Wenige Wochen vor der Premiere muss die Festspielleitung in Bayreuth einen neuen "Parsifal"-Dirigenten suchen. Mitten in der Probenzeit verließ der Lette Andris Nelsons, der in diesem Jahr als Dirigent der Wagner-Oper die Festspiele eröffnen sollte, den Grünen Hügel.

"Wir - und gerade auch Katharina Wagner - haben uns in den letzten zwei, drei Tagen sehr darum bemüht, ihn zurückzuholen", sagte der Sprecher der Festspiele, Peter Emmerich, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Doch die Festspielleitung musste sich geschlagen geben. "Das gilt erst einmal nur für dieses Jahr." Für die Zukunft gebe es noch Hoffnung.

"Leider haben die Umstände bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen Andris Nelsons nicht die Atmosphäre ermöglicht, die er für seine künstlerische Arbeit benötigt", hieß es in einer Mitteilung der Festspiele zu den Gründen der Vertragsauflösung dreieinhalb
Wochen vor der Eröffnung am 25. Juli. Man habe der Bitte "mit Bedauern" zugestimmt.

Unterschiedliche Auffassungen in verschiedenen Angelegenheiten hätten zu einer Atmosphäre geführt, die für alle Beteiligten nicht angenehm gewesen sei, ließ das Management von Nelsons verlauten. Weitere Kommentare wollten weder die Festspiele noch der Dirigent abgeben.

Mehrere Medien berichteten von einem Streit zwischen Nelsons und dem Bayreuther Musikdirektor Christian Thielemann. Aus dem Festspielhaus hieß es zudem, auch das in diesem Jahr verstärkte Sicherheitskonzept könnte eine Rolle gespielt haben.

Rund um die Festspiele hatte es immer wieder Eklats gegeben. So musste etwa 2014 der Skandalkünstler Jonathan Meese gehen, der mehrfach verurteilt wurde, weil er bei Performances den Hitlergruß zeigte. 2012 traf es den Sänger Evgeny Nikitin - wegen eines Tattoos, das wie ein Hakenkreuz aussah.