Am La-Spezia-Platz in Bayreuth haben sich am Samstag (17. Dezember) rund 200 Menschen getroffen, um gegen die Abschiebung nach Afghanistan zu protestieren. Der Demonstrationszug führte zunächst vor das Gebäude der Regierung von Oberfranken in der Ludwigstraße zu einer kurzen Kundgebung. Dann ging es in einer Schleife über die Friedrichsstraße in die Maxstraße bis zur Abschlusskundgebung am Sternplatz. Dort meldeten sich auch Afghanen zu Wort und berichteten von ihren Ängsten, zurückkehren zu müssen. Ein 16 Jahre alter Afghane erzählte etwa, er habe beide Eltern im Krieg verloren und sich deshalb vor zwei Jahren auf die Flucht begeben. "Ich bin nicht für Geld gekommen. Sondern für Frieden", spricht er ins Mikrofon.

Am vergangenen Mittwoch war das erste Flugzeug mit 34 Afghanen aus Deutschland in Kabul gelandet. Seitdem fürchten auch die in Bayreuth lebenden Afghanen, in ihr Heimatland abgeschoben zu werden; darunter Karim Karimi, der im Integrationsbeirat der Stadt Bayreuth tätig ist.

Zwar wurde Afghanistan als sicheres Herkunftsland eingestuft, doch ist die tatsächliche Sicherheitslage sehr umstritten. Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Afghanistan dringend ab, meldet hohe Sicherheitsrisiken und massive Menschenrechtsverletzungen. Auch die evangelische Kirche sieht die Entscheidung kritisch. So hat die evangelische Gemeinde im unterfränkischen Haßfurt einem 22 Jahre alten Afghanen Kirchenasyl gewährt, und ihn damit vor der am Mittwoch durchgeführten Sammelabschiebung bewahrt. Die dortige Pfarrerin Otminghaus sagte dem evangelischen Pressedienst (epd), es sei schockierend, dass Afghanistan zum sicheren Herkunftsland erklärt wurde, obwohl dort Krieg herrsche. Sie ist damit auf einer Linie mit der bayerischen evangelischen Landeskirche, die "eine umgehende Überprüfung der Rückführungspolitik und die Aussetzung der Abschiebungen gefordert" habe, wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm dem epd erklärte.

Organisiert und angemeldet wurde der Protestzug in Bayreuth vom Aktionsbündnis "KUnterBunT". Es setzt sich aus Menschen aus den Städten und Landkreisen Bayreuth und Kulmbach zusammen. Gegründet wurde das Bündnis im Jahr 2011 gegen Rechtsradikale in der Region. Seit 2014 setzt es sich auch gegen die Verschärfung der Asylpolitik in Deutschland ein.