Eine Förderung von 285.000 Euro erhalten die Bayreuther Professoren Klaus Ersfeld und Matthias Weiss für ihre Forschung im Zusammenhang mit dem Erreger der Afrikanischen Schlafkrankheit. Das Projekt sei eingebettet in ein Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Physik des Parasitismus, wie die Universität Bayreuth erklärt.

Fortschritte in der Zell- und Molekularbiologie hätten bereits zu "tiefen Einblicken in die mannigfaltigen Wechselwirkungen zwischen Parasiten und ihren Wirten geführt". Über die physikalischen Aspekte dieser meist ungewollten Liaison, etwa die Fortbewegung von Parasiten als Mikroschwimmer im Blutstrom des Wirtstieres, sei hingegen noch deutlich weniger bekannt.

Ein "quantitatives Verständnis dieser Aspekte", etwa, welche internen Veränderung im Parasiten zu welchen Änderungen im Schwimmverhalten führen, sei besonders wichtig, um das Verhalten von Parasiten im Wirtskörper letztlich beurteilen oder gar verändern zu können. Durch Kombination moderner biologischer und physikalischer Methoden, wolle man "den Antriebsmechanismus und die Verformbarkeit des Erregers der Afrikanischen Schlafkrankheit" erforschen.

Ersfeld und Weiss beschäftigten sich in ihrer Forschung mit Trypanosoma brucei, dem Erreger der Afrikanischen Schlafkrankheit. Sie werde durch den Stich der Tsetse-Fliege auf Menschen und Tiere übertragen. Trypanosoma brucei sei ein einzelliger Parasit, der sich selbständig im Blutkreislauf des Wirts bewegen könne. Das Überleben dieses Erregers hänge entscheidend von der aktiven Bewegung und seiner Fähigkeit ab, in die Kapillaren des Blutkreislaufs seines Wirts zu gelangen. Das Verständnis des Antriebs und der Verformbarkeit des Parasiten sei daher enorm wichtig für die weitere Forschung.

Ersfeld und Weiss fokussierten ihre Forschung auf Veränderungen von Proteinen, die nach der Synthese von Proteinen in den Zellen stattfänden. Sie regulierten so die mechanischen Eigenschaften von Mikrotubuli, das seien filamentöse Proteinkomplexe innerhalb der Trypanosomen, die formgebend und essentiell für die Fortbewegung des Parasiten seien. Ersfeld und Weiss stellen laut Uni die Hypothese auf, dass PTM lebenswichtige Funktionen in Trypanosoma brucei beeinflussen, zum Beispiel ihre Fähigkeit, sich aktiv im Blut des Wirts zu bewegen. Durch Techniken wie Gen-Deletion, RNAi oder CrisprCas9 könne die DNA des Parasits manipuliert werden. Die nachfolgende Charakterisierung der physikalischen Konsequenzen dieser und anderer Veränderungen durch PTMs, etwa für die Schwimmfähigkeit und Verformbarkeit der Erreger, stehe im Mittelpunkt des Projekts der Bayreuther Professoren, das nun im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Physics of Parasitism" gefördert werde.