Nach heftiger politischer Debatte hat die umstrittene israelkritische US-Bürgerrechtsgruppe "Code Pink" den Bayreuther Toleranzpreis erhalten. "Die Verleihung war und ist umstritten", räumte Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe am Freitagabend bei der Festveranstaltung ein. "Eine Preisverleihung, die nur gefallen will, läuft Gefahr, als nette Geste, als Dekoration empfunden zu werden."

Für "Code Pink" kündigte Mitglied Ann Wright an, dass die Gruppe mit dem Preisgeld von 10.000 Euro ein europäisches Symposium zum Thema "Der Unterschied zwischen Kritik am Staat Israel und Antisemitismus" sponsern wolle.

Vor der Verleihung des "Wilhelmine-von-Bayreuth-Preises" für Toleranz und Humanität demonstrierten 15 Menschen gegen die Würdigung von "Code Pink", wie der Organisator des Protests, Günter Beck-Mathieu, mitteilte. Er ist Chef der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bayreuth.
Sie hatte - wie einige andere auch - den Bürgerrechtlerinnen Israelfeindlichkeit vorwerfen. Diese weisen den Vorwurf zurück und betonen, sie seien nicht israelfeindlich und hätten nie das Existenzrecht des Staates Israel geleugnet. Die Nicht-Regierungs-Organisation (NGO), die zum Beispiel vor zwei Jahren bereits den Aachener Friedenspreis erhielt, beschreibt sich als von Frauen getragene Friedens- und Bürgerrechtsorganisation - und als israelkritisch.

Vor der Veranstaltung zeigten auch rund 15 Sympathisanten von "Code Pink" Flagge. Sie waren zum Teil eigens aus Nürnberg angereist.

Die Entscheidung der Stadt für die Preisträger hatte heftige Diskussionen ausgelöst. Neben anderen hatte der israelische Botschafter in Deutschland Entsetzen geäußert, die Oberbürgermeisterin Merk-Erbe wollte die Verleihung sogar stoppen. Der Stadtrat aber setzte sich gegen sie durch - und entschied sich für "Code Pink" als Preisträger.

Die Laudatio hielt der evangelische Dekan Hans Peetz. Er sagte: "Als Bürger dieser Stadt Bayreuth halte ich Angriffe gegen unsere Stadt, sie sei durch diese Preisverleihung zu einer Hochburg des modernen Antisemitismus geworden, für abwegig."