In Mistelbach im Kreis Bayreuth hat sich am Sonntag (9. Januar 2022) eine blutige Gewalttat ereignet. Wie das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth mitteilten, wurden im Keller eines Wohnhauses zwei Leichen gefunden. 

Anwohner hatten kurz nach Mitternacht Hilferufe aus dem Nachbarhaus gehört und einen Notruf abgesetzt. Einsatzkräfte der Bayreuther Polizei fanden bei ihrer Ankunft im Keller des Einfamilienhauses zwei leblose Personen. Dabei handelte es sich um das dort wohnhaft Ehepaar, eine 47-jährige Frau und ihr 51-jähriger Ehemann. Beide hatten Stichverletzungen. Mittlerweile sitzt ein 18-Jähriger in Untersuchungshaft.

Update vom 17.01.2022, 11.51 Uhr: Welche Strafe droht dem mutmaßlichen Täter?

Derzeit laufen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den mutmaßlichen 18-jährigen Täter, der sich in Untersuchungshaft befindet. Leitender Oberstaatsanwalt Martin Dippold von der Staatsanwaltschaft Bayreuth erklärt in einem Gespräch mit inFranken.de, welche Strafe ihm bei einer Verurteilung droht.

"Der Tatverdächtige ist heranwachsend. Wenn es zur Anklage kommt, wird die Jugendkammer des Landgerichts entscheiden müssen, ob Erwachsenenrecht oder Jugendrecht zur Anwendung kommt. Falls Jugendrecht zur Anwendung kommt, wäre die Höchststrafe zehn Jahre und bei Erwachsenenrecht lebenslange Freiheitsstrafe."

Ob der Tatverdächtige wie ein Jugendlicher zu behandeln sei, werde mittels einer Bewertung seiner Tat und Persönlichkeit entschieden. Wenige Stunden nach der Tat hatte sich der 18-Jährige der Polizei gestellt und widerstandslos festnehmen lassen. Vor dem Ermittlungsrichter habe er aber laut Rechtsanwalt Hilmar Lampert keine Angaben gemacht. 

Update vom 14.01.2022, 13.26 Uhr: Partner des Getöteten berichtet über Praxiseröffnung und besonderes Geschenk

Gemeinsam mit seinem Kollegen Gerald Hofner wollte der getötete Kinderarzt Stefan S. in Bayreuth eine neue Praxis eröffnen. Vier Tage nach seinem Tod, am Donnerstag (13. Januar 2022), eröffnete Hofner schweren Herzens und begleitet von großem Medienandrang schließlich ohne seinen Partner das neue Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. 

Betroffen schreibt Hofner am Abend nach der Eröffnung auf Twitter: "Wisst ihr, was ich von meinem getöteten Praxispartner zu Weihnachten bekommen habe? Die Erstausstattung zur Praxiseröffnung für unser neues Zentrum. Zielband, Schere, Champagner und 2 (!) Sektgläser. Heute war die Eröffnung dann eine andere. Trotz der Medienvertreter."

Technisch habe die Eröffnung geklappt. "Wir funktionieren", schreibt er am Tag danach. "Aber das Herz war überfordert von dieser 'Schizophrenie', die das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, mit einem eigentlich wunderschönen Ereignis zusammenbringen sollte." Vor der Zusammenlegung betrieb Hofner mit Stefan S. in Neudrossenfeld eine Kinderarztpraxis. Dieser Standort bleibe bestehen, heißt es auf der Webseite des neuen Zentrums med4kidz. Das Ärzteteam werde die "Herzlichkeit und die Leidenschaft" von Stefan S. weiterleben lassen, schreiben seine Kolleg*innen. "So wie er es selber wollte."

Update vom 13.01.2022, 13.21 Uhr: Kinder wurden zu Vollwaisen - so geht das Bayreuther Jugendamt vor

Die vier minderjährigen Kinder sind durch den mutmaßlichen Mord an ihren Eltern zu Vollwaisen geworden. Die Leiterin des Bayreuther Jugendamtes Margit Spies klärt in einem Gespräch mit inFranken.de darüber auf, was mit Kindern in solch einer Situation passiert. Aufgabe des Gerichts sei es, einen Vormund zu bestellen. "Wenn das Kind momentan keinen Platz hat, wo es sicher bleiben kann, wird es vom Jugendamt in Obhut genommen", schildert Spies. Dann werde in Zusammenarbeit mit dem Vormund entschieden, wie es weiter geht.

