"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." Worte, mit denen Karl-Theodor zu Guttenberg vor genau einem Jahr seine Rücktrittserklärung als Verteidigungsminister einleitete. Nicht vor der Bundespressekonferenz, sondern vor einigen handverlesenenen Journalisten im eigenen Haus.Und er begründete damals seinen Schritt weiter damit, er könne es nicht mehr verantworten, dass die Plagiatsaffäre auf dem Rücken der Bundeswehrsoldaten ausgetragen werde. Ein Eingeständnis eigener Fehler gab es nicht.

Vorausgegangen war ein mehrwöchiger öffentlicher Disput über Guttenbergs Dissertation, die offenkundig in weiten Teilen schlicht abgeschrieben war. Zuletzt hatten insbesondere Wissenschaftler immer empörter auf die Relativierungsversuche des Politikers reagiert. Am Ende legte zu Guttenberg alle politischen Ämter nieder. Zum Leidwesen der CSU, die sich von dem smarten Publikumsliebling einen neuen Aufschwung erhofft hatte. Guttenberg zog sich zurück. Wenige Monate später wurde bekannt, dass er mit seiner Familie in die USA übersiedeln werde, wohl um eine längere politische Auszeit zu nehmen.

Acht Monate nach der Rücktrittserklärung gab es erste Interviews in den USA, Seitenhiebe auf seine früheren CSU-Freunde und die Buchveröffentlichung "Vorerst gescheitert". Die erfolgte unmittelbar nach Abschluss der Ermittlungen der Hofer Staatsanwaltschaft, die Guttenberg strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen in 23 Fällen attestiert hatte. Die weiteren Ermittlungen waren gegen die Zahlung von 20.000 Euro eingestellt worden.


Unverständnis in der Öffentlichkeit



Auf die neuen Vorstöße reagierte die deutsche Öffentlichkeit mehrheitlich mit Unverständnis. Auch die eigenen Parteifreunde fühlten sich brüskiert, zumal der Baron vorübergehend an die Gründung einer eigenen Partei dachte.

Inzwischen kümmert sich Karl-Theodor zu Guttenberg bei der EU-Kommission in Brüssel um die Internetnutzer in autoritär regierten Ländern. Unentgeltlich, wie die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes bestätigt. Und sie wies mit Blick auf Guttenbergs jüngste Vergangenheit darauf hin, sie suche Talente und keine Heiligen.
Wie stehen die früheren Parteifreunde inzwischen zu Karl-Theodor zu Guttenberg?

Für den Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, dereinst Guttenbergs Gegenkandidat im Ringen um den oberfränkischen CSU-Bezirksvorsitz, ist Guttenbergs Rückzug immer noch ein schmerzlicher Verlust. Über dessen mögliche Rückkehr in die Politik wollte er jedoch nicht spekulieren. Man solle ihm in den USA Zeit lassen, zu sich zu finden und sich zusammen mit seiner Familie neu zu orientieren. Andere fränkische CSU-Politiker geben sich noch vorsichtiger. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann etwa. Dessen Sprecher Oliver Platzer verwies nur darauf, dass sich Herrmann zur Causa Guttenberg nicht äußern werde. Auch nicht Markus Söder, wie seine Pressesprecherin erklärte.

Anfang Januar unterbreitete allerdings Parteichef Seehofer Guttenberg das Angebot, relativ schnell auf die politische Bühne zurückzukehren. Der sagte jedoch ab. Er wolle auf lange Sicht in Deutschland nicht mehr öffentlich auftreten, sich allenfalls als politisch denkender Mensch gelegentlich zu außenpolitischen Themen äußern. Inzwischen bestätigen Umfragen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg gut daran tut, noch etwas länger Gras über die Plagiatsaffäre wachsen zu lassen. Einer Meinungsumfrage des Instituts YouGov zufolge, sprachen sich 51 Prozent der Befragten gegen eine Rückkehr Guttenbergs in die Politik aus. Nur 34 Prozent waren dafür.