Bayreuther Sonntag: Seit mehr als 30 Jahren sind Sie als Bauträger für den gewerblichen Bereich und für private Bauherren tätig. Wie kamen Sie zum selbstständigen Unternehmertum? Die Baubranche ist hart umkämpft und nicht wenige Ihrer Berufskollegen mussten in dieser Zeit bereits aufgeben!
Gerhard Müller: Bevor ich Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth mbH wurde, ar beitete ich einige Jahre im Vertrieb eines Bauträgers. Erworbene Marktkenntnisse nutzte ich zur Beratung meiner Kunden und stellte fest, dass ihre Vorstellungen oftmals nicht mit dem Angebot meines Arbeitgebers übereinstimmten. Bei der Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth sah ich bessere Chancen, at traktive Bauprojekte mit zu entwickeln und zu gestalten. Ich nahm deshalb die Herausforderung an und wurde ab Juli 1977 Geschäftsführer. Gesellschafter waren zu der Zeit zwei Berliner Immobilienkaufleute. 1987 übernahm ich dann 50 Prozent der Unternehmensanteile und wurde so Geschäftsführender Gesellschafter. Heuer am 1. Juli feierte ich mein 35-jähriges Firmenjubiläum. Im Rückblick habe ich mehr als 3.000 Wohneinheiten gebaut. Wenn man sich am Markt behaupten will, muss man hartnäckig sein und Ziele konsequent verfolgen.

Bayreuther Sonntag: Auf welches Ihrer Projekte sind Sie besonders stolz?
Gerhard Müller: Das erste Projekt der Wohnungsbaugesellschaft Bayreuth war der Bau der Wohnanlage "Schlosshof Birken". Bis 1978 wurde auf dem Gelände rund um das Schloss Birken, das in Privatbesitz war, eine Gärtnerei betrieben. Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass sich dort eine attraktive Wohnanlage verwirklichen lässt. Bekanntlich lag ich damit auch richtig. Die halbkreisförmige Zeile von Wohnhäusern, die hier entstanden ist, fand sofort eine ausreichende Anzahl von Käufern, so dass das Projekt in Angriff genommen und zügig realisiert werden konnte. Bis heute sind die Gebäude wegen ihrer Anordnung und Lage sehr beliebt.

Bayreuther Sonntag: Welches Gebäude würden Sie heute anders planen?
Gerhard Müller: Kein einziges. Wir als Bauträger realisieren nur Objekte, die durchdacht, umfassend vorbereitet sind und von denen ich auch überzeugt bin. Das beginnt schon bei der Grundstücksauswahl, wo ich nach bestimmten Prinzipien vorgehe. Privaten Wohnungsbau realisiere ich grundsätzlich nur auf innerörtlichen Lagen. Angesichts der Auswirkungen des demografischen Wandels muss es aus meiner Sicht für zukünftiges Wohnen lauten: "Zurück in die Stadt- und Ortszentren!". Unter diesen Gesichtspunkten wurden bereits unsere Wohnanlagen "Kastanienhain", "Dürerhof" und "Rosepark" geplant und verwirklicht. Bevor ich mich für ein Baugrundstück entscheide, sehe ich mir das Gelände zu unterschiedlichen Tageszeiten oder manchmal auch Jahreszeiten an, erkunde unterschiedlichen Verkehrslärm oder wie Sonne und Schatten sich bei unterschiedlicher Gebäudeausrichtung abwechseln. Ich bereite meine Projekte so gründlich vor, dass ich im Nachhinein sagen kann, ich würde genauso wieder bauen.