"Im Rahmen der Inobhutnahme wird alles getan, was zum Kindeswohl erforderlich ist", betont sie. Dazu gehöre natürlich auch therapeutische Hilfe. Um die Unterbringung zu klären, werde geschaut, ob eventuell Verwandte in der Lage sind und sich zutrauen, die Kinder aufzunehmen. Hierbei werde genau geklärt, "was das einzelne Kind braucht und wie man es umsetzen kann."

Pflegefamilien seien eine weitere Möglichkeit, Jugendhilfe zu leisten. Wohngruppen kämen für ältere Kinder in Frage. Ob die Geschwister zusammen untergebracht werden, oder nicht, werde im Einzelfall entschieden. Wenn der Freund des geschädigten Kindes der tatverdächtige Mörder der Eltern ist, wie im Fall Mistelbach, werde das Kind nicht pauschal getrennt von seinen Geschwistern untergebracht. 

Update vom 12.01.2022, 14 Uhr: "Kinderarzt mit Herz" - Blog zeigt, wie Stefan S. über Familie dachte 

Die Trauer um den getöteten Kinderarzt Stefan S. und seine Ehefrau, die mit ihren vier Kindern in einem Haus in Mistelbach lebten, ist groß. Unsere Redakteurin ist nur wenige Meter vom Tatort entfernt aufgewachsen und berichtet von der Stimmung im Dorf. In den sozialen Medien, insbesondere unter einem Facebook-Post seiner Gemeinschaftspraxis, die auch das Motto "Kinderarzt mit Herz" trug, sammeln sich seit Montag Beileidsbekundungen, aber auch persönliche Erinnerungen an den 51-Jährigen. "Er war der beste Kinderarzt, den es gab, meine Kinder haben ihn geliebt und sind so gerne zu ihm gegangen, ein einfühlsamer, lieber und herzlicher Mensch", schreibt etwa eine Mutter. 

Noch immer ist unklar, wie die grausame Tat in der Nacht auf Sonntag genau ablief. Spekulationen über eine mögliche Beteiligung der Tochter hatten Staatsanwaltschaft und Polizei zurückgewiesen, Medienberichte eines gemeinsamen Versuchs des 18-Jährigen und seiner Freundin, das Auto der Eltern nach der Tat zu stehlen, hatte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bayreuth auf Anfrage von inFranken.de nicht bestätigt.

Stefan S. selbst betrieb mit seinem Praxiskollegen einen Blog, in dem er regelmäßig zu medizinischen Themen, aber auch zu Kindererziehung und seiner Sicht auf Familie schrieb. So war er laut der Website Fan des dänischen Pädagogen Jesper Juuls. Er forderte, jungen Menschen in der Pandemie aufmerksamer zuzuhören und Eltern auf, sich gegen Corona impfen zu lassen. "Wir sind es Ihnen schuldig", schrieb S. in einem Beitrag im Dezember. 

Getöteter Kinderarzt berichtete von täglich "locker 12 bis 14 Stunden" Arbeit 

Nur wenige Wochen vor seinem Tod berichtete S. auch von seinem Arbeitsalltag - mit "locker 12 bis 14 Stunden" täglich - und bedankte sich "herzlich" bei geduldigen Eltern, die vor allem wegen Corona länger auf Termine warten mussten.

Sich selbst beschrieb der 51-Jährige als "Vater von 4 aufgeweckten Kindern", der "den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut" kenne. Besonders der Umgang mit schwer kranken Kindern beschäftigte ihn nach eigenen Aussagen auch persönlich. 

"Ärzte sind keine Übermenschen. Es gehört zur ärztlichen Tätigkeit aber schon dazu, daß man Patienten auch in Gedanken mit nach Hause nimmt und einen die Schicksale der Patienten bewegen", heißt es in einem Beitrag des getöteten Familienvaters aus Mistelbach. Kraft zur Verarbeitung hätten ihm "Familie bzw. Menschen, die einen stützen und für gute Gespräche da sind, Glaube, Zeit für Reflexion, Sport, Musik, Kunst, Hobbys und sonstiger Ausgleich" gegeben. 

