"Eigentlich gibt es nur eine Grundrechenart, die Addition, das Zusammenzählen", sagt Karl Herold. Damit stellt er sich - auf den ersten Blick - gegen die allgemeine Auffassung, dass Addition, Subtraktion, Multiplikation und das Dividieren eben die vier grundlegenden mathematischen Operationen sind. Herold definiert anders: "Das Abziehen, die Subtraktion, ist nur eine negative Addition." Die Multiplikation sei eine mehrfache Addition, das Teilen oder Dividieren eine fortgesetzte Subtraktion. Nach dieser Erklärung funktionieren die meisten mechanischen Rechen- und Saldiermaschinen, die im Schaufenster der früheren Büromaschinenhandlung Hans Körber in der Ketschendorfer Straße zu sehen sind. Karl Herold, Enkel des Firmengründers, hat aus Keller und Speicher eine umfangreiche Sammlung historischer Büroausstattung geholt.

Wählscheibe und Hebel

Da ist eine Everest Multarapid S zu sehen. Auffällig an der beigen Maschine ist die Wählscheibe auf der linken Seite neben den Tasten für die Zahlen und rechts den zwei auffälligen länglichen Hebeln. Diese Hauptbedienhebel steuern den Druck der Rechenvorgänge auf dem Kontrollstreifen, Stellen- und Saldoanzeige sowie die Kommawahl. Weiter gibt es drei Nullentasten. Mit der Wählscheibe - die Beschriftung der Ziffern ist irgendwann verloren gegangen - wurde der Multiplikator eingegeben. Zwölf Kilogramm bringt die Maschine, die Ende der 1950er-Jahre im norditalienischen Crema gebaut wurde, auf die Waage. Angetrieben wurde die Everest elektrisch. "Bei diesen Maschinen musste man sich schon überlegen, was und in welcher Reihenfolge man eintippt, damit das richtige Ergebnis ausgedruckt wurde. Zumal es keine Anzeige gab", erklärt Karl Herold.

Sichtbares Rechenwerk

Mit Muskelkraft und einem Handhebel hingegen funktioniert die "Mauser-Addi"-Saldiermaschine, die von 1931 an in Oberndorf am Neckar in verschiedenen Varianten produziert wurde. "Die Maschine besitzt eine sichtbares Rechenwerk und im selben Fenster über den Zahlen des Zählwerk eine Sondereinrichtung, die nach jedem Arbeitsgang ein Schildchen erscheinen lässt, das angibt, ob die Maschine addiert oder subtrahiert hat", heißt es in der Beschreibung.

Hans Körber hat die Handlung für Büromaschinen und -bedarf 1921 gegründet. "Eigentlich hieß mein Opa Johann, aber daraus wurde irgendwann ‚Hans‘", weiß Enkel Karl Herold. "Schmeiß' nie was weg, man kann alles noch brauchen" war eine bestimmende Einstellung im Hause Körber. Das hat sich auf den Sohn Günter Herold und Enkel Karl Herold übertragen. Der hat den Lebenslauf des Großvaters von der Geburtsurkunde bis zum Totenschein chronologisch mit den Originaldokumenten und vielen Bildern in zwei prall gefüllten Aktenordnern fein säuberlich archiviert.

Zeugnisse der Materialwirtschaft

"Von allen von uns vertriebenen Büromaschinen seit dem Jahr 1939 sind alle Prospekte und Preislisten noch vorhanden", stellt Karl Herold fest. In den vielen, vielen Aktenordnern finden sich Zeugnisse der Materialwirtschaft in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts: "Wenn man etwa eine Schreibmaschine an Privatleute verkaufen wollte, waren vorher 13,1 Kilogramm Altmetall zu stellen." Das Dokument aus dem Jahr 1939 gibt an, um welche Metallart es sich zu handeln hatte und wo es abzugeben war. "Ich bin dankbar, dass so viel aufgehoben wurde", meint der 77-Jährige, um grinsend festzustellen, "dass ich mindestens 120 Jahre alt werden muss, um alles zu sortieren und zu ordnen".

Archiv Coburger Geschäfte

1950 begann die Firma die seinerzeit aufkommenden Frankiermaschinen zu vertreiben. Daraus hat sich ein einzigartiges Archiv Coburger Geschäfte entwickelt. "Von jeder, wirklich jeder von uns verkauften Frankiermaschine sind der Kaufvertrag und ein Abdruck des Frankierstempels vorhanden", deutet Karl Herold auf eine Reihe von Aktenordnern. "Da sieht man beim Durchblättern, welche Geschäfte in den vergangenen Jahrzehnten aufgegeben haben." Auch die Geschäftsbeziehungen der Firma Körber mit anderen Unternehmen sind nachvollziehbar. Da gibt es eine Rechnung an das Modehauses Steinmann mit Sitz in der Hans-Schemm-Straße. "Während der NS-Zeit hieß so der Steinweg und war nach dem Gauleiter von Oberfranken benannt."

In Regalen und Schränken in dem weitläufigen Anwesen in der Ketschendorfer Straße findet sich noch jede andere Menge früherer Bürotechnik. Nasskopiergeräte - "denn Entwickler habe ich noch im Keller", oder die ersten Trockenkopierer der Firma 3M. Diktiergeräte aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren unhandlich und schwer. Das "Assmann Universa" zeichnet den Ton auf eine Magnet-Langspielplatte auf. Vor der Aufnahme müssen die Röhren geheizt sein. Karl Herold hat ein Sammlerstück mit Leuchtreklame zu bieten. Ein Exemplar der roten Reiseschreibmaschine "Valentine" von Olivetti ist als beispielhaftes Industriedesign im Museum of Modern Art in New York zu sehen.

Schreibfedern und Geha-Tinte

Preziosen sind die massenweise unbenutzten Schreibfedern und Gläser mit Geha-Tinte. Aber auch UHU-Alles-Tinte findet sich in den Regalen. Füllhaltertinte von UHU aus den 1940er-Jahren gab es auch in Tabletten zum Ansetzen. Aus dieser Zeit besitzt Karl Herold noch Kopierstifte, die der Vater nach dem Krieg aus den Beständen der Wehrmacht kaufte: "Eigentum der Luftwaffe" ist in goldener Schrift aufgedruckt.

Von vielen Dingen wird sich Karl Herold trennen: "Wenn es wieder möglich ist, nach Corona, wird es einen Flohmarkt geben." Auskünfte dazu unter Telefon 09561/28634.