Damit war klar, dass ein 26-jähriger Kulmbacher letztlich wegen der dünnen Beweislage der Anklage einer schweren räuberischen Erpressung freigesprochen werden musste. Vor gut zwei Jahren ist die Spielothek Novolino in Kulmbach überfallen worden und eigentlich war das Verfahren schon eingestellt, aber weil die Polizei eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt hatte, die zur Festnahme des Täters führen sollte, meldete sich zu einem späteren Zeitpunkt ein Mann aus München.

Er hatte von seiner Ex-Freundin, inzwischen auch Ex-Freundin des angeklagten Kulmbachers, von dem Überfall gehört und brachte den Überfall auf die Spielothek wieder ins Rollen.

Staatsanwältin Sibylle Zwanzger zeigte in der Anklageschrift auf, dass die Tat am 1. Mai 2011 begangen wurde. Danach wurde eine Kassiererin der Spielothek mit einer Pistole bedroht und sie händigte die Tageseinnahmen in einer weißen Plastiktüte aus.

Vom Äußeren traf die Beschreibung auf den Kulmbacher zu und er hatte sich auch öfter den schwarzen Roller seines Vaters ausgeliehen und war auch häufig in Spielotheken anzutreffen. Eine Zeugin beschrieb ihn sogar als "spielsüchtig".

Der 26-jährige Kulmbacher beteuerte aber seine Unschuld, obwohl das gleiche Rollermodell wie das des Vaters auf den Bildern der Überwachungskameras zu sehen war. Das Kennzeichen ließ sich aber auf den Bildern nicht identifizieren. Bei dem Angeklagten wurden weder die Kleidung, der Helm oder die Waffe gefunden.

Der neuen Freundin, die am Freitagnachmittag auch als Zeugin aus München im Schwurgerichtssaal erschien und aussagte, ließ er wissen, dass er im Verdacht stehe, den Überfall auf die Spielothek Novolino begangen zu haben.

Der Fahndungsaufruf stand sogar im Internet. Am ersten Verhandlungstag erklärte der Angeklagte, dass er zwar hin und wieder in Spielhallen gehe, aber er sei kein "Zocker" und im Novolino sei er nie gewesen. Auch das Opfer des Überfalls, eine 47-jährige Angestellte, erklärte im Zeugenstand, dass sie den Angeklagten nicht kenne.

Der Ex-Freund, der sich offensichtlich die von der Polizei ausgesetzt Belohnung sichern wollte, schilderte im Zeugenstand, dass sich seine Ex-Freundin bei ihm ausgeheult und von dem Überfall erzählt habe. Er gab an, dass der Kulmbacher die Beute von rund 800 Euro wieder in Spielotheken ausgegeben habe und die Waffe in einem Container in München entsorgt habe.

Angeblich habe er das Geld auch in einem Papierkorb am Kulmbacher Bahnhof versteckt. Die Ex-Freundin geriet jedoch mit der Zeugenaussage einer Mitbewohnerin in kein gutes Licht. Sie sei "link" und habe ihr ganzes Geld für Drogen ausgegeben. Am ersten Verhandlungstag war die Hauptbelastungszeugin auch nicht aus München erschienen, so dass die Strafkammer darauf bestand, sie zur Anklage zu hören.

Für die Große Strafkammer war es alles andere als einfach, die Ereignisse zu rekonstruieren, zumal sie mehr als zwei Jahre zurücklagen. Während am ersten Verhandlungstag neben dem Angeklagten nicht weniger als acht Zeugen zu dem Überfall vernommen wurden, unter anderem die Eltern und die frühere Chefin des Mannes, die Casino-Angestellten zwei Polizisten, eine frühere Mitbewohnerin und der Ex-Freund der Ex-Freundin.

Die Hoffnung des Gerichts, mit der Aussage der Hauptbelastungszeugin mehr Licht in das Dunkel zu bekommen, sollte sich aber am Freitagnachmittag sehr schnell als Trugschluss erweisen. Die früher drogensüchtige Frau, die vor kurzem Mutter wurde, hatte erhebliche Erinnerungslücken und vieles stimmte nicht mehr mit ihren Angaben bei der polizeilichen Vernehmung überein. So hatte sie bei der Polizei von einer Waffe gesprochen doch am Freitag konnte sie sich daran nicht mehr erinnern.

So war es dann nach der umfangreichen Beweisaufnahme nicht verwunderlich, dass Staatsanwältin Sibylle Zwanzger nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugt war: "Die letzten Zweifel konnten nicht ausgeräumt werden." Es bleibt ein schlechter Beigeschmack, dass er es doch gemacht hat, aber das reicht nicht aus, um ihn zu verurteilen.

Die widersprüchlichen Aussagen der Ex-Freundin kamen der Staatsanwältin so vor, als sie sich die Geschichte ausgedacht und in eine Idee verrannt habe, um sich wichtig zu machen: "Sie hat vieles durcheinander gebracht."

Verteidiger Wolfgang Schwemmer schloss in seinem Plädoyer eine Falschaussage der Münchner Ex-Freundin nicht aus. Die Beweisaufnahme habe letztlich keine Schuld seines Mandanten ergeben. Schwemmer forderte deshalb, den Haftbefehl aufzuheben und plädierte für einen Freispruch des 26-jährigen Kulmbachers.

Dem schloss sich dann auch das Gericht an und Vorsitzender Richter Michael Eckstein machte deutlich, dass die Beweislage "zu dünn" sei. Der Haftbefehl vom 10. Januar 2013 wurde damit aufgehoben und die Kosten des Verfahrens gehen zu Lasten der Staatskasse.