• Bayreuth: Frühchen Felix wird im Dezember 2021 am Klinikum geboren
  • Baby wiegt nur 650 Gramm - Zustand "mehr als kritisch"
  • Ärzte mit "dem Rücken zur Wand": Felix muss zwei Operationen durchstehen
  • "Ich hatte Riesenglück": Mutter zeigt Sohn nach fünf Monaten zum ersten Mal Zuhause

Im Klinikum Bayreuth hat sich in den vergangenen Monaten eine dramatische Geschichte abgespielt, die nun ein überraschend schönes Ende gefunden hat. Als Baby Felix das Krankenhaus gemeinsam mit seinen Eltern verlässt, wiegt er nämlich 3610 Gramm, wie das Klinikum mitteilt. Doch das Gewicht, das andere Babys bereits bei der Geburt haben, habe sich Felix über Monate erkämpfen müssen, heißt es.

"Ärzte haben uns nichts vorgemacht": Frühchen kommt mit 650 Gramm zur Welt

Felix sei am 14. Dezember 2021 zur Welt gekommen. Sein erstes Weihnachten, seinen ersten Jahreswechsel, die kommenden fünf Monate habe er im Krankenhaus verbracht. Denn bei seiner Geburt ist Felix gerade einmal 650 Gramm schwer, kommt viel zu früh auf die Welt, erklärt das Klinikum Bayreuth. "Die Ärzte haben alles versucht, die Geburt hinauszuzögern", so seine Mutter. Am Ende hätten sie es gerade so über die Schwelle zur 25. Schwangerschaftswoche geschafft.

Rückblickend sei Miriam Oehming klar: "Ich hatte Riesenglück. Glück, dass ich bereits in der Klinik war, Glück, dass in diesem Moment eine Schwester und eine Hebamme nach mir sahen und ich nicht alleine war. Glück, dass alle in der Kinderklinik bereits informiert waren und sich so schnell um Felix kümmern konnten." Denn Felix sei in nur einer Wehe der Krankenschwester unvorbereitet quasi in die Hände "geflutscht". Felix sei direkt in die Kinderklinik gebracht und auf der Intensivstation versorgt worden. 

Sein Zustand sei über eine lange Zeit mehr als kritisch gewesen, heißt es aus dem Bayreuther Klinikum. Die beiden hätten sich bewusst entschieden, nicht über Nacht in der Klinik zu bleiben, sondern "bewusst auch Auszeiten daheim" zu nehmen. "Die Ärzte haben uns nichts vorgemacht. Manche Wahrheiten müssen einfach ausgesprochen werden. Auch wenn sie hart sind", wird die Mutter zitiert. 

"Beinahe alles an Komplikationen mitgenommen": Eltern erleben Odyssee in Bayreuth

Die Freude darüber, dass Felix mit seinen Eltern die Klinik verlassen kann, sei Dr. Winfried Rauch, Leitender Oberarzt in der Kinderklinik und Spezialist für Neugeborene, anzusehen. "Noch vor drei Wochen haben wir diesen Tag nicht konkret vor Augen gesehen", zitiert ihn das Klinikum. Man wisse auch nicht, wie die Entwicklung weitergehen werde. "Aber die Voraussetzungen sind besser, als es zu hoffen und abzusehen war."

Felix habe beinahe alles an Komplikationen "mitgenommen", was bei so früh geborenen Kindern auftreten könne. So habe sich unter anderem seine Lunge nur zögerlich entwickelt. Wenn er eine Chance haben soll, muss er schnellstmöglich operiert werden, trotz des Risikos für den so kleinen Körper, habe damals festgestanden. "Anfangs war Felix‘ ganze Hand nur so groß wie der Daumennagel meines Mannes", erinnert sich Miriam Oehming. 

Das Herz habe die Operation gut überstanden, aber Felix‘ Lunge sei weiter schwach gewesen. In der Folge der Beatmung habe dann die Netzhaut der Augen begonnen, sich abzulösen. Auch die nächste OP habe Felix gemeistert. Zur besonderen Belastungsprobe für die Familie sei eine Corona-Erkrankung der Eltern geworden. Kontakt hielten sie laut Klinikum nur über das Telefon.

Als seine Eltern Corona haben, verschlechtert sich Felix' Zustand im Klinikum dramatisch

Dem Jungen sei es gleichzeitig zusehends schlechter gegangen. "Die Schwestern und Ärzte haben uns nichts verschwiegen. ‚Wir stehen mit dem Rücken zur Wand‘, haben Sie gesagt", so seine Mutter. Dann die erlösende Nachricht: Nach der Corona-Erkrankung habe sich Felix in der Nähe seiner Eltern "langsam, aber stetig" erholt.  Als das erste Mal die Möglichkeit einer Entlassung im Raum stand, seien die Ärzte dennoch davon ausgegangen, dass dies nur mithilfe von Monitorüberwachung und Sauerstoff möglich sein werde.

"Doch sie sollten nicht Recht behalten. Wieder ist Felix der Glückliche", schreibt das Klinikum Bayreuth. Als er das Klinikum mit seinen Eltern verlassen habe, sei er zufrieden in seinem Babysafe gelegen. Miriam und Mathias seien "in den vergangenen Wochen richtige Spezialisten geworden, wenn es um ihr Kind geht", so Rauch. In den kommenden Wochen würden erfahrene Krankenschwestern die junge Familie daheim noch unterstützen.

Eine Nachsorge, die es speziell für Frühgeborene und Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen gebe, sei bereits organisiert. "Ein doppelter Boden, der den Start ins Familienleben erleichtert. Damit die Oehmings nun genießen können, worauf sie so lange warten mussten: Die erste gemeinsame Zeit daheim – glücklich", so das Klinikum Bayreuth.