In München Munichia (zu sprechen mit einem deutschen ch, nicht etwa italienisch mit einem k) wurde die Turnerschaft 1883 gegründet. 1977, als sich in München kaum noch Nachwuchs fand, zog sie nach Bayreuth um. Sie ist die einzige Verbindung im Coburger Convent (CC), einem Zusammenschluss von 93 Studentenverbindungen. Was die Verbindungen im CC eint: Sie sind allesamt pflichtschlagend - wer ein vollwertiges Mitglied werden will, muss mindestens zweimal gegen ein Mitglied einer anderen Verbindung mit scharfer Waffe fechten. Manche verlangen sogar vier solche Pflichtmensuren. Und: Es handelt sich um Landsmannschaften oder Turnerschaften. Diese Verbindungen verstehen sich als "unpolitisch". Die Landsmannschaften wurden einst gegründet, um den Studenten aus der gleichen Heimatregion in der fernen Universitätsstadt eine Heimat zu bieten. Die Turnerschaften wollten turnen, als das der Obrigkeit höchst verdächtig war. Alle wollten sie ein geeintes Deutschland, als dieses noch aus zahllosen kleinen Fürstentümern bestand.




147. Pfingstkongress
Die Munichia ist die einzige Verbindung in einer oberfränkischen Hochschulstadt. Noch - denn die in Coburg beheimatete Franco Borussia hat einen Aufnahmeantrag gestellt, über den am Samstag entschieden wird. Dass Coburg keine Unistadt ist, dürfte dem nicht im Wege stehen, sagt Frank Klauss, Pressesprecher des CC. Denn schon jetzt würden viele Verbindungen sowohl Universitäts- als auch Fachhochschulstudenten aufnehmen. So groß sei der Unterschied zwischen Universität und Hochschule für angewandte Wissenschaft ohnehin nicht mehr.

Zum 147. Mal treffen sich die Verbindungen im CC in Coburg zum Pfingstkongress. Auch diese Tradition rührt aus deutscher Kleinstaaterei. Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha ließ die Studenten aus ganz Deutschland zusammenkommen, denn er selbst befürwortete ein einheitliches Deutsches Reich zu einer Zeit, als das unter den deutschen Fürsten noch nicht opportun war.

Eröffnet wird der Kongress jeweils am Freitagnachmittag um 17 Uhr vom Rathausbalkon herab. Andreas Grosch, der Sprecher der Munichia, träumte schon als Schüler davon, einmal dort auf dem Balkon zu stehen. Schon seit der zehnten Klasse, als er noch ins Neustadter Arnoldgymnasium ging, sei er schon ein Fan des Pfingstkongresses gewesen, sagte er.

Die Coburger Gastronomie und die Bratwurstbrater haben sich für den Ansturm während der Pfingsttage gerüstet. Fast jede Verbindung hält einen eigenen Kommersabend ab, und wenn es nichts mehr gibt außer Bier, dann wenigstens noch eine Coburger Bratwurst auf die Hand. Drei Buden stehen am Marktplatz, und zumindest früher gab es dort die ganze Nacht was Warmes.

Aber auch die Gegner des CC haben sich vorbereitet. Am Samstag soll es eine Gegendemonstration geben. Die Gegner werfen dem Coburger Convent unter anderem Sexismus vor, weil nur Männer Mitglieder werden können, und nationalistische und rechtskonservative Tendenzen. Der CC verwahrt sich regelmäßig gegen diese Vorwürfe.