Der Weg über den Anger, vorbei an den zahlreichen Fahrgeschäften, ist menschenleer. Noch herrscht hier Ruhe vor dem Sturm. Arbeiter bauen letzte Fahrgeschäfte auf, pinseln abgeplatzte Flecken weg, oder sind schon mit dem Putz der Buden beschäftigt. Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr. Denn am Freitag eröffnet das 416. Coburger Vogelschießen. Dann stürmen die Massen zehn Tage lang die Fahrgeschäfte, Zelte und Imbissbuden.
Damit der Eröffnungstermin eingehalten wird, ist ein Mann fast 24 Stunden auf dem Festplatz präsent. Und das schon seit einer Woche. "Ich mache das aus Liebe, anders geht es nicht", sagt Stefan Schrober. Er ist Platzmeister der Schützengesellschaft Coburg und sozusagen der Mann für alles. "Ich mache das in meinem Urlaub. Ehrenamtlich." Schober ist für die komplette Organisation des Vogelschießens verantwortlich.
Die beginnt schon im Oktober des Vorjahres, denn es bewerben sich weit mehr Schausteller, als Schober Plätze anbieten kann. Ungefähr 300 sind es jedes Jahr, die einen Platz auf dem Anger ergattern wollen. 70 kann der Platzmeister aber nur anbieten. Verträge mit den Schaustellern müssen abgeschlossen werden und Absagen rechtzeitig erteilt werden. Auch das zählt alles zu Schobers Aufgaben. Und wie entscheidet sich nun, wer kommen darf? "Ich suche so aus, dass eine entsprechende Vielfalt und Abwechslung herrscht", erklärt Schober.

Ein großer Plan

Damit der Aufbau reibungslos von der Bühne geht, hat Schober einen großen Plan. Auf diesem sind alle Hydranten, Stromkästen, Bäume und Flächen, auf denen Buden aufgebaut werden können, eingezeichnet. Danach richtet sich dann auch, welcher Schausteller wo stehen darf. "Wir müssen dafür sorgen, dass jedes Fahrgeschäft den entsprechenden Strom- und Wasseranschluss hat", erklärt Schober. Außerdem entscheide auch die Größe eines Fahrgeschäfts darüber, wo es am Ende stehen wird.
Dieter Schmidt und Gerald Placht stehen mit ihrer Champignon-Mühle gleich vorne am Eck neben dem Riesenrad. "Auf dem Erfurter Oktoberfest wurden unsere gebratenen Champignons und hausgemachte Kräuterbutter mit dem zweiten Platz von 15 Imbissbuden ausgezeichnet", erzählen die beiden stolz. An diesem Mittwoch Mittag befinden sich die beiden gerade beim letzten Feinschliff und schrubben ihre Bude blitzblank.

Feinschliff in letzter Minute

"Von Feinschliff kann bei uns noch nicht die Rede sein. Der beginnt erst am Donnerstag", sagt hingegen der Geschäftsführer von Burghard-Kleuser, Tim Greipel. Der Riesenrad-Betreiber kommt direkt von einem anderen Schützenfest. Noch stapeln sich die Gondeln fein säuberlich vor dem bereits aufgebauten Riesenrad. Am Donnerstag sollen dann darin die ersten Fahrgäste ihre Runden drehen und Coburg von oben bewundern.
Bleibt eigentlich kein Wunsch unerfüllt, oder? "Eine riesige Achterbahn auf dem Anger, das würde ich mir mal wünschen. Aber dafür ist der Platz einfach zu klein", sagt Schrober und schmunzelt. mo