Coburg
Urkundenfälschung

Apotheker deckt gefälschte Corona-Impfpässe auf

Digitale Corona-Impfzertifikate sind bei Betrügern heiß begehrt. Ein aufmerksamer Apotheker machte Kriminellen jetzt einen Strich durch die Rechnung.
Für mehrere hundert Euro bieten Betrüger gefälschte Corona-Impfzertifikate an. Ein Apotheker in Lichtenfels deckte einen Fall jetzt auf, die Staatsanwaltschaft Coburg ermittelt.
Für mehrere hundert Euro bieten Betrüger gefälschte Corona-Impfzertifikate an. Ein Apotheker in Lichtenfels deckte einen Fall jetzt auf, die Staatsanwaltschaft Coburg ermittelt. Foto: Zacharie Scheurer, dpa

Gleich mehrere Personen haben dem besagten Apotheker seit Mitte August gefälschte Impfausweise vorgelegt und wollten sich damit ein digitales Impfzertifikat ergaunern. Bei dem Mann schrillten jedoch die Alarmglocken, weil die Ausweise allesamt von ein und derselben Arztpraxis aus Bamberg abgestempelt worden waren. Zudem gab es in allen Pässen nur einen Eintrag: den der angeblichen Corona-Impfung.

Der Apotheker wurde misstrauisch und rief bei betroffenen Arztpraxis an. Dort erfuhr er, dass keiner der Personen jemals Patient in der Bamberger Praxis war. Die Impfausweise waren allesamt gefälscht.

Die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft aus Coburg haben die Ermittlungen übernommen. "Es ist der erste Fall von gefälschten Corona-Impfpässen, den wir hier auf den Tisch bekommen haben", erklärt Johannes Tränkle von der Staatsanwaltschaft Coburg auf unsere Nachfrage. " Die sind erstmal kaum zu erkennen, das ist das Problem. Die Sache wird mit Nachdruck verfolgt."

Eine Lappalie sei das Fälschen von Impfpässen nicht. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden die Beschuldigten wegen Urkundenfälschung angeklagt.Ihnen drohen empfindliche Strafen. "Der Strafrahmen bewegt sich zwischen einer Geldstrafe und Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren", merkt der Staatsanwalt an.

Für die Beschuldigten könnte es noch dicker kommen: Das Amtsgericht erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Coburg mehrere Durchsuchungsbeschlüsse. Bei den anschließenden Wohnungsdurchsuchungen fanden die Kriminalbeamten neben den gefälschten Impfpässen auch noch Betäubungsmittel, die ebenfalls sichergestellt wurden.

Die umfangreichen Ermittlungen zu den im Raum stehenden Urkundenfälschungen dauern an.

Es handelt sich hierbei um ein neues bundesweites Phänomen, welches von Polizei und Staatsanwaltschaft konsequent verfolgt wird.

Gerade erst wurde in München wegen Hunderter gefälschter Impfzertifikate Haftbefehl gegen eine Apothekenangestellte und einen mutmaßlichen Komplizen erlassen. Der Vorwurf: Seit August sollen im Internet unberechtigt erstellte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis zum Preis von 350 Euro angeboten worden seien.

Dazu soll laut der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen die IT-Infrastruktur der Münchener Apotheke genutzt worden sein. Allein im Oktober sollen so über 500 Impfzertifikate ausgestellt worden sein.