Bayreuther Sonntag: Haben sich Geschmack und Anforderungen der Käufer in den letzten Jahren verändert?
Gerhard Müller: So viel hat sich da gar nicht verändert. Die Zwei-, Drei- oder Vierzimmer-Wohnungen sind immer noch etwa 60, 80 oder 100 Quadratmeter groß. Was sich verändert hat, ist die Vorstellung, wo man gerne wohnen möchte. Die Nachfrage nach Wohnungen in den inneren Stadt- oder Ortsbereichen steigt. Man möchte wieder dort wohnen und leben, wo man auch einkaufen und ausgehen kann, wo ein Arzt erreichbar ist, öffentlicher Personennahverkehr vorhanden ist, wo die Nahversorgung gesichert ist und wo die Familie nur noch ein oder vielleicht gar kein Auto mehr benötigt. Der Anstieg der Treibstoffpreise hat dieses Umdenken beschleunigt. Diese Entwicklung nach Innen hin bestätigt meinen Grundsatz: Das Hauptkriterium bei der Auswahl einer Immobilie ist die Lage und nochmals die Lage! Wem nützt ein architektonisch hochwertiges Wohnprojekt, wenn es am falschen Ort ohne entsprechendes Umfeld entsteht.

Bayreuther Sonntag: Wie bewerten Sie das Wohnraumangebot in Bayreuth? Was fehlt? Was ist hervorzuheben?
Gerhard Müller: Selten sind sich Immobilienwirtschaft und Mieterbund so einig. In Deutschland gibt es immer weniger bezahlbare Mietwohnungen - mit dramatischen Folgen. Das ist auch in Bayreuth so, wenn auf diesem Sektor nicht mehr gebaut wird. Die Entwicklung ist alarmierend und wird wohl zu einer gewissen Wohnungsnot bei einzelnen Bevölkerungsgruppen führen. Ich kann das sehr gut bei unseren eigenen Projekten erkennen, die Mehrzahl der verkauften Wohnungen wird nämlich mittlerweile von den Erwerbern selbst genutzt. Die wenigeren werden als Mietobjekt gekauft. In den vergangenen Jahren vermisste ich hier in Bayreuth Impulse bei den kommunal Verantwortlichen. Früher gab es regelmäßige Treffen zwischen Bauträgern, Stadtverwaltung und Oberbürgermeister. Man tauschte Erfahrungen und Bedarfsermittlungen aus und stellte innovative Ideen und Konzepte zur Diskussion. Das Resultat eines solchen Austausches war beispielsweise die Wohnanlage mit 28 Wohnungen in der Spitzwegstraße. Derzeit entsteht eine Verknappung im Angebot von Mietobjekten, da in den vergangenen Jahren am Bedarf vorbei geplant wurde, das heißt, Neubautätigkeiten dazu finden kaum noch statt. Das kann zum Problem werden. Was nützen zusätzlich geschaffene Arbeitsplätze, wenn Wohnungen mit einem entsprechenden Umfeld fehlen.

Bayreuther Sonntag: Sie entwickeln auch Projekte für gewerbliche Kunden?
Gerhard Müller: 1989/1990 kam der private Wohnungsbau fast völlig zum Erliegen, weil sämtliche Investoren mit staatlichen Förderungen kalkulierten, die es für Wohnprojekte in den neuen Bundesländern gab. Aus Sorge um mein Unternehmen begann ich deshalb auch Industrieprojekte, speziell den Bau von Supermärkten, zu realisieren. Heute bin ich ziemlich stolz, wenn ich gute Umsatzzahlen des einen oder anderen von mir gebauten Supermarktes höre, was auch bestätigt, den jeweiligen Le bensmittelmarkt an der richtigen Stelle geplant zu haben.

Bayreuther Sonntag: Welche Vorzüge muss Ihr privates Traumhaus haben?
Gerhard Müller: Meinen Haustraum habe ich mir bereits erfüllt und zwar in Seulbitz, getreu meinem Motto, stadtnah! Es kommt nicht auf die Größe eines Wohngebäudes an, sondern auf den Wohlfühlfaktor. Der bevorzugte Aufenthaltsbereich in einem Haus oder einer Wohnung reduziert sich meist auf ganz bestimmte Orte, zum Beispiel eine gemütliche Ecke zum Sitzen in der Küche, vor dem Kamin oder auf der Terrasse - in meinem Fall mit einem reizvollen Blick auf den Sophienberg. Wenn die Grundvoraussetzungen stimmen, dann wird ein Haus zum Wohlfühlheim, in dem man Ruhe und Kraft findet.