Der Bamberger Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker hat den wirtschaftlichen Nutzen von Zuwanderung für die deutschen Sozialkassen herausgestellt.

Eine kürzlich erschienene Studie der Bertelsmann-Stiftung habe gezeigt, dass die Steuern und Abgaben der ausländischen Bevölkerung alle Leistungen des Staates und Transfers der Sozialabgaben um 3.300 Euro pro Person und Jahr übersteigen. Dies sagte Brücker der in Berlin erscheinenden "tageszeitung" (Freitagsausgabe).

Kritik an Hans-Werner Sinn

Brücker kritisierte damit unter anderem den Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Der Ökonom hatte kurz vor dem Jahreswechsel erklärt, Migranten würden den Staat 1.800 Euro im Jahr kosten. Die Rechnungen des ifo-Chefs ergäben ein verzerrtes Bild, entgegnete Brücker, der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bamberg ist: "Sinn rechnet die allgemeinen Staatsausgaben für Bundeswehr, Schuldendienst, Infrastruktur einfach mit." Nach dieser Rechnung würde auch jeder deutsche Bürger den Staat 1.100 Euro kosten, sagte Brücker.

"Die neuen Einwanderer sind ein Geschäft, kein Verlust", sagte Brückner. Neben vielen Akademikern kämen allerdings auch überdurchschnittlich viele Zuwanderer ohne abgeschlossene Berufsausbildung nach Deutschland. Mittlere Qualifikationen wie etwa Facharbeiter seien schwach vertreten.

Deutschland muss sich mehr für Zuwanderung öffnen

Brücker verteidigte den Ansatz, Zuwanderung ökonomisch zu betrachten: "Wir müssen verstehen, welche Wirkungen Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat hat." Falsch wäre aber, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass bestimmte Gruppen nicht nach Deutschland kommen dürften, weil sie weniger wert seien. Mittelfristig müsse sich Deutschland "mehr und nicht weniger für Zuwanderung öffnen".


Prof. Dr. Herbert Brücker ist Professor für Volkswirtsc haftslehre an der Universität Bamberg. Sein Schwerpunktthema ist die Integration europäischer Arbeitsmärkte. Als Leiter des Forschungsbereichs "Internationale Vergleiche und Europäische Integration" am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beschäftigt er sich seit Jahren mit den ökonomischen Bedingungen und Wirkungen von Aus- und Zuwanderung.