Rund eineinhalb Jahre hat die ehemalige Druckerei Patzschke Frank Rebhan intensiv beschäftigt. Jetzt darf Neustadts Oberbürgermeister endlich öffentlich über ein Projekt reden, das aus seiner Sicht "eine nie da gewesene Chance für den Kultur- und Bildungsbereich der Stadt Neustadt darstellt."


Spender will unbedingt anoynm bleiben


Denn die Stadt Neustadt hat das in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof gelegene komplette Firmengelände samt Wohnhaus der ehemaligen Inhaberfamilie gekauft - kaufen können. "Möglich wurde das durch eine großzügige Spende", sagt Rebhan und wird dann bei der Frage nach dem Spender plötzlich schweigsam. Denn dieser Spender, daran lässt der OB keinen Zweifel, will unbedingt anonym bleiben. Das ist nach Rebhans Worten die unabdingbare Voraussetzung für einen Deal, der weit reichende städtebauliche Auswirkungen haben soll.
Eineinhalb Jahre hat das Vorhaben nicht nur den Oberbürgermeister, sondern auch den Stadtrat und Teile der Stadtverwaltung beschäftigt - eineinhalb Jahre, ohne dass die Öffentlichkeit davon Wind bekommen hat. "Das wäre in anderen Städten so vielleicht nicht möglich gewesen", sagt Rebhan.


"Kultur.werk.stadt"


Die Entscheidung für den Kauf im Stadtrat sei beinahe einstimmig gefasst worden - über alle Parteigrenzen hinweg.
Selbst die einzige Gegenstimme sei keine grundsätzliche Ablehnung gewesen, versichert Rebhan, sondern lediglich der Kritik an einer einzigen Formulierung des Beschlusses geschuldet.
"Kultur.werk.stadt" steht auf den Informationsblättern, die Rebhan bei der Präsentation des Projekts in seinem Büro verteilt. Hinter dem schick formulierten Begriff verbirgt sich eine ganze Reihe von denkbaren Nutzungsmöglichkeiten. Das reicht von der zentralen Unterbringung der VHS-Außenstelle Neustadt bis hin zu Galerieflächen und Werkstattbereichen für offenes künstlerisches Arbeiten.


Vielleicht Ende 2013 mit der Sanierung beginnen


Vieles ist denkbar, aber noch nichts ist konkret entschieden über die künftige Nutzung, betont Rebhan. Denn dazu soll zunächst ein beschränkter Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden.
Wie lang das dauern wird? "Wenn alles perfekt läuft, können wir Ende 2013 mit der Sanierung" beginnen, sagt Rebhan. Zugleich aber lässt Neustadts OB keinen Zweifel daran, dass der Charakter des gesamten Geländes mit seiner Verbindung aus großformatigem Bürgerhaus und Firmengelände erhalten bleiben soll: "Wir wollen den Charakter der alten Druckerei nicht nur dokumentieren, sondern sichtbar lassen." Immerhin befand sich das Unternehmen 105 Jahre lang durchgehend im Familienbesitz der Patzschkes.


Impulsprojekt für das gesamte Quartier


In den alten Druckhallen riecht es noch intensiv nach Farbe. In der Ecke stehen alte Druckmaschinen mit dem Schriftzug "Heidelberg". Und ganz hinten in der Garage verstauben drei betagte Daimler.
"Das ist ein Impulsprojekt für das gesamte Quartier", kommt Rebhan fast ein wenig ins Schwärmen. Schließlich befinden sich in unmittelbarer Nähe das Arnold-Gymnasium und die Staatliche Realschule. Und auch die direkte Nähe zum Bahnhof könnte den gesamten Bereich vielleicht sogar für Studierende der Coburger Hochschule als Wohnbereich zum Pendeln attraktiv werden lassen.


Bis zu 60 Prozent Zuschuss


"Lange Gespräche, lange Verhandlungen" habe es gegeben, bevor der Kauf schließlich notariell beglaubigt werden konnte. Diese langen Gespräche, so Rebhan, seien auch notwendig gewesen, um das Projekt gründlich mit der Regierung von Oberfranken abzustimmen. Jetzt gilt das Vorhaben als Pilotprojekt, versichert Rebhan.
Verbunden damit ist die Hoffnung auf Mittel aus der Städtebauförderung. Bis zu 60 Prozent Zuschuss seien möglich, rechnet Rebhan vor - wichtig bei einem Vorhaben, dessen Realisierungskosten auf vorläufig rund eineinhalb Millionen Euro geschätzt werden.