Auftakt und Applaus in Bayreuth: Am Sonntagabend (25.07.2021) haben in der oberfränkischen Stadt die Richard-Wagner-Festspiele begonnen. Nach einem Jahr Zwangspause startete das berühmte Festival mit einer Neuinszenierung der Oper «Der fliegende Holländer» – am Pult stand dabei erstmals in der Festspielgeschichte eine Frau, nämlich Oksana Lyniv aus der Ukraine. Prominentester Premierengast war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die kurz vor Beginn mit ihrem Mann Joachim Sauer vorfuhr. Die scheidende Regierungschefin wurde mit dem ersten Applaus des Abends begrüßt.

Obwohl die Schaulustigen nicht direkt vor das Festspielhaus kommen durften, hatten sich etwa 150 Menschen an den Gehwegen postiert, um einen Blick auf Merkel und Co. zu erhaschen.

Merkels Abschiedsbesuch als Kanzlerin in Bayreuth

Im schwarzen, langen Rock und im orange-farbenen Blazer schritt Merkel vor das Königsportal, wo Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sie erwartete. Statt Händedruck begrüßten sich die beiden Politiker corona-konform mit einer Verbeugung. Zugleich erklang vom Balkon oberhalb des Portals die erste Fanfare, die den baldigen Beginn der Aufführung anzeigte. Gutes Timing der Kanzlerin und des CSU-Chefs.

Es ist Merkels Abschiedsbesuch als Kanzlerin in Bayreuth. Ihre Amtszeit endet nach der Bundestagswahl im Herbst. Die Kanzlerin gilt als große Anhängerin von Wagners Werk und war regelmäßig in Oberfranken zu Gast.

Söder kam mit seiner Frau Karin, die ein dunkelblaues Kleid aus Spitzenstoff trug. Allzu außergewöhnlich waren die Roben in diesem Jahr nicht. Digitalministerin Dorothee Bär (CSU) hatte ein schimmerndes silbernes Kleid gewählt, Annett Hofmann, die Frau von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), trug ein langes Kleid in dunklem Pink.

Wagner-Festspiele in Bayreuth sind gestartet

Der rote Teppich, der sonst bei der Eröffnung ausgerollt wird, blieb in diesem Jahr im Depot, auch der Staatsempfang im Anschluss wurde abgesagt. Wegen der Corona-Einschränkungen dürfen in diesem Jahr 911 Menschen pro Vorstellung ins Haus, normalerweise sind es knapp 2000.

Vieles ist eben anders als sonst am Grünen Hügel zu Bayreuth, wo Tradition immer noch großgeschrieben wird. Wer ein Ticket für die Festspiele hat, muss sich zuvor registrieren, denn rein darf nur, wer komplett geimpft, genesen oder getestet ist.

Eindrücke von den Festspielen

Nach erfolgreicher Registrierung gibt es ein pinkfarbenes Bändchen fürs Handgelenk. Das passt natürlich nicht immer zu den feinen Abendroben. Aber auch eine FFP2-Maske ist ein ungewohntes Accessoire für einen Opernabend. Muss aber derzeit sein.  

Ungewohnte Bilder bieten sich auch neben dem Festspielhaus: Foodtrucks (Essenswagen) sind aufgebaut, um die Wartezeit zwischen Registrierung und Einlass zu verkürzen. Pastabox statt Hummerbratwurst – es wirkte wie ein kleiner Demokratisierungsschub am Grünen Hügel.

Programm der Bayreuther-Festspiele

Statt mit Küsschen oder Händedruck begrüßten sich die Wagnerianer mit freundlichem Kopfnicken, einer kurzen Faustberührung  - oder eben einer tiefen Verbeugung wie Merkel und Söder. 

Die Polizei zeigte viel Präsenz; es sei jedoch bislang alles planmäßig gelaufen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken kurz vor Beginn der Aufführung.

Am Montag gehen die Festspiele mit der Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» in der Inszenierung von Barrie Kosky weiter. Zum Programm gehört auch Tobias Kratzers «Tannhäuser». Andris Nelsons und Christian Thielemann werden Konzerte im Festspielhaus dirigieren.

