"Wir haben ein Sozialplanergebnis", teilten der Betriebsratsvorsitzende Paul Walberer und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) Oberfranken am Donnerstagvormittag mit. "Heute Morgen haben wir den Durchbruch geschafft", so Walberer. 

Nach 192 Stunden ist am Donnerstagmittag die Mahnwache vor dem BAT-Werk in Bayreuth zu Ende gegangen. Die Verhandlungen um einen Sozialplan für die rund 950 Beschäftigten, die im Lauf der nächsten zwei Jahre ihren Arbeitsplatz verlieren sollen, seien nach teils "zähen Auseinandersetzungen" abgeschlossen worden, teilte Betriebsratsvorsitzender Paul Walberer bei einer Versammlung vor dem Werkstor mit. Über die genauen Ergebnisse werde die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung in der kommenden Woche informiert, wenn die Vereinbarungen ausformuliert und unterschrieben seien. Michael Grundl, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) in Oberfranken, würdigte die enorme Solidarität unter den Beschäftigten während der vergangenen Wochen: "Behaltet euch diese Solidarität auch in Zukunft." Symbolisch solle ein Mahnfeuer vor dem Werkstor vorerst weiter brennen, kündigte Walberer an.

Am 14. Juli hatte der Konzern British American Tobacco seine Entscheidung bekannt gegeben, die Zigarettenproduktion in dem 1957 eröffneten Bayreuther Werk einzustellen und nach Osteuropa zu verlagern. Bis Mitte 2018 sollen dabei rund 950 der insgesamt 1.400 Arbeitsplätze verloren gehen. Weil das Bayreuther Werk bislang hoch profitabel gearbeitet hatte, löste der überraschende Beschluss allgemein Unverständnis und Empörung aus. Scharfe Kritik übte etwa der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena: "Hier geht es einzig und alleine darum, aus ganz viel Gewinn noch mehr Gewinn zu machen", sagte er bei einem Besuch der Mahnwache in der vorigen Woche. BAT habe im vergangenen Geschäftsjahr etwa 5,8 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, allein im laufenden Jahr 2016 bis Mai einen Gewinn von rund 2,2 Milliarden Euro, rechnete Jena vor. "Vor lauter blinkenden Dollarzeichen in den Augen haben die Manager in London den Blick für die Menschen verloren, die in all den Jahren diese Gewinne erwirtschaftet haben."

Der Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt in Bayern (kda), Johannes Rehm, mahnte mit Blick auf die Bayreuther Ereignisse eine Rückbesinnung auf grundlegende Werte in der Wirtschaft an. "Für eine Wirtschaft um des Menschen willen braucht es in unserem Wirtschaftssystem mehr Beständigkeit und Verlässlichkeit". Menschliche Arbeit sei keine Ware, die man sich so billig wie möglich verschaffen dürfe. Nach Rehms Überzeugung geht es "ganz grundsätzlich um die Würde arbeitender Menschen und um unser aller gesellschaftlichen Zusammenhalt".

Die Protestaktion unter dem Motto "Zukunft. Sonst nichts." - eine Abwandlung eines Werbeslogans für eine bekannte BAT-Zigarettenmarke - hatte am 22. Juli mit einer Kundgebung begonnen, an der mehr als 3.000 Menschen teilnahmen. Seit Mittwoch voriger Woche hielten Beschäftigte und Unterstützer vor dem Werkstor rund um die Uhr eine ständige Mahnwache, die unter anderem auch vom evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und der katholischen Betriebsseelsorge unterstützt wurde. Zentraler Ort der Mahnwache war die mobile Bauwagenkirche der evangelischen Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) aus dem oberfränkischen Marktredwitz.

Die Arbeitnehmervertreter hatten dem Konzern zunächst eine Frist bis zum Mittwoch gesetzt. Nun waren die Gespräche am Donnerstag noch fortgesetzt worden - bis zu einem Ergebnis.