SPD und die CDU/ CSU tun sich derzeit sichtlich schwer, ihre Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2017 zu bestimmen. Vielleicht können sich die großen Parteien da etwas vom Bayreuther Kreisverband der Patei "Die Partei" ("Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative", gegründet im Jahr 2004 von Redakteuren des Satiremagazins Titanic) abschauen?

Der Bayreuther Ableger der Satire-Partei sucht ihren Direktkandidaten zur Bundestagswahl für den Wahlkreis Bayreuth am Samstag (12. November) über ein Politcasting. Denn, so Kreisvorsitzender Michael Beck, "die letzte ernst zu nehmende Bastion der Demokratie in Deutschland ist ohnehin die Casting-Show".

Teilnehmen kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. "Ob heiße, sexy Dame oder seriöser Populist: Wir setzen keine Grenzen" heißt es auf der Veranstaltungsseite im Internet. Hier können sich bis Samstagabend kurz vor Beginn der Show (18 Uhr) noch Casting-Kandidaten anmelden.

Mit zwei Anwärtern, Wolfgang Karl und Julian Kreten, haben wir vorab gesprochen. Wenn man Parteiflügel einführen möchte, ist Karl eher dem satirischen, Kreten eher dem realpolitischen Flügel zuzurechnen.


Was zeichnet Sie als Kandidaten aus?

Wolfgang Karl: Absolute Bestechlichkeit, bestechendes Auftreten und bestechende Reden.

Julian Kreten: Mich zeichnet aus, dass ich einer der Wenigen in der Politik bin, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Wenn man sich zum Beispiel unseren aktuellen Bundestag ansieht, hat man da meistens Doktoren und Professoren, Hochgebildete... Und meine Wenigkeit kommt mit der "Mittleren Reife" praktisch direkt aus der Mittelschicht.


Womit wollen Sie das Publikum und die Jury überzeugen?

Wolfgang Karl: Mit meinem unbändigen Sex-Appeal. Dafür werde ich auch trainieren, in meiner Königsdisziplin. Das ist einarmiges Reissen in der Liter- und Halbliter-Klasse. Da macht mir so schnell keiner was vor.

Julian Kreten: Dadurch, dass ich zurück zu den Wurzeln der deutschen Demokratie möchte. Dass wieder Vernunft und Menschlichkeit an erster Stelle stehen und nicht wie momentan Verallgemeinerungen und Hass.


Was werden Sie für Bayreuth in Berlin durchsetzen, sollten Sie gewählt werden?

Wolfgang Karl: Natürlich die A9 zerstören; weil Bayreuth braucht kein Berlin, das wissen wir. In Franken kommt man auch ohne Berlin zurecht. Außerdem wollen wir aus Berlin unser Geld zurück. Und wir wollen mindestens eines der Museen! Weil wir haben zu wenige Museen und deshalb können wir uns vorstellen, dass die Berliner uns eines ihrer Museen abgeben müssten, weil leisten können die es sich sowieso nicht. Das Pergamonmuseum wäre schick. Das würde auch ganz gut nebens Festspielhaus passen.

Julian Kreten: Für Bayreuth und alle anderen Bevölkerungen würde ich gerne durchsetzen, dass Politiker im Bundestag mindestens einmal im Quartal für mindestens zwei Wochen als Praktikant in verschiedene Berufsfelder müssen, um die Missstände am eigenen Leib zu erfahren. Ich selbst würde damit auch anfangen. Im Bundestag haben wir teilweise Politiker vertreten, die ihr Leben lang nur Politiker waren und nicht wissen, wo der Schuh in den Pflegeberufen drückt und wie ein Mauerer bis zum 65. Lebensjahr arbeiten soll. Auf solche Missstände möchte ich aufmerksam machen.


Warum kandidieren Sie für "Die Partei" und keine der etablierten Parteien?

Wolfgang Karl: Weil die Partei die einzige Nichtspaßpartei ist. Mit Spaßparteien will ich nichts zu tun haben, Politik ist ein ernstes Geschäft!

Julian Kreten: Ich habe die "Partei" gewählt, weil sie nicht gerade der einfachste Weg ist, um Politik zu machen - wie man an den letzten Wahlergebnissen sehen konnte. Zum anderen auch, weil nur "Die Partei" Satire erlaubt, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Und ich denke gerade mit dem angesprochenen Wahlprogramm (Praktika für Politiker) wäre ich bei SPD und CSU kein allzu gern gesehener Gast.

In der Casting-Show zu Gast sind Karl und Kreten am Samstag (12. November) um 18 Uhr im Forum Phoinix in der Kämmereigasse 9 ½ in Bayreuth. Noch können sich Kandidaten bewerben, auf der Facebook-Seite der Partei oder per Mail an Die-PARTEI-bayreuth@web.de.

Der Wahlkreis Bayreuth (Wahlkreis 237) umfasst die kreisfreie Stadt Bayreuth, den Landkreis Bayreuth sowie die Städte Ebermannstadt und Gräfenberg und die Gemeinden Egloffstein, Gößweinstein, Hiltpoltstein, Obertrubach, Pretzfeld, Unterleinleiter, Weißenohe und Wiesental. Für die "Partei" zur Wahl stellen dürfe man sich laut Kreisvorsitzendem Michael Beck auch ohne an der Casting-Show teilzunehmen.