Der Angeklagte ist von kräftiger Statur, wird mit Fußfesseln vorgeführt und bekommt neben seinem Pflichtverteidiger eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe und einen Dolmetscher beigeordnet. Er ist erst 19 Jahre alt und sitzt derzeit in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Kronach. Die Liste der Anklagepunkte, die ihm Staatsanwältin Jana Huber vorhält, und die der Dolmetscher langwierig Wort für Wort übersetzen muss, weil der Mann die Anklageschrift in seiner Muttersprache nicht lesen kann, ist lang.



Lange Liste der Anklagen

Der Mann muss sich wegen versuchten Totschlags, gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung vor der Großen Jugendkammer in Coburg verantworten. Zudem wirft die Staatsanwaltschaft dem gebürtigen Afghanen die Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten vor.

In der heutigen, von Terror bedrohten Zeit ist es vor allem dieser Anklagepunkt, der aufhorchen lässt und elektrisiert, auch wenn andere Straftatbestände wohl schwerer wiegen.

Im Herbst 2016 soll der junge Mann einem Mitbewohner in der ihm zugewiesenen Asylbewerberunterkunft im Landkreis Coburg angekündigt haben, "eine Bombe zu zünden, wenn sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt wird". Die Staatsanwaltschaft nimmt diese Drohung sehr ernst.

Einen Mitbewohner habe er mit dem Messer bedroht und gesagt: "Ich töte dich!" Bereits im August soll er in einer Asylbewerberunterkunft im Landkreis Kronach einem Zimmergenossen mit einem Küchenmesser in den Oberschenkel und im Bauch- und Brustbereich gestochen haben. Dabei habe er dem Mann angedroht, ihn umzubringen. Einen weiteren Bewohner habe er mit der Faust in den Bauch geboxt.
Staatsanwältin Jana Huber listete weitere Vergehen auf: Im Juni letzten Jahres soll der 19-Jährige auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Kronach einen Bekannten geschlagen haben, der daraufhin die Polizei zu Hilfe rief. Beim Freischießen in Kronach im August sei der Angeklagte erneut gewalttätig geworden und habe einen Kronacher mit der Faust gegen Kopf und Bauch geboxt. Dabei soll er laut Vorsitzender Richterin Bianca Franke vorher mit Fahrrädern geworfen haben.


Weiter randaliert

Am Kronacher Bahnhof zerschmetterte der Mann die Glasscheibe eines Wartehäuschens und die eines Schaukastens. Der Schaden lag bei über 2000 Euro.

Der Mann erklärte, oft Alkohol zu trinken, dies allerdings in unregelmäßigen Abständen. Auch im August 2016 habe er Alkohol konsumiert: "Ich hatte zwei Flaschen Wodka gekauft."
Eine Flasche habe er im Park getrunken, die andere auf seinem Zimmer in einem Asylbewerberheim im Landkreis Kronach, zusammen mit einem Mitbewohner. Es ist nicht ganz klar, an was sich der Angeklagte genau erinnert und was ihm seine Freunde später erzählt haben.

Fakt ist: Der Mann wollte sich eigenen Aussagen nach betrinken, um die Erinnerung an einen toten Onkel, die Heimat und die Aussicht auf eine unbestimmte Zukunft zu betäuben. "Ich war sehr traurig und melancholisch", sagte er.


Schutzbehauptungen

Weil sein Mitbewohner ihn wegen seines Alkoholkonsums als "abtrünnigen Moslem" bezeichnet habe, sei die Situation eskaliert. Mit zwei Messern soll der 19-Jährige auf sein Opfer eingestochen haben, das sich in ein anderes Zimmer flüchtete und dort verbarrikadierte.

Von außen soll er die Fensterscheibe eingeschlagen haben und einen weiteren Bewohner verletzt haben, bis es schließlich gelang, die Polizei zu rufen.

Auch beim Freischießen in Kronach gab der Angeklagte zu, betrunken gewesen zu sein. Allerdings soll nicht er den Streit begonnen haben, sondern der Kronacher. Der soll seinen Freund unvermittelt getreten und den 19-Jährigen geschlagen haben, so dass sie sich zu zwei Wachleuten vom Sicherheitspersonal geflüchtet hätten. "Die waren zu dritt und haben mich verfolgt." Mit Sachen wie Fahrrädern will der Angeklagte nicht herumgeworfen haben.

Die Schläge mit der Faust gegen den Oberkörper seines Bekannten auf dem ehemaligen Gartenschaugelände seien nur "Spaß" gewesen, erklärte er. Auch da habe der Angeklagte eine Flasche Wodka getrunken.
"Das war mein Fehler gewesen." Mit seinem Freund habe er sich anschließend wieder vertragen.
Das Verfahren wird am 2. und 8. August fortgeführt.