"Alles dicht, laufende Kosten und keine Einnahmen." Robert de Vries kommt schnell auf den Punkt, wenn er die aktuelle Situation beschreibt, mit der er sich konfrontiert sieht. Für den Campingplatzbetreiber wären die Osterferien der Startschuss für die Urlaubssaison gewesen. Durch die Corona-Pandemie muss sein Platz in Seßlach jedoch geschlossen bleiben – auf unabsehbare Zeit: "Der normale Betrieb wird wohl erst im nächsten Jahr wieder aufgenommen", ist sich de Vries sicher.

Eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen sei für ihn zwar früher denkbar. Hierbei stehe jedoch der verantwortliche Umgang mit der Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter im Vordergrund. Insbesondere eine angemessene Regelung im Umgang mit Gruppen und Kindern auf dem Platz gelte es zu finden, betont er. Eine Möglichkeit bestehe eventuell darin, nur jeden zweiten Stellplatz zu besetzen und Gemeinschaftsaktivitäten vorerst zu untersagen. Hierunter würde jedoch die Campingplatzatmosphäre leiden. Zudem bedeutet eine solche Maßnahme sinkende Einnahmen, bei laufenden Kosten. Direkt nach der Krise kann das für viele Betreiber zu existenziellen Schwierigkeiten führen.

Soforthilfen bleiben noch aus

Das sei auch deshalb ein Problem, weil es noch immer offene Fragen in Sachen staatliche Soforthilfen gebe, wie de Vries erklärt: "Es ist unklar, welche Kriterien gelten. Da hört man momentan vieles." So sei beispielsweise noch nicht geklärt, ob die finanziellen Rücklagen der Betroffenen aufgebraucht werden müssen, ehe die Hilfszahlungen des Landes oder des Bundes fließen.

Ein Problem, das auch Stine Michel kennt. Sie ist Geschäftsführerin der Bad Rodacher Therme und auch für den benachbarten Wohnmobilstellplatz Thermenaue verantwortlich. Auch bei ihr kam noch keine finanzielle Unterstützung an: "Zur Zeit hängt der ganze Bereich noch etwas in der Luft. Es werden Pakete geschnürt – wir hoffen, dass da demnächst was kommt."

Eine Prognose für die Wiedereröffnung will sie indes noch nicht geben: "Wir können nur munkeln und spekulieren. Letztlich müssen wir aber warten, was die Politiker entscheiden." Aktuell gebe es auch keine Wartungsarbeiten, die am Stellplatz nötig wären – die Verantwortlichen sind also erst einmal zum Nichtstun verdammt.

Boom nach der Krise?

Die Regierung hat derzeit noch kein Datum für eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen genannt. Bis die Krise überwunden ist, werden aber wahrscheinlich noch einige Monate ins Land ziehen. Danach jedoch, wenn auch die Angst überwunden sei, könne der Regionaltourismus einen Boom erleben, glaubt Stine Michel.

Ein solches Szenario hält auch Jörg Steinhardt für möglich. Für den Geschäftsführer des Vereins Tourismusregion Coburg-Rennsteig ist ein solcher Trend insbesondere dann wahrscheinlich, wenn die Reisemöglichkeiten vorerst nur auf das Innlandbeschränkt bleiben. Er weist jedoch darauf hin, dass es in diesem Zusammenhang einige Faktoren gebe, die mitbedacht werden müssten: Wie lange dauert die Krise an? Haben die Menschen noch genügend Urlaubstage übrig? Reicht ihr Geld nach der krisenbedingten Kurzarbeit für einen Urlaub aus? Wie ist es um die Situation der Anbieter bestellt? Fragen, deren Antworten momentan keiner weiß. In jedem Fall hoffen Steinhardt, de Vries und Michel auf eine "Jetzt-wieder-raus-Mentalität", wenn die Krise überstanden ist.

Corona und Camping (Kommentar von Sven Dörr)

Aktuell schreibt jeder seine ganz persönliche Corona-Geschichte. Es sind meist sehr bittere Kapitel – gesundheitlich, sozial, psychisch, vor allem aber auch ökonomisch. Manche Betriebe und Branchen stecken die Umsatzeinbußen besser weg als andere. Häufig kann die Arbeit im Home-Office erledigt werden, ist kein Kundenkontakt nötig, wird der Notbetrieb aufrecht erhalten und/oder staatliche Hilfen kommen an. Immerhin. So mancher Branche bricht die Kundschaft jedoch komplett weg und es besteht keinerlei Möglichkeit, die fehlenden Umsätze zu kompensieren. Neben vielen anderen in der Tourismusbranche können auch die Campingplatzbetreiber aktuell ein Lied davon singen. Hier ist jetzt der Staat gefragt. Sollten Soforthilfen ausbleiben oder an hohe bürokratische Hürden geknüpft sein, könnte dies das Aus für viele Plätze bedeuten – auch in unserer Umgebung. Der Folgeschaden für die gesamte Tourismusregion wäre nicht zu unterschätzen. Die persönliche Perspektive einiger bodenständiger Urlauber kommt hinzu: Der Campingausflug in der Heimat wäre gestrichen. Ob die Pauschalreise an die zubetonierten Küstenstreifen des Roten Meeres ein würdiger Ersatz hierzu wäre, muss jeder selbst entscheiden – ob die dortigen Hotelketten die Krise überstehen, steht zudem auf einem anderen Blatt.