"Wir wollten vermeiden, ihm etwas zu suggerieren. Denn wenn er etwas nicht mehr wusste, nahm er das auf, was ihm die Vernehmungsbeamten sagten", erinnerte sich M. Auch aus dem vor Gericht vorgetragenen Vernehmungsprotokoll ging hervor, dass Ulvi K. immer wieder Begebenheiten von den Beamten vorgegeben worden waren.


Tonbandgerät war abgebaut

Bei dem eigentlichen Geständnis von Ulvi K. war Roman M. allerdings nicht von Anfang an dabei. Nach dem Verhör habe er sich zunächst aus dem Zimmer entfernt, sagte M. Als er nach einigen Minuten zurückkam, habe er gehört, wie Ulvi K. bei dem Beamten Walter H. ein Geständnis ablegte - jenem Mann, den Ulvi K. schon aus Lichtenberg kannte und der als Vertrauensperson für den behinderten Mann diente. Walter H.
sagte wenig später vor Gericht aus, dass er "Ulv" - wie er den Angeklagten nannte - auf dem Weg zum Auto gefragt habe, ob er wirklich die Wahrheit gesagt habe.

Daraufhin habe Ulvi K. begonnen zu reden, woraufhin er schnell mit ihm ins Vernehmungszimmer zurückkehrte - wo allerdings das Tonbandgerät schon abgebaut war. Von der Drohung, Ulvi K. die Freundschaft zu entziehen, sollte dieser nicht gestehen, wollte Walter H. am Dienstag nichts wissen: "Daran kann ich mich nicht mehr erinnern." Klar ausschließen wollte er es aber nicht. Auch Ermittler Roman M. sagte aus, dass es Tonbandaufzeichnungen nicht gebe, weil die Aufnahmegeräte zu diesem Zeitpunkt schon abgebaut worden waren. Der Polizist gab am Dienstag an, sich zwar gewundert zu haben, dass der Beschuldigte plötzlich bereit gewesen sei, ein Geständnis abzulegen. Bei den Kollegen habe er deswegen aber nicht weiter nachgehakt.

Daran, ob dem Verhör eine Tathergangshypothese zugrunde lag, konnte sich M. nach eigenen Angaben genau so wenig erinnern wie der ehemalige Polizeibeamte Rainer G. Roman M. ging auch auf die umstrittene Zeugin Erika S. ein. Sie hatte erst ein Jahr nach Peggys Verschwinden bei der Befragung durch den Polizeibeamten M., behauptet, Ulvi K. zwischen 12.55 und 13.10 Uhr zweimal auf dem Marktplatz gesehen zu haben. Also an dem Ort, an dem Peggy kurze Zeit später das letzte Mal gesehen wurde. Auf die Frage, warum S. nicht schon bei der ersten Befragung 2001 angegeben hätte, den geistig behinderten Mann gesehen zu haben, erklärte sie, nicht nach Ulvi K. befragt worden zu sein.

Zudem seien ihr die Beamten der Soko I, die zunächst ihren Sohn als Verdächtigen im Visier gehabt hatten, unsympathisch gewesen. Die Beamten, so M., hätten sich durch die Aussage von Erika S. in ihren Zweifeln an Ulvi K.s Alibi bestärkt gefühlt. Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt. Carolin Münzel