Die Lage ist idyllisch, mit schönem Blick auf Sassanfahrt, auf die friedlich mäandernde Regnitz und die neue Regnitzauer Mauer, die den Fluss bei Hochwasser bändigen wird. Aber man möchte nicht gerne längere Zeit verharren an diesem Ort in der Talaue, denn es riecht streng bis faulig und ständig ist aus der Tiefe das mampfende Geräusch einer mit Urgewalt arbeitenden Pumpe zu hören: Die erneuerte Mischwasser-Behandlungsanlage für den Ortsteil Sassanfahrt hat den Betrieb aufgenommen. Abgeschlossen wird das gut 800.000 Euro verschlingende Projekt im Oktober, erfuhr der Bauausschuss des Marktgemeinderates bei einer Ortsbegehung auf der Baustelle.

In den letzten Jahrzehnten diente das in den 1970er-Jahren erbaute Klärwerk von Sassanfahrt als Überleitungsstation in die Hirschaider Abwasserreinigungsanlage. Inzwischen war es marode geworden, die Kapazitätsgrenze war überschritten und die Betriebserlaubnis abgelaufen. Die Steuerungstechnik war mehr schlecht als recht in einem ehemaligen Buswartehäuschen untergebracht und die Klärwärter fanden kaum noch zumutbare Arbeitsbedingungen vor.

Das ändert sich nun alles. Für die Pumpen und die elektrische Anlage wurde ein neues Pumpwerk gebaut. Saniert und technisch aufgerüstet wurde das Regenrückhaltebecken. Es erhielt unter anderem einen Schwenkstrahlreiniger. Die Rechenanlage zur Verhinderung von Verstopfungen sowie eine Tauchwand im Trennbauwerk wurden nachgerüstet, die Abflusssteuerung auf 20 Sekundenliter ausgelegt.

Die hier gesammelten Abwässer werden durch eine Druckleitung unter der Regnitz hindurch zur Hirschaider Kläranlage befördert. Bei Starkregenereignissen sorgt ein neuer Klärüberlauf in die Regnitz für die Ableitung vorgereinigter Abwässer.

Diese Mischwasser-Behandlungsanlage Mitte wird ergänzt durch ein Rückhaltebauwerk Ost, das ebenfalls den heutigen Anforderungen angepasst worden ist: Die Entleerungspumpen inklusive Steuerung wurden erneuert, die elektrische Anlage ebenso und auch die Rückstauebene wurde neu reguliert.

Ein großer Fortschritt

Hier wurden 116.000 Euro verbaut, über 600.000 Euro gibt die Marktgemeinde zur Ertüchtigung der Anlage Sassanfahrt-Mitte aus. Es werde damit ein großer Fortschritt für das Abwassersystem von Hirschaid erzielt, versicherte Bauingenieur Wolfgang Harrer dem Bürgermeister Klaus Homann und den Mitgliedern des Bauausschusses. Zumindest die älteren schwelgten beim Besuch der Anlage in Erinnerungen an einstige Badefreuden, die sie in ihrer Kindheit unweit des Einlaufs der Sassanfahrter Kläranlage am Naturbadestrand der Regnitz genossen haben.

Inzwischen ist zur Verbesserung der Wasserqualität der halb Mittelfranken und das südliche Oberfranken entwässernden Regnitz unglaublich viel von den Städten und Gemeinden investiert worden. Und auch Hirschaid lässt sich trotz angespannter Finanzlage die Reinhaltung des Flusses einiges kosten.