Update vom 11.01.2022, 17.45 Uhr: Anwalt des mutmaßlichen Doppelmörders gibt Statement ab 

Der Verteidiger des 18-jährigen Verdächtigen im Fall des mutmaßlichen Doppelmords in Mistelbach hat sich in einem Statement zu den Vorwürfen gegenüber seinem Mandanten geäußert, das inFranken.de vorliegt.

"Mein Mandant hat im Rahmen seiner ersten polizeilichen Vernehmung bei der Kriminalpolizei Bayreuth am 09.01.2022 eingeräumt, in den Morgenstunden des Sonntags in einem Anwesen in Mistelbach zwei Personen durch Stichverletzungen getötet zu haben", so Rechtsanwalt Hilmar Lampert. Er sei "zu Fuß vom Tatort geflüchtet" und sich später in Bayreuth der Polizei gestellt. Bei dem 18-Jährigen seien nach der Tat Verletzungen festgestellt worden, die "ärztlich behandelt" worden seien.

Vor dem Ermittlungsrichter habe der - laut Polizei - Freund der ältesten Tochter der Opferfamilie am Montag - im Gegensatz zu seiner polizeilichen Vernehmung am Sonntag - "keine Angaben gemacht", so Lampert. Weitere Fragen, darunter zu Gerüchten um einen möglichen versuchten Autodiebstahl gemeinsam mit der Tochter der Getöteten - will der Anwalt "aufgrund des aktuellen Ermittlungsstandes" nicht beantworten, heißt es. 

Update vom 11.01.2022, 13.35 Uhr: Weitere grausame Details bekannt - Staatsanwaltschaft geht von Doppelmord aus 

Nach der Tötung eines Ärzteehepaars in einem Wohnhaus in Mistelbach (Landkreis Bayreuth) sind weitere grausame Details zur Tat in der Nacht auf vergangenen Sonntag bekanntgeworden. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken gegenüber inFranken.de mitteilt, geht die Staatsanwaltschaft Bayreuth von einem Doppelmord aus.

Der Mordverdacht rühre daher, "da davon ausgegangen wird, dass der Verdächtige die Opfer im Schlaf angegriffen, also heimtückisch gehandelt hat", so der Sprecher. Dies erfülle nach ersten Erkenntnissen die Mordmerkmale der Heimtücke und der Arglosigkeit der Opfer. Der Kinderarzt und seine Frau, ebenfalls Ärztin, waren im Keller des Anwesens gefunden worden, wo sich wohl auch ihr Schlafzimmer befindet. 

Der 18-jährige Tatverdächtige befand sich nach aktuellem Ermittlungsstand mit der ältesten Tochter der Familie in einer Beziehung. Er wurde am Montagnachmittag dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl beantragte. Mittlerweile sitzt der mutmaßliche Täter in einer Justizvollzugsanstalt, "in der speziell Jugendliche untergebracht sind", wie der Polizeisprecher erklärt. Bei Twitter schrieb der Arzt, der gemeinsam mit dem Opfer in Neudrossenfeld eine Kinderpraxis betrieb, "es laufen die Tränen wie ein Strom". Und wünscht sich von seinem toten Kollegen: "Kuck uns von oben zu". 

Update vom 10.01.2022, 17.00 Uhr: Trauer um getöteten Kinderarzt und Ehefrau - Kerzen vor Wohnhaus

Der Schock in der kleinen Gemeinde Mistelbach sitzt tief, wie Reporter von News5 von vor Ort berichten. Nachbarn und Angehörige könnten nicht begreifen, wie es zu dieser grausamen Tat kommen konnte. Aus Anteilnahme seien Kerzen, Blumen und bemalte Steine vor das Haus gelegt worden. Auch ein Schild, das mit der Frage "Warum???" versehen ist, sei von einem Nachbarskind abgelegt worden.

Auch in der Arztpraxis in Neudrossenfeld (Landkreis Kulmbach), in der der getötete Familienvater zuletzt tätig war, wird getrauert. Nach Stationen in Bayreuth und Nürnberg hatte sich der Mediziner dort in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen.

"Mein herzlichstes Beileid. Er war ein sehr sympathischer Mensch und ein wundervoller Arzt. Er wird von den Kindern schrecklich vermisst werden. Viel Kraft für Sie, dem Praxisteam und vor allem allen Angehörigen", schreibt etwa eine Nutzerin unter einem Facebook-Post der Praxis im Kreis Kulmbach. 

