Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, verkehren die Stadtspitze und der Städtische Museumsdirektor Sven Friedrich nur noch schriftlich über Rechtsanwälte miteinander. Sven Friedrich ist seit 1993 Direktor sowohl des Richard-Wagner-Museums mit Nationalarchiv und Forschungsstätte der Richard-Wagner-Stiftung im Haus Wahnfried als auch Direktor des Franz-Liszt- und des Jean-Paul-Museums in Bayreuth. Er ist Autor von Hörbüchern, hat zahlreiche Fachpublikationen veröffentlicht und hält Vorträge über Leben, Persönlichkeit und Werk des Musikdramatikers, Theaterregisseurs und Dirigenten Richard Wagner.

Sven Friedrich soll nun von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe die Kündigung angedroht bekommen haben. Angeblich geht es um Fragen der Personalführung.
Außerdem wurde eine Abmahnung ausgesprochen, gegen die der Museumsdirektor scheinbar anwaltlich vorgeht und die, wie zu hören ist, kaum aufrecht zu halten sein dürfte.

Als eine Auflage seitens der Stadtspitze muss Friedrich nun seine wöchentliche Arbeitszeit von 39 Stunden exakt nachweisen. Nach Aussage von Insidern bedeutet dies aber für eine Führungskraft wie Friedrich faktisch eine Reduzierung der Arbeitszeit und kommt der Stadt letztlich wesentlich teurer als die bisherige Regelung. Außerdem darf Friedrich nur noch Vorträge halten, wenn dies ausdrücklich durch die Oberbürgermeisterin genehmigt ist.

Noch keine Genehmigung von Merk-Erbe

Ein Vertrag der BF Medien für die beliebten Einführungsvorträge, die Friedrich alljährlich in der Festspielzeit vor den Aufführungen der Wagner-Opern hält, soll dem Museumsdirektor vorliegen. Bisher hat Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe aber scheinbar noch keine Genehmigung erteilt, dass er diese auch in altbewährter Weise wieder halten darf.

Falls die Einführungsvorträge von Friedrich im kommenden Jahr nicht mehr gehalten werden dürften, brächte dies sicherlich einen Aufschrei bei den Wagner-Anhängern in aller Welt. Ganz zu schweigen davon, dass ein bekannter und anerkannter Wagner-Kenner wie Friedrich mit seinen Vorträgen sicher auch finanziell potentere Festspielgäste ansprechen könnte, die dann vielleicht auch mit einer Spende beispielsweise die auf den Weg gebrachte Erweiterung des Ri chard-Wagner-Museums unterstützen könnten.

Gleiches gilt auch für Vorträge über Richard Wagner, die Friedrich bisher außerhalb der Festspielzeit bei vielerlei Gelegenheiten vor in der Regel illustrem und fachkundigem Publikum, wie den Richard-Wagner-Verbänden, hält. Ganz zu schweigen davon, was wohl Auftraggeber denken, die Friedrich für einen Vortrag anfordern wollen und dann hören, er müsse als Museumsdirektor neuerdings erst die Oberbürgermeisterin um Genehmigung fragen.

Normalerweise gibt es ein Budget

Normalerweise ist es bei vergleichbaren musealen Einrichtungen üblich, dass die Direktoren ein Budget zur Verfügung haben, das sie nach eigener Einteilung und Prioritätensetzung für Fachvorträge und Dienstreisen nutzen können. Insgesamt kann angesichts der Umstände davon ausgegangen werden, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Oberbürgermeisterin und Friedrich wohl nur noch schwerlich möglich sein wird. Dass dies die Betreuung der Bayreuther Museumslandschaft gerade im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 massiv beeinträchtigen dürfte, ist klar.

Im Gegensatz zu manchen Auseinandersetzungen der vergangenen Monaten, die eher unter dem Oberbegriff "Provinzposse" abgeheftet werden können, läuft die Stadt im Falle Friedrich wohl durchaus Gefahr, einen ernsthaften Imageschaden zu erleiden. Schließlich ist Richard Wagner das zentrale Pfund, mit dem die Stadt Bayreuth eigentlich wuchern müsste und gerade während des Wagner-Jubiläumsjahres 2013 steht die Stadt weltweit im Fokus zumindest der Freunde klassischer Musik.

Dass das von Pleiten, Pech und Pannen geprägte Gesamtbild, das die Stadt seit einiger Zeit im kulturellen Bereich abgibt, nicht dazu angetan sein dürfte, wirkliche Spitzenkräfte nach Bayreuth zu locken, dürfte auch klar sein. Friedrich selbst befindet sich derzeit im Krankenstand und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Am morgigen Montag wird sich übrigens auch der Kulturausschuss des Bayreuther Stadtrates mit dem Richard-Wagner-Jubiläum befassen.

Was kostet das Jubiläumsprogramm?

Auf dem Programm steht ein Antrag der Fraktion Junges Bayreuth/FDP, in dem wenige Wochen vor Beginn der Veranstaltungen die Vorlage einer bislang noch fehlenden Gesamtschau der für das Jubiläumsprogramm benötigten finanziellen Mittel gefordert wird.

Im Kulturausschuss wird hierzu am Montag der städtische Kulturbeauftragte für Musik und Theater, Nicolaus Richter, informieren. Gegenüber dem Bayreuther Sonntag betonte Richter, dass das Jubiläumsprogramm unter dem Titel "Bayreuth 2013 - Da steckt Wagner drin" im Juli von Oberbürgermeisterin Merk-Erbe vorgestellt worden sei.

Das Gesamtpaket zum Wagner-Jubiläumsjahr kostet rund vier Millionen Euro. Abzüglich der Zuschüsse verbleibt ein von der Stadt zu tragender Eigenanteil, der die vorgegebene Maximalsumme von 1,5 Millionen Euro nicht überschreiten werde.