N aturkundemuseum - wie trocken das klingt! Kein Wunder, dass junge Menschen selten freiwillig in eine naturkundliche Ausstellung gehen. Vielleicht sollte man Letztere einfach umbenennen? Ein spannender Name würde auch viel besser zum Inhalt passen.
"Die Natur braucht sich nicht anstrengen, bedeutend zu sein. Sie ist es."
Wer dem Schweizer Schriftsteller Robert Walser zustimmt, findet im Naturkunde-Museum Coburg reichlich Anschauungsmaterial. Es verfügt über fast eine Million Objekte, darunter mehr als 100 000 Insekten und 20 000 Fossilien.
Vieles lagert im Depot, doch mit 16 Räumen und 2 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche gehört das Museum zu den größten seiner Art in Deutschland.
Im Fokus stehen neben der Entwicklung des Lebens und der Evolution des Menschen vor allem die einheimische Tierwelt und Zeugnisse der Erdgeschichte.
Die Welt der Mineralien ist mit 700 Exponaten vertreten: Kalkspat, Gips, Eisenspat und Bleiglanz formen wunderschöne Kristalle und das allseits verpönte Asbest zeigt sich in seiner feinfaserigen Schönheit. Eine besondere Attraktion für Kinder ist die Mineralienhöhle.
Dunkel und trostlos, wie die Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts, präsentiert sich die "Märbelmühle" im Keller des Museums. Sie erinnert an die rund 70 Produktionsstätten von Märbeln, also Murmeln, im Coburger Raum und in Südthüringen, die um 1890 das Rückgrat der Steinmärbelindustrie bildeten. Zu jener Zeit gab es kaum ein Kind, das nicht mit kleinen Kugeln spielte.
Tausende von "Märbelklopfern" zertrümmerten in Heimarbeit das regional vorhandene Muschelkalk-Gestein zu kleinen Würfeln. Diese wurden in einer - durch Wasserkraft angetriebenen - Mühle zu Spielmurmeln gerundet, gefärbt und poliert.
Um seine Familie zu ernähren, musste ein Klopfer täglich bis zu 10 000 Würfel schlagen. Im Jahr 1900 bekam er dafür etwa drei Mark und 35 Pfennige. Da die "Märbelklopfer" keine andere Einnahmequelle hatten, konnten die Händler den Preis diktieren.
Wie stark der Mensch früher auch von der Natur geprägt war, zeigt die Völkerkundeabteilung mit Kultfiguren und Masken aus Peru, Ozeanien, Afrika und Sumatra. Mitten im Saal steht ein Reisbauer vom Volk der Batak, der mit seinem Wasserbüffel das Feld pflügt.
Beeindruckend lebensecht ist auch die Neandertaler-Gruppe in der Urmenschen-Ausstellung. Drei Frauen und ein Kind scharen sich um ein Lagerfeuer unter einem Felsvorsprung. Etwas abseits steht ein Jäger mit seiner Beute.
Solche "Dioramen" sind lehrreiche Naturinszenierungen, die man sich - und das ist vielleicht ihr größter Vorteil - ganz in Ruhe anschauen kann. "Bei uns steht das Objekt im Vordergrund", betont Museumsleiter Carsten Ritzau.
Kernstück der biologischen Ausstellungen sind fünf aufwändig gestaltete Dioramen mit typischen Lebensräumen aus Oberfranken und dem Süden Thüringens. Im Frühjahr erwacht das Leben am Fischteich. Ein Fuchs, dessen Bau am Rand einer Hecke liegt, füttert seine Jungen. Auf dem sommerlichen Kalkmagerrasen weiden Schafe und Ziegen. Im herbstlichen Buchen-und Tannenwald kämpfen zwei Rothirsche um die Herrschaft. Und unter der Schneedecke im Fichtenforst suchen Wildschweine nach Nahrung. Die größte Vitrine ist der Tierwelt der kanadischen Rocky Mountains gewidmet.
Die auf puristischen Holzsockeln präsentierten Tierpräparate sind von allen Seiten einsehbar. Der Besucher kann jedes Tier aus nächster Nähe im Detail studieren. Mag sein, dass sich jugendliche Museumsbesucher nur schwer für die Natur begeistern lassen - aber das beliebte "Selfie mit Löwen" lässt doch hoffen.
Das Museum, in dem, von Führungen über Vorträge bis zu Kindergeburtstagen, jedes Jahr über 200 Veranstaltungen angeboten werden, versteht sich als naturkundliche Bildungsstätte. Mehrere Sonderausstellungen im Jahr gewährleisten, dass sich die Besucher nie satt sehen können.

Info: Naturkunde-Museum Coburg,
Park 6, 96450 Coburg, www.naturkunde-museum-coburg.de