4.280 Gramm – so viel haben Abdullah, Hussein und Zeinab Al-Boustani bei ihrer Geburt auf die Waage gebracht. Zusammen. Das teilt das Klinikum Bayreuth mit. In der 31. Schwangerschaftswoche, also rund neun Wochen vor dem Geburtstermin, hat Balhas Douha die beiden Jungen und deren Schwester per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

„Wir freuen uns sehr, dass es der Mutter und den Kindern den Umständen entsprechend gut geht“, sagt Prof. Dr. Thomas Rupprecht, Direktor der Kinderklinik und Leiter des Pernatalzentrums der Klinikum Bayreuth GmbH. Als Perinatalzentrum Level I ist die Klinikum Bayreuth GmbH spezialisiert auf die Betreuung von Risikoschwangerschaften und -geburten, hält nicht nur entsprechendes Fachpersonal – Mediziner und Pflegekräfte mit Zusatzqualifikation auf dem Gebiet der Gynäkologie und Neonatologie – vor, sondern bildet sie auch aus. 

Dennoch: So klein die drei Geschwister waren, so groß war die Herausforderung, vor die ihre Entbindung und die anschließende Betreuung das Team des Perinatalzentrums gestellt hat. „Eine Drillingsschwangerschaft bis zum Geburtstermin auszutragen, ist kaum realistisch“, sagt Prof. Christoph Mundhenke, Direktor der Frauenklinik.

Sein Team und er haben die werdende Mutter ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel in enger Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Gynäkologen betreut und auch die Kolleginnen und Kollegen der Kinderklinik früh eingebunden, denn: Die größte Herausforderung ist es, zum Zeitpunkt der Geburt das richtige Team vor Ort zu haben. Und das gilt im Falle einer Mehrlingsschwangerschaft vor allem für das Team der Kinderklinik. „Ohne deren umfassenden Rückhalt hatten wir die Entbindung nicht durchführen können“, sagt Prof. Mundhenke. 

„Für die Entwicklung der Kinder zählt jeder Tag, den sie gut versorgt im Mutterlaib verbringen. Die Geburt zögert man daher hinaus, solange es ohne Risiko für Mutter und Kinder geht“, sagt Mundhenke. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn es riskant wird, muss es unter Umständen schnell gehen. Ein Team, das zeitgleich drei frühgeborene Kinder versorgen könnte, stand also für den Ernstfall auf Abruf bereit. 24 Stunden, sieben Tage die Woche.

Eine Bereitschaft, die die Kinderklinik nur durch Engagement jenseits gültiger Dienstpläne stemmen kann. Als es soweit ist, stehen im Operationssaal neben dem entbindenden Gynäkologen, dem Anästhesisten und dem OP-Team auch drei Fachärzte für Kinder und Jugendmedizin mit einer neonatologischen Zusatzausbildung und sechs Pflegekräfte mit einer entsprechenden Qualifikation auf diesem Gebiet.

Mohamed Ahmed, Assistenzarzt der Frauenklinik, steht der werdenden Mutter, die ursprünglich aus dem Libanon stammt, außerdem als Dolmetscher zur Seite. „Die vertraute Sprache hat der werdenden Mutter viele Unsicherheiten genommen und die Situation für alle entspannt“, sagt Prof. Mundhenke. „Aus fachlicher Sicht ist es genau die Art von Zusammenarbeit und Herausforderung, für die wir mit unserem Team hier im Perinatalzentrum Level I stehen“, sagen Prof. Christoph Mundhenke und Prof. Thomas Rupprecht. „Wir können das und wir wollen das.“

Allerdings sagt Rupprecht auch klar: Mit den tatsächlichen Ressourcen, so wie sie die Krankenhausfinanzierung derzeit vorsieht, ist es nicht zu machen. „Rund die Hälfe der Kosten entstehen in einem Perinatalzentrum, weil Kompetenzen für den Ernstfall vorgehalten werden“, sagt Rupprecht. Das derzeitige DRG-System bilde aber eben diese umfassende Bereitschaft nicht ab und führe zu Sparzwängen in der Kinderheilkunde.

Die Vorschläge des Bayerischen Gesundheitsministeriums, die Pädiatrie durch Zuschüsse zu unterstützen oder aus dem gängigen DRG-System auszugliedern, hält Prof. Rupprecht daher für unverzichtbar, um eine kompetente Betreuung insbesondere bei Risikoschwangerschaften langfristig zu gewährleisten. Die Klinikdirektoren sind sich einig: „Wir wollen ein zuverlässiger Partner für werdende Eltern und niedergelassene Ärzte sein und jungen Medizinern und Pflegekräften ein interessantes Berufs- und Ausbildungsfeld bieten.“