Der Ortsverband der AfD sei schriftlich aufgefordert worden, bis Dienstag (12.00 Uhr) zu versichern, dass Gauland bei einer Parteiveranstaltung in der Meistersingerhalle am Samstag nicht reden werde, sagte der Zweite Bürgermeister Christian Vogel (SPD) am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Sollte er allerdings das Wort ergreifen, werde die Stadt von ihrem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen.

Dies sei gemäß der Mietsatzung möglich, wenn Nürnberg als Stadt des Friedens und der Menschenrechte Schaden nehmen könnte. Gauland hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung im thüringischen Eichsfeld kürzlich davon gesprochen, Özoguz in der Türkei zu "entsorgen".

Die Äußerung des AfD-Spitzenkandidaten sei das i-Tüpfelchen gewesen, sagte Vogel. "Menschenverachtender geht es nicht mehr." Der Nürnberger AfD-Chef Martin Sichert warf der Stadt hingegen vor, die geplante Wahlkampfveranstaltung in der Meistersingerhalle unter "fadenscheinigen Gründen" zu verhindern und damit die "Demokratie zu beschädigen".

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen hat Gauland unterdessen gegen Rassismusvorwürfe in Schutz genommen. Der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel habe 2012 gefordert, die ganze Regierung Merkel "rückstandsfrei zu entsorgen", sagte Meuthen am Montag bei der Gillamoos-Veranstaltung seiner Partei in Abensberg in Anspielung auf eine umstrittene Äußerung des AfD-Spitzenmanns über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz.

Deswegen sei die Forderung von Gauland moderat gewesen. Dieser habe "lediglich unsere Desintegrationsministerin Aydan Özoguz entsorgen" wollen, "und das im Übrigen völlig zurecht", sagte Meuthen. Gaulands Aussage sei viel milder als die von Gabriel gewesen.

Meuthen und AfD-Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch warfen bei der Kundgebung in Niederbayern der Bundesregierung Versagen bei der Zuwanderungspolitik und dem Umgang mit Muslimen vor. "Diese ganze Merkel-Regierung hat uns offensichtlich totales Migrationschaos und innere Unsicherheit wie noch nie beschert", sagte Meuthen. Von Storch sagte, eine AfD-Regierung würde keinen Flüchtling mehr ohne Papiere ins Land lassen. "Ohne Pass kommt hier keiner rein, denn, wie wir wissen, ohne Pass kommt ja auch keiner mehr raus."