Für den Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) steht der Schuldige fest: Der Bezirk Oberfranken der Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) ist schuld an der derzeitigen Ärztemisere: Die hätte eine Nachfolgeregelung treffen müssen, damit die Patienten von zwei Coburger Ärzten jetzt nicht auf der Straße stehen.

Zwei Hausarztpraxen hatten mit Wochenbeginn geschlossen, ihre Patienten müssen sich nach anderen Ärzten umsehen. Das trifft besonders diejenigen, die kurzfristig Medikamente brauchen. Die Coburger Hausärzte haben deshalb schon Notfallsprechstunden organisiert. Außerdem wurde die Budgetierung aufgehoben, damit die Ärzte die zusätzlichen Medikamente auch verschreiben können.

Das, sagt Michelbach, sei ja wohl "eine Selbstverständlichkeit". Schließlich habe die KVB den gesetzlichen Auftrag, die ärztliche Versorgung sicherzustellen. "Aber anscheinend interessiert bei der KVB in Bayreuth niemanden, was der Gesetzgeber macht!" Es genüge auch nicht, wenn die KVB auf den Juli vertröste: Spätestens ab dann kann ein neuer Arzt in Coburg eine Kassenzulassung erhalten.

Einer der Coburger Ärzte, die nun aufgehört haben, hatte sogar einen Nachfolger eingearbeitet. Doch dem hatte der gemeinsame Zulassungsausschuss von KVB und Krankenkassen die Kassenzulassung verweigert. "Wenn sie einen Arzt ablehnt, muss die KVB halt einen anderen requirieren", schimpft Michelbach.

"Die Vorstände der KVB müssen persönlich in Haftung genommen werden", fordert der Abgeordnete. Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) habe er angeschrieben und "um sofortiges Tätigwerden gebeten". Schließlich verunsichere die derzeitige Situation nicht nur die Patienten, sondern auch die übrigen Ärzte.

Was Michelbach besonders in Rage bringt: Situationen wie die, dass plötzlich Ärzte fehlen, sollten eigentlich durch das GVK-Versorgungsstrukturgesetz verhindert werden (GKV steht für gesetzliche Krankenversicherung). Es nimmt die Ärztevereinigung in die Pflicht. Mit dem Gesetz seien besonders die Bedenken der Coburger Ärzte aufgenommen worden, die in ihren Dienstagsdemos vor genau solchen Szenarien gewarnt hätten, sagt Michelbach.