Update vom 10.01.2022, 14.41 Uhr: Nach Tötungsdelikt im Kreis Bayreuth - 18-Jähriger in Untersuchungshaft 

Der 18-Jährige, der am Sonntag (9. Dezember 2022) ein Ehepaar in Mistelbach (Landkreis Bayreuth) erstochen haben soll, wurde am Montagnachmittag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Er sitzt auf Antrag der Staatsanwaltschaft nun in Untersuchungshaft, wie das Polizeipräsidium Oberfranken mitteilt. 

Nach bisherigen Erkenntnissen sei der 18-Jährige der Freund der ältesten Tochter und habe deshalb die Nacht dort verbracht, so die Polizei weiter. Warum es zu einem "derartigen Gewaltausbruch" kam, sei weiterhin Gegenstand der kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Die vier minderjährigen Kinder des Ehepaars seien in verschiedenen Räumen des Hauses gewesen, als kurz vor 1 Uhr nachts Hilfeschreie auf die Straße gedrungen sein sollen. 

Die 47-jährige Frau und deren 51-jähriger Ehemann wiesen jeweils Stichverletzungen auf, so die Polizei. Der 18-Jährige stehe unter dringendem Verdacht, das Ehepaar in Mistelbach ermordet zu haben, heißt es. 

Update vom 10.01.2022, 10.30 Uhr: Nach mutmaßlichem Mord im Kreis Bayreuth - Polizei nennt neuen Ermittlungsstand

Der 18-Jährige, der verdächtigt ist, am Sonntag (9. Januar) ein Ehepaar aus Mistelbach im Kreis Bayreuth in ihrem eigenen Haus getötet zu haben, soll am frühen Nachmittag dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bayreuth vorgeführt werden. Derzeit befinde sich der mutmaßliche Täter noch bei der Kriminalpolizei, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, Matthias Potzel, gegenüber News5. 

Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass der 18-Jährige "Kontakt" zu der ältesten Tochter des Ehepaars, das insgesamt vier Kinder hat, die alle im Haus lebten, pflegte und deshalb dort übernachtete. Die Tochter habe nach der Erkenntnis der Polizei aber vermutlich nichts mit der Tat zu tun, so Potzel, man gehe "von einem allein handelnden Täter" aus. 

Zum Alter des Mädchens und zu der Wohnsituation der Kinder wollte sich die Polizei am Montagmorgen nicht äußern. Klar ist aber, dass alle Kinder zum Zeitpunkt der grausamen Tat an ihren Eltern im Haus waren. Diese werden nun vom Jugendamt betreut. Die Polizei hatte mit einem Großaufgebot nach dem Täter gefahndet. Der Verdächtige stellte sich "drei Stunden nach der Tat und ließ sich widerstandslos festnehmen", so Potzel. Der 18-Jährige wohne selbst auch im Kreis Bayreuth. 

Erstmeldung vom 09.01.2022: Totes Ehepaar im Kreis Bayreuth gefunden: Tatverdächtiger (18) stellt sich

Die Polizei fahndete zunächst mit einem Großaufgebot nach dem Tatverdächtigen. Gegen 4 Uhr stellte dieser sich schließlich selbst. Der 18 Jahre alte Mann wurde im Bayreuther Stadtgebiet festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Er sitzt laut Polizei derzeit in einer Polizeizelle.

In welchem Verhältnis der mutmaßliche Mörder zu der 47-Jährigen und dem 51-Jährigen stehe, werde zurzeit ermittelt, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmittag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es handele sich bei ihm nicht um ein Familienmitglied.

Der 18-Jährige soll am Montag vor einen Ermittlungsrichter kommen. Das Motiv und die Hintergründe der Tat sind nach Angaben der Polizei noch unklar.

Vier minderjährige Kinder im Haus

Die vier minderjährigen Kinder des Paares waren während der Tat im Haus. Wie viel sie mitbekommen haben, konnte der Polizeisprecher nicht sagen. Die Ermittler konnten diese aber schon befragen. Nun kümmert sich das Jugendamt um die vier Kinder.

Nach ersten Erkenntnisse hatte der 18-Jährige die Nacht bei dem Ehepaar verbracht. Weitere Details konnte der Polizeisprecher zunächst nicht nennen.

Mit Material von dpa