Elf Böllerschüsse am Justizgebäude zum Kirchengeläut von St. Moriz sind das Signal: Der Festzug zum Schützenauszug setzt sich in Marsch, um im Rathaus die Traditionsfahne zu holen. Zahlreiche (Schützen-)Vereine, Blaskapellen und Spielmannszüge hatten der Schützengesellschaft Coburg 1354 die Ehre gegeben.

Zu den Gästen gehörte auch eine Abordnung der Stadtrandsiedlung Traiskirchen (Österreich) mit ihrem Bürgermeister Andreas Babler. Diese Siedlung pflegt seit 40 Jahren eine Partnerschaft mit der Siedlergemeinschaft Tiefenstein.

Auf dem Rathausbalkon wartete schon Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) mit den Bürgermeistern Birgit Weber (CSU) und Thomas Nowak (SPD), um die Fahne zu übergeben. Das Schützenfest führe Menschen aus allen Schichten zusammen und sei somit Sinnbild einer Gemeinschaft, sagte der OB. Hier könne jeder miterleben, dass Traditionen und Werte nicht nur erhalten und gepflegt, sondern aktiv gelebt werden. Schon seit dem 13. Jahrhundert seien Schützenfeste "zum Mittelpunkt allgemeiner Lustbarkeit" geworden.

In Zeiten der Globalisierung sollte ein gleichberechtigtes Miteinander und Nebeneinander der Kulturen möglich sein, sagte Tessmer. Traditionen, Kultur und Wertbegriffe seien unabdingbar miteinander verbunden. Menschen brauchen diese Leitlinien und Orientierungspunkte, die uns ein sozial verträgliches Miteinander ermöglichen. Anarchie sei die schlechtere Variante.

Tessmer warnte davor, die Schützenvereine weiter zu schwächen. Die riesigen Probleme in Verbindung mit Sicherheitskonzepten, Auflagen, neuen Gesetzen und Gebührenordnungen würden die Vereine langsam vor unlösbare Aufgaben stellen. Unwissenheit über Brauchtum und Tradition in der Bevölkerung, bis hin zu Vorurteilen und bedenklichem Image komme hinzu. Dabei hätten sich die Schützen seit dem Mittelalter für demokratische Prinzipien eingesetzt, betonte Tessmer. Ihre Vereinigungen haben die Jahrhunderte mit verschiedensten Staatsformen, mit Kriegen, Seuchen, Hungersnöten überstanden. Tradition und Brauchtum geben Norbert Tessmer zufolge Geborgenheit und Sicherheit, "das wollen wir uns von niemand nehmen lassen".