"Wenn ich meinen Stand vor der Tür daheim aufbaue ist es dasselbe." So kommentiert Blumenhändler Michael Kresser den Vorschlag aus dem Bamberger Rathaus, die Marktbeschicker sollten diesmal am "Bamberg zaubert"-Wochenende (13. bis 15. Juli) auf den Heumarkt ausweichen. Dort werde kein Geschäft gehen, da könne man gleich zu Hause bleiben, prognostiziert auch ihr Sprecher Dieter Peterhänsel, seines Zeichens Obst- und Gemüsehändler. Und genau das wollen er und seine Kollegen diesmal tun.

Ein Brief vom 18. Mai 2012, unterzeichnet vom städtischen Sozial- und Umweltreferenten Ralf Haupt, hat bei den Händlern das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht. Darin werden ihnen für die Dauer des Kleinkunstfestivals zwei Alternativen zum Grünen Markt unterbreitet. Erstens der Heumarkt, der für sie nicht in Frage kommt, weil er ihnen zu abseits liegt. Und zweitens der Maxplatz. Jahrelang arbeiteten die Beschicker daran, von dort wegzukommen, weil er im Sommer keinen Schatten bietet und weil die Stände hintereinander stehen mussten: In zweiter und dritter Reihe waren die Umsätze schlechter als in der ersten.

Peterhänsel hat sich dem Maxplatz schon in den beiden vergangenen Jahren bei "Bamberger zaubert" verweigert. Heuer wollen es alle seine Kollegen tun. Aus Ärger darüber, dass "wieder einmal" im Rathaus Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen worden seien.


Termin war lange bekannt


Man lasse ja mit sich reden, sagt Peterhänsel als Vorsitzender der Bezirksstelle Bamberg des Landesverbands der Marktkaufleute und der Schausteller. Der Termin von "Bamberg zaubert" 2012 sei lange bekannt gewesen. Aber die Beschicker seien wieder erst zu einem Zeitpunkt informiert worden, an dem Standverträge mit anderen geschlossen sind und nichts mehr zu ändern ist.

Fakt ist: Die Stammplätze der Marktkaufleute zwischen Gabelmann und Einmündung Franz-Ludwig-Straße sind am 13. und 14. Juli anderweitig vermietet. Die Verträge hat der Stadtmarketingverein als "Bamberg zaubert"-Veranstalter längst geschlossen, wie dessen Erster Vorsitzender Alfred Distler bestätigt. Daran sei nicht mehr zu rütteln, wolle man das Festival nicht aufs Spiel setzen. Die Reaktion der Marktkaufleute empfindet er als eine "Trotzreaktion", die für ihn "definitiv nicht nachvollziehbar ist".

Steffen Schützwohl von der Rathaus-Pressestelle sieht schon einen grundsätzlichen Konflikt: "Die einen wollen dahin, wo die anderen sind." Er verweist aber auf die Markt-Satzung, in der "Bamberg zaubert" ausdrücklich als einer der Anlässe genannt sei, für den die Händler Platz machen müssen. Das Festival, das zum 14. Mal stattfindet, habe quasi ältere Rechte am Grünen Markt. Zu Maxplatz-Zeiten hätten die Marktkaufleute viel häufiger ausweichen müssen, betont Schützwohl.


Sollen doch die anderen auf den Maxplatz!


Das stellt der Markt-Sprecher nicht in Abrede. Aber ihm und seinen Kollegen stellt sich die Frage, warum sie "wandern" sollen. Genau so gut könne den Betreibern der Imbiss- und Verkaufsstände, die zum Festival-Wochenende kommen, der Maxplatz zugewiesen werden.

Die Frage hält Distler für berechtigt und signalisiert, dass man sie für die Zukunft erörtern könne. In der Vergangenheit hat sie sich nach seinen Worten nicht gestellt, habe es keinen Handlungsbedarf gegeben. Nach seiner Kenntnis waren die Beschicker mit dem Ausweichstandort Maxplatz einverstanden. Der Eindruck täuscht, glaubt man Peterhänsel. Nicht ohne Grund habe der Verband gekämpft, um auf den Grünen Markt zu kommen.

Heuer hätten sie am Donnerstag, 12. Juli, um 16 Uhr am Grünen Markt einpacken und dann auf den Maxplatz umziehen müssen. Am Freitag, 13. Juli, sollten sie spätestens um 15.30 Uhr wegfahren, am Samstag, 14. Juli, gar nicht erst kommen. Sicherheitsgründe führt der Ordnungsreferent in seinem Brief an; es wäre zu gefährlich, wenn die Lkw der Händler noch durch die Fußgängerzone fahren, während die Besucher hineindrängen.

In einem Gespräch, das auf Einspruch Peterhänsels in der vergangenen Woche zu Stande kam, wurde den Händlern noch ein Kompromiss angeboten: der Verkauf am Festival-Samstag bis 14 Uhr auf dem Maxplatz. Doch auch das sei keine Lösung, wie Michael Kresser deutlich macht: "Das hieße, im Hauptgeschäft zu gehen." Gerade samstags kämen die Leute immer später, habe sich das Einkaufsverhalten nach hinten verschoben.

Wenn sie schon nichts verdienen könnten am "Bamberg zaubert"-Wochenende, wollen die Händler ihre Ausgaben minimieren. Deshalb bleiben sie gleich daheim. Ihren Helfern - durchschnittlich vier pro Stand - haben sie für 13. und 14. Juli schon unbezahlten Urlaub angekündigt. So spart man sich die Personalkosten und die Ausgaben für den Einkauf von Waren, auf denen man am Ende sitzen bleibt.