Das Projekt "Kinder- und Familien-Lobby" (Kifalo) des Kinderschutzbundes kann ohne städtischen Zuschuss nicht laufen. Seit 2010 gibt es diese frühkindliche Förderung und Elternbildung in Coburg, und die Stadt hat das Projekt jährlich mit 10.000 Euro gefördert. Nun läuft die Förderung zum Ende des Jahres aus, und eigentlich sollte in der gestrigen Sitzung des Jugendhilfesenats entschieden werden, ob weiterhin und dauerhaft gefördert wird. Diese Entscheidung auf Oktober vertagt. "Es gibt noch Handlungsbedarf", sagte Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD) zur Begründung.

Vorher hatte Andrea Huth, Sozialpädagogin bei Kifalo mit Halbtagsstelle, erläutert, was sie in den zwei Jahren ihrer Tätigkeit in Coburg aufgebaut hat.
Ein Angebot, das es im Haus in der Judengasse 48 zweimal in der Woche gibt, sind die Eltern-Kind-Gruppen - einmal für Eltern mit Kindern unter sechs Monaten und einmal mit Kindern im Alter über sechs Monate. Der Runde Tisch für Eltern findet einmal monatlich statt. "Hier handelt es sich um ein niederschwelliges Angebot zur Elternbildung."

Sehr gut besucht sei das Freitagsfrühstück "Raum 13", das anfangs im Raum 13 stattfand. "Inzwischen ist das Interesse aber so groß geworden, dass wir unseren Saal nutzen müssen." Durchschnittlich zwölf Frauen kommen zu diesem Frühstück. "Sie können sich austauschen aber auch Fragen an die Fachkräfte stellen. Bei uns bekommen sie Antworten und auch Hilfe", betonte Andrea Huth. Zusätzlich bietet die Sozialpädagogin jeden Dienstag oder nach Vereinbarung eine Elternsprechstunde an. Alle zwei Wochen wird im Café "Babbel" gebastelt - Eltern und Kinder tun es gemeinsam.

Im Jahr 2012 kamen 1314 Eltern und Kinder zu Kifalo, bis Mai 2013 waren es schon 506. Und weil es für die Arbeit der Kinder- und Familien-Lobby existenziell ist, sich mit anderen Einrichtungen und Institutionen zu vernetzen, arbeitet Andrea Huth mit 17 Partnern aus der Stadt zusammen. Von diesem Miteinander können nach ihrer Ansicht sowohl Kinder, Eltern als auch der Kinderschutzbund profitieren. Seit 2010 wird beim Bündnis "Coburg - die Familienstadt" an einem familienpolitischen Gesamtkonzept gearbeitet.

Der Familienbericht liegt vor

Auf dieser Basis entstand ein Familienbericht. Nun liegt es vor und Bianca Haischberger vom Bündnisbüro stellte den Mitgliedern des Jugendhilfesenats einige Eckpunkte vor. Inzwischen hat das Bündnis 56 Partner, die in verschiedenen Arbeitsgruppen tätig sind. Der Familienbericht enthält die Bereiche "Wohnen in Coburg", "Arbeitswelt und Familie", "Gesund in Coburg", "Ehrenamt und Selbsthilfe" und "Familienunterstützende Dienste - Beratung, Bildung und Erziehung". Dazu gab es eine Bürgerbeteiligung, an der rund zwei Prozent der angeschriebenen Coburger teilgenommen haben. "Im Vergleich zu anderen Städten ist das sehr gut", urteilte Bianca Haischberger.

Das Ergebnis spricht in großen Teilen für die Stadt. Immerhin 79,6 Prozent der Teilnehmer an der Befragung bezeichnen Coburg als lebenswert. Die Mehrzahl findet die Stadt sauber und familienfreundlich. Handlungsbedarf gebe es noch bei den Einkaufsmöglichkeiten in den Stadtteilen. Das sei ein Ergebnis der Bürgerbeteiligung, stellte Bianca Haischberger fest. Aus der Befragung ergebe sich unter anderem auch, dass es wichtig ist, mehr Informationen über die Stadt via Internet zu geben, das Servicepaket Bauen und Wohnen müsse als Plattform für Wohnungssuchende ausgebaut werden. Im Zusammenhang mit der Arbeitssituation in Coburg wünschen sich die Befragten mehr Flexibilität im Arbeitsprozess und mehr Individualisierung, um Familie und Beruf besser in Einklang bringen zu können.

Dazu gehöre zum Beispiel mehr auch Kinderbetreuung in den sogenannten Randzeiten, ein Begleitservice für Kinder zwischen den Einrichtungen, eine gute Qualität der Mittagsbetreuung und Ferienangebote für Drei- bis Sechsjährige.

Dieser erste Familienbericht soll nun als wesentlicher Teil in das familienpolitische Gesamtkonzept "Coburg - die Familienstadt" einfließen.