Graffiti werden oftmals als illegal gesprühte Bilder, Schriftzüge oder Zeichen gesehen, die Vandalismus sind. Dass man mit dieser Technik auf ganz legalem Weg ein sichtbares Zeichen für Toleranz und Zivilcourage setzen kann, stellten eindrucksvoll zehn Jugendliche aus unterschiedlichen Ecken des Landkreises unter Beweis.
Sie gestalteten im Rahmen eines Workshops mit Carlos Lorente, der von Deutschlands einziger Graffitti-Akademie Style Scouts (Nürnberg) nach Sonnefeld kam, den Toiletten-Wagen der Gemeinde nach ihren Ideen und Vorstellungen. Bei künftigen Veranstaltungen wird dieser Wagen an den unterschiedlichsten Veranstaltungsorten immer wieder schon von Weitem für alle die sichtbare Botschaft transportieren, dass Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Gewalt keinen Platz haben.

"Durch einen Artikel bin ich auf die Graffiti-Akademie Style-Scouts Nürnberg aufmerksam geworden", erklärt der Jugendbeauftragte des Landkreises, Kanat Akin. Die Idee stieß auch bei Sebastian Stamm (Fach- und Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Coburg) auf offene Ohren: "Mit großer Freude helfen wir, dieses Projekt umzusetzen, für das es knapp 2000 Euro Förderung gibt."


Der Fachmann klärte auch rechtlich auf

Bevor sich die Jugendlichen zwischen zehn und 23 Jahren, ans Ideensammeln machten, gab Carlos Lorente einen Einblick in Materialkunde und Technik und erläuterte die gängigsten Begriffe. Für absolut unerlässlich hält er Schutzmasken und gute Spraydosen, die pro Stück rund 4,50 Euro kosten. "Um ein richtig gutes Ergebnis zu bekommen, werden durchschnittlich 100 bis 120 Sprühköpfe benötigt, da die nicht wiederverwendet werden können, weil die Düsen verkleben." Ein solcher Sprühkopf koste ab etwa 30 Cent aufwärts. Er klärte auch rechtlich auf. Illegale Sprayer, die gefasst werden, müssen mit hohen Strafen rechnen, die sich schnell im sechsstelligen Bereich bewegen können. Carlos Lorente, der sich seit zwei Jahrzehnten in der Szene bewegt, gab den Teilnehmern klare Empfehlungen mit auf den Weg. Illegales Sprühen von Graffiti sei keine Mutprobe.

Nach dem theoretischen Teil machten sich die Jugendlichen daran, ihre Vorstellungen auf die Außenwände des Wagens zu bringen. Unter anderem malten sie Entwürfe auf Folie, deren Konturen mittels eines Over-Head-Projektors auf den Toilettenwagen übertragen wurden. Die Initiatoren Kanat Akin und Alexandra Kemnitzer, Jugendbeauftragte der Gemeinde Sonnefeld, dankten der Kommune für die hervorragende Kooperation. "Erfreulich wäre, wenn von dieser Aktion weitere Impulse ausgehen und Kommunen für die Graffiti-Szene spezielle Flächen zur Verfügung stellen, damit könnte dem illegalen Aufbringen von Graffiti entgegengewirkt werden", hofft Alexandra Kemnitzer. Dies sieht auch Carlos Lorente so, der als Beispiel die Landeshauptstadt München anführt. Dort werde den Künstlern seit vielen Jahren die Möglichkeit des legalen Sprühens geboten, was die Szene präge.