Ein Haus für die Familie: Seit 2006 besitzen Ali und Hatice Gündüz die "alte Schmiede" in Creidlitz. Ein nicht allzugroßes, aber markantes Gebäude an der Creidlitzer Straße, mit Schieferfassade und in der gefühlten Ortsmitte, neben der "Goldenen Sonne" und der Auffahrt zur Schule. Als das Haus innen instand gesetzt war, zog die Familie 2007 ein. "Das Haus war günstig, und wir hatten uns damals sehr wenig über Denkmalschutz informiert", sagt Ali Gündüz.

Doch dann gab es Probleme mit der Westwand. Von außen nicht zu sehen, weil sie auf den Hof hinausgeht. "Der Buckel wurde immer schlimmer, und die Schiefer sind Stück für Stück abgefallen", erzählt der Hausbesitzer. Aber eine denkmalgerechte Sanierung würde teuer werden, das war Gündüz und dem Denkmalschutzbeauftragten der Stadt Coburg, Clemens Sagodi, klar.

Denkmalschutz-Anforderung

Sagodi vermittelte den Kontakt zu Hans-Heinrich Eidt. Der wiederum ist der Vorsitzende der Gemeinschaft Stadtbild Coburg, und seit fast zwei Jahren besteht seine Hauptbeschäftigung darin, dass er Zuschüsse für denkmalgerechte Haussanierungen bewilligt. Das Geld haben Michael Stoschek und Christine Volkmann zur Verfügung gestellt, Geschwister und Hauptgesellschafter des Fahrzeugteileherstellers Brose.

Anlass für die Spende - fünf Millionen Euro - war der Brand in der Herrngasse Pfingsten 2012, als etliche historische Gebäude schwer beschädigt wurden. Aber nur ein Bruchteil der Spende wurde für Soforthilfen gebraucht. Also stellten Stoschek und Volkmann den Rest für andere Zwecke zur Verfügung: eine Million für eine ansprechende Gestaltung einer möglichen Schlossplatztiefgarage sowie 3,2 Millionen Euro für denkmalgerechte Sanierungen, zu verwalten und auszuzahlen über Stadtbild Coburg. "Wer viel hat, kriegt wenig, wer wenig hat, viel", beschreibt Eidt eins seiner Zuschussprinzipien: Stadtbild hilft dabei, alle Zuschuss- und Fördermöglichkeiten auszuschöpfen. Wie viel Stadtbild im Einzelfall gibt, verrät Eidt aber nicht.

Denen helfen, die es brauchen

"Wir wollen gezielt da fördern, wo die Eigenmittel der Eigentümer ihre Grenzen haben", bestätigte Michael Stoschek, der mit Ehefrau Gabriele nach Creidlitz gekommen war, um sich ein Bild vom Ergebnis zu machen. Familie Gündüz, zu der auch die drei Töchter Ebru, Merve und Esine gehören, hatte es auch ohne die finanzielle Belastung schwer mit der Sanierung: Weil die Zeit drängte, musste alles im Herbst und beginnenden Winter geschehen. Die Fachwerkbalken unter dem Schiefer waren so morsch und zerfressen, "dass die gesamte Westwand neu aufgemauert werden musste", erzählte Hans-Heinrich Eidt. "Ich habe mit der Familie gelitten, als sie im Winter quasi im Freien wohnte." Die Mauer wurde Stück um Stück weggenommen und wieder hochgezogen. Aber dahinter lagen Küche und Bad, unbenutzbar während der Bauzeit.

Nun aber ist alles wiederhergestellt und schmuck wie einst. Eidt sorgte sogar dafür, dass die Einscheibenfenster (noch im Dezember) durch Sprossenfenster ersetzt wurden, so dass die Schmiede auch hier wieder ihr ursprüngliches Aussehen hat.

Schiefer wird knapp

Allerdings wird das nicht nur bei den Fenstern mit modernen Baustoffen erreicht: Die weißen Schieferplatten sind aus Kunstschiefer. Auch vorher waren sie nicht echt - die schwarzen Schieferplatten wurden in Ölfarbe getaucht, die im Lauf der Zeit abplatzte. Auch der schwarze Schiefer kommt nicht mehr aus der Region. "Die Abbaustellen sind erschöpft", erzählte Handwerker Christian Schwesinger (Sonneberg). Für die Fassade wurde spanischer Schiefer verwendet, "aber der eignet sich nicht für Dächer - das wird im Denkmalschutz bestimmt noch interessant".

182 Zuschussanträge hat Eidt bereits erhalten. Nicht jeder wird gefördert. 50 Projekte sind bereits abgeschlossen, für etwa 60 hat Eidt zusagen gegeben. Von dem Geld, das zur Verfügung stand, "ist ein Drittel weg, ein Drittel zugesagt und ein Drittel noch frei", berichtete er. Stoschek lobte ausdrücklich das ehrenamtliche Engagement des Rechtsanwalts und Stadtratsmitglieds (FDP).

Eidt bringt nach eigenen Angaben drei Tage in der Woche damit zu, die Förderanträge zu bearbeiten, mit Bauherren und Firmen zu verhandeln und Gebäude zu begutachten. Aber er sieht auch die Erfolge. In dieser Woche soll ein Objekt in der Webergasse fertig werden, vor der Sanierung "die schlimmste Hütte in Coburg".