Ist das Kunst oder kann das weg? Nein, bei den 15 bunten grell lackierten Fahrrädern, die in der Nacht zum Sonntag in der Coburger Innenstadt aufgestellt wurden, handelt es sich um Wahlkampf - und genau deshalb müssen sie weg. Wie das Ordnungsamt unserer Zeitung auf Anfrage bestätigte, handele es sich um eine "nicht erlaubte Sondernutzung der Wahlwerbung". Deshalb müssten die Fahrräder bis diesen Dienstag, 12 Uhr, entfernt werden. Andernfalls würde die Stadt die Entfernung übernehmen und die Kosten der CSU in Rechnung stellen.

Verhängnisvolle Blumenkästen

Dass es sich bei den Fahrrädern überhaupt um Wahlwerbung und noch dazu um welche von der CSU handelt, ist freilich erst auf den zweiten Blick beziehungsweise auf den zweiten Klick zu erkennen. So befindet sich auf den Gepäckträgern der 15 Fahrräder jeweils noch ein kleiner Blumenkasten - und an dessen Seite wiederum ist ein sogenannter QR-Code angebracht. Sobald dieser QR-Code absichtlich oder auch unabsichtlich (etwa beim Fotografieren des ungewöhnlichen Fahrrads) von der Kamera eines Handys erfasst wird, öffnet sich auf dem Handy ein Link, der direkt auf die Internetseite des CSU-Bundestagskandidaten Jonas Geissler führt.

"Wir fanden, dass es eine witzige Idee und coole Aktion ist", sagte am Montag ein merklich enttäuschter Jonas Geissler. Mit "wir" meinte er sein Wahlkampf-Team, das in den vergangenen Tagen sehr viel Herzblut in das Besprühen, Dekorieren und Aufstellen der Fahrräder gesteckt habe.

"Es sollte eine moderne Form des Wahlkampfs sein", erklärt der CSU-Mann, der die Entscheidung der Stadt Coburg als "unglaublich schade" bezeichnet. Die Fahrräder hätten ja auch gar nicht lange in Coburg stehen sollen, wie Jonas Geissler berichtet. "Nach ein paar Tagen wollten wir sie an anderen Orten aufstellen." Die Fahrräder hätten sozusagen durch den Coburg-Kronacher Bundestagswahlkreis touren sollen.

Sind sie bald andernorts zu sehen?

Vielleicht klappt das ja aber trotzdem noch: "Wir werden jetzt bei anderen Kommunen nachfragen, ob es dort vielleicht erlaubt ist", kündigt Jonas Geissler an. Der aktuelle Wahlkampf wäre für ihn dabei sogar zweitrangig. "Wichtiger ist mir, dass die Arbeit meines Teams nicht umsonst war", betont Geissler. So könnte ja auf die Blumenkästen - und damit auch auf den QR-Code - verzichtet werden. "Dann wäre es eher ein Kunstprojekt!"

Auch mit dem Ordnungsamt der Stadt Coburg hatte das Geissler-Team am Montag über einen derartigen Kompromiss verhandelt. Ohne Erfolg.

Was noch erschwerend zum bloßen Aspekt "unerlaubte Wahlwerbung" hinzu kam, war, dass die Fahrräder in Coburg auf "öffentlichem Verkehrsgrund" abgestellt wurden (etwa direkt vor der VR-Bank am Theaterplatz, vor dem Stadthaus am Marktplatz oder auch vor einem Geschäft in der Mohrenstraße) und dass sie allesamt nicht mehr fahrtüchtig waren.