Ursprüngliche Meldung: Bayreuther Festspiele starten - auch Angela Merkel unter Gästen

Nach einem Jahr Zwangspause geht es wieder los auf dem Grünen Hügel: Am Sonntag (18.00 Uhr) beginnen die Bayreuther Festspiele mit einer Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper «Der fliegende Holländer», die Geschichte schreiben wird.

Denn zum ersten Mal in 145 Jahren Festspielgeschichte wird eine Frau am Dirigentenpult von Bayreuth stehen: Die 43 Jahre alte Oksana Lyniv dirigiert die Oper, die von Regisseur Dmitri Tcherniakov inszeniert wird.

Auch Angela Merkel unter den Premierengästen auf dem Grünen Hügel

Dass sie das nicht vor traditionell vollem Haus tun wird, liegt an den Corona-Einschränkungen: Nur 911 Menschen dürfen dabei sein - sonst sind es etwa 2000. Ins weltberühmte Opernhaus darf nur, wer negativ getestet, komplett geimpft oder genesen ist. Zudem gilt: FFP2-Maskenpflicht.

Auch der ebenso berühmte wie große Festspiel-Chor wird nicht auf der Bühne singen. Seine Beiträge werden eingespielt. Gestrichen wurden außerdem die Begrüßung der Premierengäste vor dem Festspielhaus und der Staatsempfang im Neuen Schloss. Stattdessen wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Mitwirkenden nach der Premiere auf dem Festspielgelände willkommen heißen.

Zum nahenden Ende ihrer Amtszeit kommt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Bayreuth: Sie gehört zu den Premierengästen am Sonntag, wie die Stadt Bayreuth mitteilte. Merkel und ihr Mann Joachim Sauer gelten als große Anhänger von Wagners Werk und sind seit vielen Jahren Stammgäste am Grünen Hügel.

Festspiele mit "Signalwirkung" für die Kultur

Eine Hiobsbotschaft gab es allerdings - nicht ganz ungewöhnlich für die Festspiele - kurz vor dem Start: Denn nur wenige Tage vor Beginn fehlte den Bayreuther Festspielen ein wichtiger Sänger: Günther Groissböck, der in diesem Jahr den Wotan in der von Blutkünstler Hermann Nitsch illustrierten «Walküre» singen sollte, habe am Samstagvormittag abgesagt - nur fünf Tage vor der Premiere am 29. Juli. «Er möchte hier in Bayreuth beste Qualität abliefern und durch die lange Corona-Pause kann er das nicht garantieren», sagte Festivalleiterin Katharina Wagner am Samstag. Ein Ersatz sei in der Kürze der Zeit noch nicht gefunden.

Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) haben die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr eine besondere Signalwirkung für die Kultur in Deutschland. Das Festival sei «ein Zeichen der Hoffnung für Künstlerinnen und Künstler, allein deshalb, weil Musik und Theater wieder live und vor Publikum stattfinden können», sagte sie.

Wegen der Corona-Pandemie konnten viele Kulturschaffende kaum oder nur sehr eingeschränkt arbeiten. Auch die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele waren im Vorjahr komplett ausgefallen - und damit auch die geplante Neuinszenierung von Richard Wagners vierteiligem «Ring des Nibelungen».

"Tannhäuser" mit im Programm

Das Projekt wurde wegen Corona auf 2022 vertagt. Als eine Art Ersatz dafür soll es in diesem Jahr zu jeder der vier «Ring»-Opern ein Projekt geben. Für 2023 plant die Festspielleitung dann etwas ganz Besonderes, wie sie am Samstag mitteilte: Einen «Parsifal» als 3D-Oper mit digitalen Elementen.

Zum diesjährigen Programm gehören neben dem neuen «Holländer» und der «Walküre» zudem «Die Meistersinger von Nürnberg» in der Inszenierung von Barrie Kosky und Tobias Kratzers «Tannhäuser». Andris Nelsons und Christian Thielemann werden Konzerte im Festspielhaus dirigieren. Das Festival endet am 25. August.