Der Interessenskonflikt zwischen den Beschickern des Wochenmarkts und dem Zauberfestival beschäftigt heute auch den Stadtrat. Weil die Händler vom 13. bis 15. Juli für "Bamberg zaubert" wieder den Grünen Markt verlassen müssen, haben sie angekündigt, heuer ganz daheim zu bleiben.

Bambergs neue Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing will sich zwar nicht in diesen Streit einmischen, meldet sich aber zu Wort, weil sie aus der öffentlichen Diskussion des Themas den Eindruck gewonnen hat, dass die Märkte nicht (mehr) die Wertschätzung genießen, die sie verdient hätten. Eißing nennt sie ein "immaterielles Welterbe, das so konkret ist, dass wir Bamberger im direktesten Sinn davon leben: wir haben es, wenn wir wollen täglich auf dem Tisch beziehungsweise Teller".

Gerade weil der tägliche Markt für die Bamberger etwas ganz selbstverständliches ist, erscheint es der Heimatpflegerin wichtig, festzuhalten, wie außergewöhnlich so ein Angebot ist: "Gäste und Besucher beneiden uns." Andernorts müssten Verbraucher in ein Spezialitätengeschäft gehen oder sich an den exklusiven Versandhandel wenden, wenn sie etwas Besonderes wie zum Beispiel "Bamberger Hörnla"-Kartoffeln wollen. In Bamberg gehe man dagegen "einfach nur in die Stadt auf den Markt". Ob der tägliche Wochenmarkt, der Erzeugermarkt am Mittwoch, Freitag und Samstag in der Hauptwachstraße, der samstägliche Bauernmarkt auf der Promenade oder der Direktverkauf in den Gärtnereien in der Gärtnerstadt: "So ein üppiges Angebot hätten viele gerne!"

Die Bedeutung des Marktgeschehens für Bamberg dokumentieren alte Straßennamen wie Obstmarkt, Heumarkt, Grüner Markt und Holzmarkt. Sie lassen laut Eißing zugleich erkennen, dass die Marktleute schon öfters ihren Standplatz wechseln mussten. Wenn die Händler bestrebt sind, ihren Kunden einen festen Verkaufsort anzubieten, kann die Heimatpflegerin das nur zu gut verstehen: "Jeder, der mit Verkauf zu tun hat, weiß, wie wichtig es ist, dass der potenzielle Kunde weiß, wo er die gewünschten Dinge zuverlässig bekommt."

Im Angebot regionaler Ware rund ums Jahr sieht Stephanie Eißing nur eine von mehreren Leistungen, die die Beschicker der Bamberger Märkte erbringen. Auch der direkte Kontakt von Verbraucher zu Produzent, die "nette Unterhaltung" am Stand sowie die Ratschläge zur Zubereitung und Lagerung vom Fachmann gehörten dazu. Das alles sei gepaart mit dem Risiko, beim Ausbleiben der Kundschaft Ware auf dem Kompost entsorgen zu müssen. Eißing widerspricht damit ausdrücklich einem Kommentator, der in der Debatte um den "Bamberg zaubert"-Boykott durch die Händler die Vermutung geäußert hatte, diese würden sich eine "goldene Nase" verdienen.

Wer auf den Märkten kaufe, praktiziere "direkte Welterbepflege", betont die seit April amtierende Kollegin von Stadtheimatpfleger Ekkehard Arnetzl: "Die Stände in allen Farben des Garten und Feldes, im Sommer mit den Düften der Früchte als mit allen Sinnen bewunderter und viel fotografierter Teil von Stadtrundgang und Stadtführung. Das können wir Bamberger täglich haben! Die Wertschätzung dieser Tradition und ein sorgsamer Umgang damit sollte eigentlich Selbstverständlichkeit sein."