner dazustoßen", sagt Steffi Kowol. Besondere Voraussetzungen müssen Interessenten aus dem Stadtgebiet oder der näheren Umgebung nicht erfüllen. Klar: Sie müssen ein Gewerbe angemeldet haben und sich an der Ladenmiete sowie am Schicht-Plan für die Öffnungszeiten beteiligen. Aber das war es dann eigentlich schon. Halt, eine Sache fällt Sabrina Thumser noch ein: "Man sollte auch Mitglied im Stadtmarketing-Netzwerk sein." Das wiederum ist bei der Beitragsstaffelung des Vereins keine große Herausforderung - Einzelpersonen können schon ab 30 Euro pro Jahr Mitglied werden. Weil sich die Idee des "Bad Rodach Lädle" in der Stadt herumgesprochen hat, haben sich inzwischen die ersten Ehrenamtlichen gemeldet, die sich während der Öffnungszeiten in den Laden stellen werden. Auch da gilt: Interessenten sind willkommen, sie müssen sich nur bei Steffi Kowol melden.

So weit, eine erste Bilanz zu ziehen, fühlt Sabine Seeger das "Bad Rodach Lädle" noch nicht. Aber das Bauchgefühl der Keramik-Künstlerin ist gut. Wenn man die Arbeit für so einen Laden auf mehrere Schultern verteilen könne, dann sei das immer gut. Erst recht, wenn man ein kompromissbereiter Mensch sei. Deshalb blickt auch Steffi Kowol optimistisch in die Zukunft. Es sei der gemeinsame Charakter, den das "Lädle" auszeichne: "Da kann es nicht funktionieren, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht."

Viel besser als Bad Kissingen

Als junger Teil der Bad Rodacher Geschäftswelt machen sich die vier Künstlerinnen und ihre Projektleiterin auch Gedanken, wie die Innenstadt gestärkt werden könnte. Klar: Erst einmal damit, dass die Corona-Beschränkungen bald zu Ende sind und endlich wieder mehr Touristen in die Stadt kommen. Mit Blick auf die Zeit danach bedauert Petra Vogel, dass demnächst der "Nadelsalat" (der Stoff- und Wolleladen in der Coburger Straße) bald schließen soll. Denn erst jüngst habe ihr eine Kundin erzählt, dass sie nur deshalb aus Bad Kissingen hergefahren sei, weil dort ein Laden nach dem anderen schließe. Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und zu schauen, dass in Bad Rodach das Gegenteil der Fall ist. Ein paar leere Geschäfte, die mit Leben erfüllt werden wollen, gibt es ja noch.

Das Bad Rodach Lädle

Wo: Das "Bad Rodach Lädle" im Gebäude am Markt 6 hat montags bis freitags von 10 bis 13 sowie 15 bis 18 Uhr geöffnet, am Samstag von 9 bis 13 Uhr.

Was: Petra Vogel (Bad Rodach): Kreuzstich-Handarbeiten mit dänischer Baumwolle. - Sabine Büttner (Heldritt): Witzige Tiere und getöpferte Dekorationsartikel. - Sabine Seeger (Bad Rodach): Handgefertigte Gebrauchskeramik. - Sabrina Thumser (Heldritt): Goldschmuck, Wunschanfertigungen und Reparaturen. - Armin Knauf: Getreide, Nudeln, Öle und weitere Lebensmittel aus biologischer Herstellung.