Mensch, was war das denn am Sonntag Abend beim Tambacher Sommer? Da brauchten selbst diejenigen Geduld, die sich auf nichts weiter eingestellt hatten, als eine fette Portion Wiesn-Gaudi, mit dem Münchner VoxxClub selbstverständlich in ironisch sublimierter Form, im Grunde aber trotzdem halt raffiniert choreografierte Wiesn-Gaudi. Warum denn auch ned?

Doch es musste erst zehn Uhr werden, bis die sechs feschen bayerischen, österreichischen, schweizer Buben, die seit 2012 ihre witzige Show abziehen und dank Internet dabei phänomenalen Bekanntheitsgrad erzielt haben, über die bunt blitzende Bühne tigern durften.

Die Masse der passend bayrisch kostümierten Leute im vollen Schlosshof war so froh, dass sie endlich klatschend und mitstampfend loslegen durfte. Dass sie endlich auch der zunehmenden Peinlichkeit dieser unbedarften Mädels von Elaiza entkommen war plus eine halbe sehr längliche Stunde Umbaupause überstanden hatte. Endlich, jetzt aber ganz schnell, ganz intensiv daran glauben: "'s Leben is a Traum, dadum, dadum".
Der besteht für die aus Studentenlaune ziemlich spontan am Küchentisch - sagt zumindest die sorgsam gestrickte Legende - zusammengekommenen Sänger derzeit darin, sich genüsslich in baye rische Volkstümelei zu stürzen. Das fröhliche Gestürze am Maibaum zu "Marie, Marie, i steh auf di", "Juje auf der hohen Alm" und sämtlichen weiteren verfügbaren Fensterl-Krachern müssen aber sofort ein paar eventtechnisch erfahrene Profis in ihre Choreografie genommen haben.

Klasse Comic-Strip

Denn dass die knackigen Lederhosen-Buam ganz ordentlich a cappella singen können, würd' ja noch ka Sau ausm Stall lockn. Die Lederhosen arrangieren sich jetzt den ganzen Abend lang zu jedem lautstarken - übrigens akustisch mittels aufwendiger Technik heftig aufgedonnerten - Song tänzerisch schräg und witzig immer wieder neu. Des is a klasse Comic-Strip. Wie die Zeichntrick-Männla ausm Fernsehn tigern die von links nach rechts und guckn dann immer so quer über die Schultern. Des müsst ma sich amol ohne Ton anguckn.

Dazu die fetzige Lightshow. Und die Buam können halt auch mit dem Publikum umgehen; im Gegensatz zu Elaiza labern sie nur ein kleines bisserl blöd.

Womit wir wieder bei diesen anfänglichen Blitzaufsteigern, Elaiza wären, die heuer im Frühjahr schwuppdiwupp plötzlich Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten durften (und dort auf Platz 18 landeten).

Weil sie ganz plötzlich einen unglaublich wichtigen Bromouschendermin hatten, hat Veranstalter Friedrich ihren für letzte Woche anberaumten Auftritt kurzerhand zum Vorspiel für den VoxxClub gemacht. Wie hätten die drei pubertär auftretenden Mädels und die drei Musiker im Hintergrund auch einen ganzen Abend füllen sollen, nachdem, was sie am Sonntag in dieser einen Stunde boten?

Keine Frage, die aus der Ukraine stammende Ella Steinmetz hat eine interessante, dunkel gefärbte Stimme, die einen hübschen Überschlag in die Kopfstimme beherrscht. Und aus den mit Akkordeon und Kontrabass bisher noch recht diskret eingesetzten folkloristischen Akzenten ließe sich durchaus etwas machen. (Rhythmisch waren Elaiza übrigens um einiges anspruchsvoller als die alten Profis von Smokie am Abend zuvor.)

Den meisten Elaiza-Songs aber fehlt noch der Pepp, die spielen immer wieder hörbar auf Zeit, die müssten erst Mal zu Ende komponiert und arrangiert werden. Und wenn ihnen dann noch ein wohlmeinend-kritischer Regisseur sagen würde, was auf der Bühne wie wirkt... Dann wird man Elaiza in Zukunft vielleicht auch länger als drei Liedlein lang ohne Ungeduldsanfälle ertragen können.