Beim "Tag der Franken" in Bayreuth hält ein Oberbayer die Laudatio auf einen Oberbayern - und übergibt ihm dann den "Frankenrechen". Was just eine Münchner Zeitung lustvoll monierte, ist Ausdruck des überbordenden fränkischen Vermögens zur Integration. Das jedenfalls dachten sich die fränkischen SPD-Landtagsabgeordneten, als sie mit dem Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, den gebürtigen Dachauer Michael Lerchenberg auszeichneten und als Redner Münchens Rathauschef Christian Ude gewannen.

Der designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl gratulierte im Ruinentheater der Eremitage den fränkischen Sozialdemokraten dazu, "einem Menschen nicht die Abstammung zum Vorwurf zu machen". Und er beglückwünschte die Partei zugleich zur Wahl des Preisträgers: Immerhin ist Michael Lerchenberg seit acht Jahren Intendant der Luisenburg-Festspiele und als solcher "ein Garant für unglaublichen Erfolg". Die Luisenburg sei seit Jahrzehnten ein Magnet für Kultur auf hohem Niveau, lobte Ude. Aber erst unter Lerchenbergs Leitung habe die Bühne die sagenhafte Auslastungsquote von 98 Prozent erreicht.

Als Schauspieler zeichne Lerchenberg "seine darstellerische Präzision aus", wie Ude sagte: egal, ob er "in unerträglich bigotter Weise" den Prälat Hinter im "Bullen von Tölz" mimt oder den ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, "dem Lerchenberg ähnlicher geworden ist als Stoiber selbst".

"Jetzt bin ich wohl so etwas wie Franke honoris causa", bedankte sich Lerchenberg für den Preis. Seine erste Fahrt nach Wunsiedel habe 1970 noch der Münchner Ableger des Deutschen Alpenvereins organisiert. "Ich habe damals als Schauspielnovize von der Seite auf die Bühne gelinst. Hätte nie geahnt, dass ich zehn Jahre später dort mein erstes Engagement haben und Jahrzehnte später die Leitung innehaben würde." Froh sei er, dass sich durch den Straßenausbau die Erreichbarkeit der Luisenburg in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe. "Da geht es mir offenbar besser als meiner Bayreuther Kollegin" - ein Seitenhieb Lerchenbergs auf die jüngsten Äußerungen von Katharina Wagner, die ihren Urgroßvater für die "Abgelegenheit Bayreuths" verfluche, damit aber auf die schlechte überregionale Bahnanbindung der Wagnerstadt angespielt habe. Lerchenbergs Bonmot dazu: "Wunsiedel selber hat im Stadtkern nicht mal einen Bahnhof."