• Tierrettung Bayreuth warnt vor Rattengift
  • Katze wurde in Bayreuth mit schweren Vergiftungserscheinungen gefunden
  • Tierschützer brachten Katze in Tierarztpraxis Frankenpfalz
  • Am Sonntag verstarb das Tier an den Folgen der Vergiftung

"Die Mieze konnte nicht gerettet werden, sie ist heute leider an den Folgen der Vergiftung gestorben!" Dies teilt die Tierrettung Bayreuth am Sonntag (29. August 2021) über ihre Facebookseite mit. Am Vortag hatte jemand das Tier in der Egerländer Straße in Bayreuth gefunden, erläutert Gerhard Schoberth, der Präsident der Tierrettung Bayreuth, gegenüber inFranken.de.

Tierrettung Bayreuth: Katze tot - nicht erste Vergiftung mit Rattengift

Die Katze wies Symptome einer Vergiftung mit dem Rattengift Alpha-Chloralose auf und war in einem sehr schlechten Zustand. Die Finder brachten die Katze sofort zu ihrem Tierarzt, dieser stellte die Vergiftung fest.

Da die Katze eine Intensiv-Versorgung benötigte, verlegte die Tierrettung Bayreuth die Katze in die Tierarztpraxis Frankenpfalz. "Dort wird die Kleine zurzeit intensiv betreut", erklären die Tierschützer am Samstag. Am Sonntag starb das Tier.

Noch ist unklar, wer der Besitzer der Katze ist, sagt Tierschützer Schoberth. Leider sei es aber nicht das erste Haustier in Bayreuth, das ein Opfer von Rattengift wurde. Bereits vergangenes Jahr seien zwei Kater vergiftet worden. Hierbei seien aber beide Tiere gerettet worden.

So wirkt das Rattengift auf Katzen und Hunde

Gerhard Schoberth erläutert, wie das Rattengift tötet. Dabei beruft er sich auf die Erläuterungen einer Kleintierpraxis aus Niedersachsen. Nach Aufnahme des Wirkstoffs dauert es etwa 30 Minuten bis vier Stunden, bis die Wirkung eintritt. Das gilt auch für Katzen und Hunde.

Das Gift wirkt depressiv auf das zentrale Nervensystem (Koma), stimuliert die spinalen Reflexe (Hyperreflexie, vor allem bei Katzen), verursacht bronchiale Hypersekretion (starke Speichelbildung in Lunge und Atemwegen) und Hypersalivation (vor allem beim Hund starkes Speicheln aus dem Maul), evtl. Miosis (Pupillenengstellung), evtl. Zyanose (Sauerstoffunterversorgung mit blauer bis violetter Färbung der Schleimhäute und der Zunge) und es beeinträchtigt die Regulationsmechanismen zur Einstellung der Körpertemperatur.

Am Ende stirbt die Katze, Hund oder die Maus durch Unterkühlung, so die Tierrettung Bayreuth. "Aber nur, wenn er/sie nicht vorher schon an seinem eigenen Speichel erstickt ist, oder es durch einen länger anhaltenden Krampfanfall zum Atemstillstand und Tod durch Ersticken kam."

Symptome einer Vergiftung:

  • Seitenlage
  • Krampfen/Zittern
  • Untertemperatur
  • Hyperreflexie/-ästhesie (die Patienten „erschrecken“ sich massiv bei lauteren Geräuschen, oder wenn sie berührt werden, sie zucken und krampfen)
  • Miosis (eng stehende, schlitzförmige Pupillen)

Behandlung der Chloralose-Vergiftung

  • Kein Gegenmittel verfügbar
  • Normale Körpertemperatur muss durch kontrolliertes, vorsichtiges Aufwärmen (und warm halten) wieder hergestellt und über zwei bis drei Tage aufrechterhalten werden
  • Intravenöse Infusionen mit Ringerlactat in Kombination mit einer forcierten Diurese zur schnelleren Ausscheidung des Giftes und Pufferung der Azidose; ggf. Glucoseinfusion
  • Bei Bedarf antiepileptische Medikation
  • Patienten, die noch nicht komatös sind, sollten zum Erbrechen gebracht werden
  • Aktivkohle kann eventuell noch nicht vom Körper aufgenommenes Gift binden
  • Ruhige, abgedunkelte Unterbringung des Patienten
  • Kontrolle und Wiederherstellung der physiologischen Körpertemperatur

Warnung an Tierhalter in Bayreuth

Wenn der Patient die akute Phase übersteht, dann wird das Gift innerhalb weniger Tage vollständig ausgeschieden, so Schoberth. 

Die Tierschützer warnen Katzen- und Hundehalter*innen in Bayreuth: "Bitte passt auf eure Tiere in dem genannten Bereich besonders auf, bitte lasst eure Freigänger in der näheren Umgebung in der nächsten Zeit zu Hause!"